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Fokus Osteuropa

Ex-Jugoslawien: Mühsame Suche nach Vermissten

Die Suche nach Vermissten auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien kommt noch immer nur schleppend voran.

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Arbeit des bosnisch-herzegowinischen Instituts für Vermisste muniert

Von insgesamt 40.000 Personen, die nach Schätzungen der Internationalen Kommission für Vermisste in den 90-er Jahren auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien verschwunden sind, werden noch immer rund 18.000 gesucht. In Bosnien-Herzegowina ist das Schicksal von rund 13.000 Personen ungeklärt. Das Land zählt die meisten Vermissten in der Region. Die zehnjährige Suche nach Vermissten sei erst die Hälfte des Weges, meint Amor Masovic vom Bosnisch-Herzegowinischen Institut für die Suche nach Vermissten. Er klagt darüber, dass die Aufklärung nur äußerst mühsam vorankomme.

Die Direktorin der Internationalen Kommission für Vermisste, Katrin Bomberger, weist darauf hin, dass Fortschritte erzielt worden seien. Aber auch sie erinnert daran, dass immer noch Tausende vermisst werden. Dass das Bosnisch-Herzegowinische Institut für Vermisste, das vor fast zwei Jahren seine Arbeit aufnahm, nur stockend vorankomme, sei eine Tragödie, sagt Bomberger. "Das ist wirklich sehr schwer für uns alle und insbesondere für die Hinterbliebenen. Meiner Meinung nach stecken da nicht etwa politische Spielchen dahinter, sondern ungelöste bürokratische Fragen, bei denen es – wie auch bei vielen anderen Dingen in Bosnien-Herzegowina – sehr lange dauern kann, bis sie ausgeräumt sind."

Bilaterale Zusammenarbeit

Die bilaterale Zusammenarbeit Kroatiens mit Bosnien-Herzegowina und Serbien sei sehr wichtig für die Fortsetzung der Arbeit, auch wenn keine gesetzliche Reglementierung vorhanden sei, meint der Leiter der Kroatischen Kommission für die Suche nach Vermissten, Ivan Grujic. Ihm zufolge habe Kroatien darauf bestanden, mit Bosnien-Herzegowina ein Kooperationsabkommen über die Suche nach Vermissten zu unterzeichnen. "1991 haben wir nämlich noch 18.000 Personen als vermisst geführt. Jetzt sind es insgesamt nur noch 2.050", erklärt Grujic. "Auch wenn eine Familie, die noch immer einen Angehörigen sucht, das nicht akzeptieren kann, ist das ein gutes Ergebnis.

Auch die Kommission für die Suche nach Vermissten Serbiens verfügt, wie es heißt, über konkrete Zahlen. Allerdings erfolge die Suche nach vermissten Bürgern Serbiens in Bosnien-Herzegowina und Kroatien defensiv, sagt der Leiter dieser Kommission, Gvozden Gagic. Laut den ihm zur Verfügung stehenden Angaben sind von 300 in Kroatien vermissten Personen bis heute erst 50 identifiziert worden. Gagic sagt ferner: "Die Zahl der Personen, die auf Antrag Kroatiens in der Republika Srpska und der Föderation Bosnien-Herzegowina exhumiert wurden, ist auch nicht zu vernachlässigen. Sie Zahlen bewegen sich bei rund 400 Exhumierungen und 250 Identifikationen."

Bei einem Treffen von Verbänden für die Suche nach Vermissten, das in Banja Luka stattfand, wurde nun die achte Ausgabe des so genannten Buches der Vermissten in Bosnien-Herzegowina vorgestellt. Dieses Buch sei nicht nur ein Dokument, sondern ein Schrei nach 13.838 Personen, deren Familien nach 15 Jahren Frieden für die Seelen ihrer Angehörigen möchten. Ein ähnliches Buch ist kürzlich in Kroatien erschien und soll als Druckmittel für alle dienen, die bei der Suche nach den Vermissten helfen können.

Dragan Maksimovic, Banja Luka
DW-RADIO/Bosnisch, 27.4.2007, Fokus Ost-Südost

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