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Aktuell Welt

Ex-Folterknecht der Militärjunta in Brasilien getötet

Ein Verbrechen von Dieben oder ein gezielter Mordanschlag? In Rio de Janeiro wurde ein geständiger Folterer aus Zeiten der Militärdiktatur in seinem Haus getötet.

Wie die Polizei in der brasilianischen Metropole mitteilte, wurde der ehemalige Oberst Paulo Malhães in seinem Haus in einem Vorort von Rio de Janeiro tot aufgefunden. Der 76-Jährige sei offensichtlich mit einem Kissen erstickt worden. Nach Angaben seiner Witwe waren drei Männer in der Nacht in das Haus eingedrungen und hatten sie und ihren Mann in getrennten Räumen eingesperrt. Die Eindringlinge hätten dann Waffen aus der Sammlung ihre Mannes gestohlen und seien geflüchtet.

Wahrheitskommission fordert Aufklärung

Der Präsident der Wahrheitskommission von Rio, Wadih Damous, erklärte, alles deute darauf hin, dass Malhães getötet wurde, um einen Zeugen zu liquidieren: "Damit sollen andere Mitglieder des Repressionsapparates eingeschüchtert werden, keine weiteren Aussagen über die bleierne Zeit zu machen", sagte Damous. Mit Hinweis auf den möglichen politischen Hintergrund der Tat forderte der Koordinator der Nationalen Wahrheitskommission, Pedro Dallari, das Justizministerium auf, die Aufklärung des Verbrechens zu übernehmen.

Brasiliens Präsidentin Rousseff bei der konstituierenden Sitzung der Wahrheitskommission (Foto:AFP/GettyImages)

Brasiliens Präsidentin Rousseff bei der konstituierenden Sitzung der Wahrheitskommission

Die Wahrheitskommissionen sollen die Verbrechen der von 1964 bis 1985 in Brasilien herrschenden Militärjunta und ihrer Schergen aufklären, die in dem südamerikanischen Land viele Jahre beschwiegen worden sind.

Präsidentin Dilma Rousseff, während der Militärdiktatur im Widerstand, hatte die Nationale Wahrheitskommission Ende 2011 ins Leben gerufen, um Licht in das dunkelste Kapitel der brasilianischen Geschichte zu bringen. Fast 500 Oppositionelle wurden während der 21 Jahre währenden Diktatur getötet. Tausende wurden verhaftet und gefoltert. Ein Amnestiegesetz schützt die Beteiligten an der Unterdrückung wie auch damalige Widerstandskämpfer bis heute vor strafrechtlicher Verfolgung.

Folterer bereute nichts

Malhães hatte vor der Wahrheitskommission bisher unbekannte Details zu den Verbrechen des Regimes geschildert, etwa über die Ermordung des linksgerichteten Politikers Rubens Paiva 1971. Er selbst, so Malhães habe "so viele Menschen wie notwendig getötet". Viele politische Gefangene habe er gefoltert und ihre Leichen später verschwinden lassen. Er habe stets Befehle von oben befolgt und bereue keine seiner Taten, erklärte der 76-Jährige bei seiner Aussage.

wl/uh (epd,dpae,afpe)