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Fokus Osteuropa

Ex-Jugoslawien: Minenräumung mühsames Unterfangen

In den Nachfolgestaaten von Ex-Jugoslawien sollen bis 2010 alle Minen geräumt sein. Bei einem Treffen mussten die betroffenen Länder jedoch eingestehen, dass dieses ehrgeizige Ziel nicht zu erreichen sein wird.

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Gefunden werden verschiedene Minen

Die an den Jugoslawienkriegen der neunziger Jahre beteiligten Länder gehören zu den am stärksten verminten Regionen der Welt. Zur Beseitigung und Vernichtung der Minen, zumeist Antipersonenminen (Tretminen), die im Krieg in Eile verlegt wurden, braucht es Jahre und viel Geld. Die Ottawa-Konvention, die 1999 in Kraft trat, verbietet alle Antipersonenminen und sieht die Räumung der Minenfelder innerhalb von zehn Jahren vor. Zwar haben die Unterzeichnerstaaten der Region ihre Lagerbestände an Minen vernichtet. Aber das wichtigste Ziel, die Beseitigung der verlegten Minen bis 2010, scheint zeitlich nicht eingehalten werden zu können.

Koordinierte Zusammenarbeit

Weil alle Staaten in der Region mehr oder weniger das gleiche Problem haben, ist ein Erfahrungsaustausch erforderlich. Die Zusammenarbeit wird von der Organisation SEEMACC (Southeast European Mine Action Coordination Council) mit Sitz in Slowenien koordiniert. Ende Oktober fand das 16. Treffen der SEEMACC-Länder statt. Arben Braha, Leiter des Zentrums in Albanien, schätzt die Zusammenarbeit: "Kooperation besteht auf technischen Niveau, wir tauschen Informationen und Techniken aus, da die Minen in unserer Region die gleichen sind – die der ehemaligen jugoslawischen Armee."

Die Zusammenarbeit verbessere sich von Jahr zu Jahr. So sei in Montenegro ein Zentrum für Minenräumung unter Wasser eingerichtet worden. "Wir werden 2007 dort Experten ausbilden, vom bosnischen Regionalzentrum werden wir Minensuchhunde einsetzen, mit Mazedonien werden wir die Verminung des Ohridsees überprüfen. Und wir werden auch das kroatische Zentrum kennen lernen, ein modernes Zentrum für die Koordination der Minenbekämpfung. Für uns gibt es keine Politik. Unsere Mission ist, eine Mine mehr zu räumen, um ein Menschenleben mehr zu retten, das ist unser Motiv", so Koordinator Braha.

Noch 1 Million Minen in Bosnien

Nermin Hadjimujagic, Leiter des südosteuropäischen Zentrums für Minenräumung mit Suchhunden, das seinen Sitz in Bosnien-Herzegowina hat, erläutert die Probleme der Minenräumung in der Region: "Der Termin 2010 sieht jetzt unrealistisch aus, weil die Aufgabe viel größer ist, als sie in der ersten Phase eingestuft wurde. Einige Länder werden es schaffen, diesen Prozess zu beenden. Albanien plant, die Minenräumung 2009 zu beenden, Serbien 2010, aber das größte Problem haben die Republik Kroatien und Bosnien-Herzegowina. In Bosnien wird vermutet, dass etwa 2.000 Quadratkilometer noch vermint sind, mit ungefähr einer Million Minen."

Kroatien: Minenräumung auch mit deutscher Hilfe

Fast genauso soviel Territorium gibt es auch in Kroatien zu räumen. Marta Kovacic ist Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des kroatischen Entminungszentrums mit Sitz in Sisak. Sie erklärte gegenüber der Deutschen Welle: "In Kroatien gibt es noch 1.147 Quadratkilometer zweifelhaftes Territorium. Im Moment können wir nicht sagen, wann die Minenräumung endgültig beendet wird, weil das auch von den finanziellen Mitteln abhängt. Momentan wird jährlich 30 Quadratkilometer Oberfläche geräumt. Das Räumen von einem Quadratkilometer kostet ungefähr zehn Millionen Kuna (rund 1,4 Millionen Euro) und es ist abhängig auch von der Beschaffenheit des Terrains. Laut den Statistiken ist das Räumen einer Mine zehnmal teuerer als Herstellung und Verlegung", so Kovacic.

Die deutsche Regierung habe bis jetzt sechs Millionen Euro in die Minenräumung gesteckt, sagt Kovacic, davon 5,2 Millionen Euro über den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der seit einigen Jahren verminte Flächen in Kroatien räumt. Seit vergangenem Sommer ist der ASB wieder mit einem Projekt dort aktiv. Wenn das laufende Projekt beendet ist, wird der ASB auf weiteren vier Quadratkilometern Minen geräumt und an die Gemeinden übergeben haben. Die lokale Bevölkerung und Wirtschaft leiden unter der Verminung, Bauern können ihre Felder und Ackerflächen nicht nutzen, ganze Landstriche können nicht bebaut werden, bevor die Flächen nicht entmint worden sind. Vorrang bei der Entminung haben die Flächen in der Nähe der Wohngebiete, die weniger bewohnten Gebiete kommen erst später dran.

Über 100 Minen-Opfer im Kosovo

Ahmet Sallova leitet die Minenräumung im Kosovo. Vor allem der 120 Quadratmeter große Streifen beiderseits der Grenze zu Albanien wurde vermint. "Die Bevölkerung meidet diese Gegend im Prinzip, aber sie werden aus wirtschaftlichen Bedürfnissen dorthin getrieben, um Bäume zu fällen oder um Pilze oder Heilpflanzen in den Bergen zu sammeln. Wir hatten auch Fälle, wo die Kinder die Minen fanden und damit spielten", meint Sallova. 111 Personen wurden bislang im Kosovo Opfer von nicht explodierter Munition. Im Kosovo gibt es noch 62 verminte Gebiete, auch mit Clusterbomben von den Nato-Luftangriffen, die laut Sallova noch heute im Kosovo vorhanden sind.

Angelina Verbica
DW-RADIO/Albanisch, 14.11.2006, Fokus Ost-Südost