1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Ex-Landesbanker gesteht Bestechung durch Ecclestone

Bernie Ecclestone ist seit 30 Jahren die Formel 1 in Person. Nun hat der bayerische Ex-Landesbanker Gribkowsky gestanden: Ecclestone habe ihn mit 44 Millionen Dollar bestochen. Das könnte das Aus für "Big Bernie" werden.

Kurz vor Ende des Schmiergeldprozesses hat der angeklagte ehemalige BayernLB-Manager Gerhard Gribkowsky doch noch ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 54-Jährige gab am Mittwoch (20.06.2012) vor dem Münchner Landgericht zu, 44 Millionen Dollar für den Verkauf der Formel 1 an die Gesellschaft CVC Capital Partners erhalten zu haben. "Ja, es war Bestechungsgeld und ich hätte es in Deutschland versteuern müssen", sagte er. Gribkowsky hatte seit seiner Verhaftung im Januar 2011 geschwiegen. Trotz Geständnis muss Gribkowsky mit einer Haftstrafe von sieben Jahren und zehn Monaten bis zu neun Jahren rechnen, so der Richter.

Gribkowsky, der damals Risikovorstand der BayernLB war, ist wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung angeklagt. Als Vorstand der BayernLB war er 2006 zuständig für den Verkauf der Formel 1-Beteiligung der bayerischen Landesbank. Bernie Ecclestone, der Chef der Rennserie, wollte den britischen Finanzinvestor CVC Capital Partners mit im Boot haben. Um seinen Wunsch durchzusetzen, bestach er Gribkowsky, damit die Anteile an die "richtige" Adresse verkauft wurden.

Von EM.TV über Kirch zur BayernLB

Der BayernLB waren die Anteile nach der Kirch-Pleite zugefallen. Die Geschichte begann zur Zeit des Höhepunktes der New Economy im Jahr 2000, als das Medienunternehmen EM.TV bei der Formel 1 einstieg. Mit im Boot bei der Formel 1 war auch damals schon Bernie Ecclestone, mit seiner Familienstiftung. Nur wenig später ging es mit EM.TV bergab. Die Kirch-Gruppe des damaligen Medienzaren Leo Kirch kam zu Hilfe, erhielt im Gegenzug den Anteil an dem Rennzirkus und stockte ihn noch auf. Dafür musste Kirch Kredite aufnehmen, unter anderem bei der BayernLB.

Die Kirch-Gruppe meldete dann 2002 Insolvenz an. Dadurch wurde die Landesbank aus München unerwartet zum Anteilseigner der Formel 1 und der damalige Risikovorstand Gerhard Gribkowsky zum Motorsport-Verantwortlichen. In der Folgezeit entwickelte sich ein Streit mit den Autokonzernen, denen die tonangebende - und profitable - Rolle Ecclestones und seiner Verbündeten ein Dorn im Auge war. Auch eine Übernahme der Formel 1 durch einen oder mehrere Hersteller oder eine Konkurrenzveranstaltung standen zur Debatte.

Vier Jahre später verkaufte Gribkowsky die BayernLB-Anteile an den Finanzinvestor CVC Capital Partners und die Wogen glätteten sich. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten der Private-Equity-Branche und hat europäische Wurzeln. Der Finanzinvestor übernahm die Formel-1-Mehrheit durch den Erwerb der Anteile der BayernLB und von Ecclestone beziehungsweise seiner Familie. Dies geschah indirekt über die neu gegründete CVC-Tochter Alpha Prema, an der Ecclestone wiederum ebenfalls beteiligt ist. So blieb Ecclestone auch bei diesem Deal Chef der Formel 1 und Gribkowsky rückte in den Aufsichtsrat von Alpha Prema.

Formel 1 Eins Rennen: Mechaniker schieben den Wagen von Lewis Hamilton im McLaren Mercedes beim Autorennen in Montreal Kanada, Foto: dpa

Die Formel 1 setzt rund zwei Milliarden Dollar pro Jahr um. Die gehört zu über 63 Prozent CVC Capital Partners, zu 13, Prozent Ecclestone und seiner Familienholding und zu 18,4 Prozent Banken.

"Ich hatte das Gefühl, umsonst gearbeitet zu haben …"

Am Mittwoch gab Gribkowsky zu, dass er im Zuge des Verkaufs einen lukrativen Beratervertrag ausgehandelt habe. Der Angeklagte berichtete von mehreren Treffen mit Ecclestone und Vertrauten des Formel-1-Bosses. Bei einem ersten Gespräch zu einem möglichen Verkauf der Formel 1 mit Ecclestone im Mai 2005 habe ihm der Brite deutlich gemacht, dass er in der Formel 1 das Sagen habe. "Wenn du mir ins Handwerk pfuscht, werde ich dir zeigen, wie es läuft", habe der heute 81-jährige Ecclestone ihm gesagt.

Nachdem die Rennserie schließlich an CVC verkauft worden sei, habe er mit Ecclestone und Donald MacKenzie, dem CVC-Chef, den Beratervertrag ausgehandelt. Für die Vertragsausfertigung sei MacKenzie verantwortlich gewesen, erklärte Gribkowsky. Die 44 Millionen Dollar daraus flossen einer von ihm gegründeten Gesellschaft zu, berichtete er. Er habe anschließend in Österreich eine Stiftung gegen Krebs gegründet. Die 44 Millionen Dollar habe er als eine Anerkennung für seine Bemühungen gesehen, die er von der Landesbank nicht bekommen habe, so der damalige Risikovorstand der BayernLB. "Ich hatte das Gefühl, umsonst gearbeitet zu haben." Inzwischen wisse er, dass dies "ein Fehler" gewesen sei.

Formel 1 Chef Bernie Ecclestone, Foto: AP/dapd)

Auch ihm könnten nun eine Anklage wegen Bestechung drohen: Formel 1 Chef Bernie Ecclestone

Die personifizierte Formel 1

Seit drei Jahrzehnten ist Ecclestone praktisch die Formel 1 in Person. Was er sagt, wird auch so gemacht. Wer ein Formel-1-Rennen in seinem Land veranstalten will, muss mit dem Engländer an den Tisch. Auch in den geplanten Börsengang ist er maßgeblich involviert. Dieser wurde allerdings - so ließ man es verlauten - wegen der schwachen Märkte erst einmal verschoben.

Mit politisch unkorrekten Aussagen ist Eccelstone schon öfter aufgefallen. Konsequenzen gab es nie. Nun allerdings droht ihm nach Informationen der Financial Times Deutschland eine Anklage wegen Korruption. Käme es zu einer Anklage und einer Verurteilung, würde die Frage nach einem Nachfolger drängender. Ende Mai hatte die neue Formel-1-AG Peter Brabeck-Letmathe, den Präsidenten des Verwaltungsrats beim Lebensmittelhersteller Nestle, zum Vorsitzenden ernannt. Der 67-Jährige soll nicht nur den Börsengang vorbereiten, er soll auch auf Sicht einen Nachfolger für Ecclestone finden.

iw (dpad, dpa)