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Amerika

Ex-Guerillera soll Brasilien lenken

Das größte Land Lateinamerikas könnte schon bald von einer Frau geführt werden: Die Arbeiterpartei von Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva schickt die bisherige Ministerin Dilma Rousseff ins Rennen ums Präsidentenamt.

Dilma Rousseff (Foto: AP)

Kandidiert für Lula-Nachfolge: Dilma Rousseff

Auf einem Kongress der Arbeiterpartei (PT) in der Hauptstadt Brasilia wurde Dilma Roussef per Akklamation zur Kandidatin für die Präsidentschaftswahl am 3. Oktober ausgerufen. Sie ist enge Vertraute und Wunschkandidatin von Staatschef Lula, der laut Verfassung nach zwei vierjährigen Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Bei einem Wahlsieg wäre Rousseff, deren Vater aus Bulgarien stammt, die erste Frau an der Spitze des mit mehr als 190 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Staates Südamerikas.

Kämpferin gegen Militärdiktatur

Dilma Rousseff kämpfte in ihrer Jugend in linken Guerillagruppen gegen die damalige Militärdiktatur. Der 2002 zum Staatschef gewählte frühere Gewerkschafter Lula holte sie 2003 als Energieministerin in sein Kabinett, 2005 wechselte sie als Ministerin ins Präsidialamt. Nach ihrer Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin muss Rousseff gemäß dem Wahlgesetz bis Anfang April von ihrem jetzigen Posten zurücktreten.

Die 62 Jahre alte Volkswirtin betonte, sie wolle die Politik Lulas und die von ihm auf den Weg gebrachten sozialen Programme fortsetzen. Ein vom Parteitag angenommenes Wahlprogramm sieht eine Herabsetzung der Wochenarbeitszeit in Brasilien von 44 auf 40 Stunden bei vollem Lohnausgleich sowie eine stärkere Besteuerung großer Vermögen vor. Rousseff muss bei ihrer Kampagne möglicherweise bis zu zehn verbündete Parteien unter einen Hut bringen.

Parteitag der PT in Brasilia (Foto: AP)

Rousseff und Lula lassen sich auf dem PT-Parteitag von den Delegierten feiern

Mann mit besseren Chancen?

Bei der Präsidentenwahl Anfang Oktober wird voraussichtlich José Serra, der Gouverneur des Bundesstaats São Paulo, Rousseffs stärkster Konkurrent. Er gehört der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei (PSDB) an. In Meinungsumfragen lag Serra, der seine Kandidatur bisher noch nicht offiziell erklärt hat, zuletzt noch klar vor Rousseff. Sie konnte ihren Rückstand in den letzten Monaten allerdings deutlich verringern.

Autor: Christian Walz (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Marko Langer