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Afghanistan

Ex-Kriegsherr Hekmatjar ruft Taliban zum Frieden auf

Er war einst als "Schlächter von Kabul" berüchtigt - nach Jahren im Exil hat Milizenführer Hekmatjar in Afghanistan für Frieden geworben. Nach dem Wiedererstarken der Taliban schicken die USA erneut Soldaten.

"Gebt diesen Krieg auf, dessen Opfer in erster Linie Afghanen sind", sagte Gulbuddin Hekmatjar in einer Rede vor Anhängern in der Provinz Laghman. Es war sein erster öffentlicher Auftritt seit mehr als 20 Jahren im Exil. "Ich lade euch ein, euch der Friedenskarawane anzuschließen und diesen sinnlosen und unheiligen Krieg zu beenden", sagte der Milizenführer. "Ich will ein friedliches, stolzes, unabhängiges und islamisches Afghanistan." Die Ansprache wurde auch im Fernsehen übertragen.

Afghanistan Kriegsherr Gulbuddin Hekmatyar plädiert für den Frieden (Reuters/Parwiz)

Gulbuddin Hekmatjar (rechts) kurz vor seiner Pressekonferenz in Laghman

Hekmatjar ist Chef der Miliz Hesb-i-Islami. In den 1980er Jahren kämpfte er als Mudschahedin-Führer gegen die sowjetische Besatzung und war anschließend maßgeblich am Bürgerkrieg in Afghanistan beteiligt. Ihm werden mehrere Kriegsverbrechen zur Last gelegt. Er wird unter anderem für die Bombardierung der Hauptstadt Kabul verantwortlich gemacht, bei der tausende Menschen getötet wurden. Dies hatte ihm den Beinamen "Schlächter von Kabul" eingebracht.

Friedensabkommen mit Regierung

Im September vergangenen Jahres schlossen Hekmatjar und seine Hesb-i-Islami ein Friedensabkommen mit der afghanischen Regierung. Hekmatjar und weitere Mitglieder der Miliz erhielten daraufhin Immunität vor einer Strafverfolgung. Im Gegenzug verpflichtete sich die Gruppe, ihren bewaffneten Aufstand zu beenden.

Der UN-Sicherheitsrat hob im Februar die Sanktionen gegen den Anführer auf und ermöglichte ihm die Rückkehr nach Afghanistan. Hekmatjar, der nach der Machtübernahme der Taliban 1996 aus Afghanistan geflohen war, soll in den vergangenen Jahren in Pakistan untergetaucht gewesen sein.

Afghanistan PK Gulbuddin Hekmatyar (DW/O. Deedar)

Zuhörer bei der Pressekonferenz von Hekmatjar in Laghman

In seiner Rede richtete Hekmatjar auch eine Warnung an die ausländischen Truppen in Afghanistan, "die diesen Krieg nicht gewinnen können". Die Afghanen müssten selbst eine Lösung für ihre Probleme finden.

Präsident Aschraf Ghani sagte, die Rückkehr von Hekmatjar nach Jahren im Untergrund werde "bemerkenswerte Auswirkungen auf Frieden, Stabilität, Wohlstand und Entwicklung" haben.

Die Taliban hatten am Freitag den Beginn ihrer jährlichen "Frühjahrsoffensive" verkündet. Die NATO-Staaten, die ihren Kampfeinsatz Ende 2014 offiziell beendet hatten, haben angesichts der wiedererstarkten Taliban derzeit noch mehr als 13.000 Soldaten in Afghanistan im Einsatz.

US-Armee kehrt in Unruheprovinz Helmand zurück

Die USA stationierten am Wochenende - zwei Jahre nach ihrem Abzug - wieder Marineinfanteristen in der südlichen Provinz Helmand. Der NATO-Oberkommandierende in Afghanistan, US-Genral John Nicholson, nahm an einer Übergabezeremonie zum Empfang der ersten Soldaten teil, meldet die Nachrichtenagentur AFP. Die Marineinfanteristen sollen die NATO bei der Ausbildung von afghanischen Soldaten gegen die Taliban unterstützen.

 

Helmand war eine der ersten Provinzen, in denen nach der US-geführten NATO-Offensive gegen die Taliban Ende 2001 amerikanische Soldaten stationiert wurden, darunter auch tausende Marineinfanteristen. Bis zum Abzug der Kampfeinheiten lieferten sie sich in der auch für den Opiumanbau bekannten Provinz heftige Gefechte mit den Taliban. Helmand ist jedoch bis heute eine Hochburg der Islamisten: Die Taliban kontrollieren oder kämpfen um zehn der 14 Bezirke.

rk/sti (afp, dpa, rtrd)