1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Ex-Eon-Chef Wulf Bernotat ist gestorben

Er galt als einer der einflussreichsten Manager Deutschlands: Als Vorstandsvorsitzender beim Energieriesen Eon hatte Wulf Bernotat Milliardengewinne eingefahren und sehr früh auf Wind- und Sonnenenergie gesetzt.

"Just do it" war sein Lieblingsmotto und so scheint Wulf Bernotat bis zuletzt gehandelt zu haben: Erst am Samstag hatte der ehemalige Vorstandschef des Energieriesen Eon seinen Sitz als Aufsichtsratsvorsitzender des größten deutschen Immobilienkonzerns Vonovia mit sofortiger Wirkung niedergelegt - aus gesundheitlichen Gründen, wie das Unternehmen am Samstag in Bochum mitteilte. Eonbestätigte am Montag, dass Bernotat nach langer Krankheit im Alter von 68 Jahren verstorben ist.

Bis 2010 Vorstand bei Eon

Der promovierte Jurist Bernotat war einer der einflussreichsten deutschen Energiemanager. Er hatte Deutschlands größten Energiekonzern Eon, der aus der Fusion von Veba und Viag im Jahr 2000 hervorgegangen war, von 2003 bis 2010 geführt. Unter ihm hatte Eon Milliardengewinne eingefahren, ein massives Investitionsprogramm gestartet und früh auf Wind- und Sonnenenergie gesetzt.

Deutschland Düsseldorf Uniper Firmenlogo (picture-alliance/dpa/R. Vennenbernd)

Mit Uniper hatte Eon 2016 unter dem Druck der Energiewende sein Geschäft mit Großkraftwerken und den Energiehandel abgespalten und im September an die Börse gebracht.

Durch Zukäufe in Großbritannien, Rumänien, Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Italien stellte er Eon international breit auf. Sein größtes Vorhaben gelang jedoch nicht. Im Übernahmekampf um den spanischen Versorger Endesa war Bernotat trotz einer über 40 Milliarden Euro schweren Offerte 2007 am Widerstand der spanischen Regierung gescheitert und hatte sich den Konkurrenten Enel und Acciona geschlagen geben müssen.

Bestürzung bei Eon und Vonovia

Der gebürtige Niedersachse galt als entschlossener und durchsetzungsstarker Manager. "Wulf Bernotat hat Eon schon wenige Jahre nach der Fusion mit seiner herausragenden Persönlichkeit eine kraftvolle Identität gegeben, von deren Stärke wir noch heute profitieren", sagte Bernotats Nachfolger Johannes Teyssen. Er habe außerdem mit persönlichem Einsatz den Aufbau des damals noch neuen Geschäfts mit erneuerbaren Energien vorangetrieben. "Nicht nur deswegen wird er für mich immer 'Mister Just-do-it' bleiben", erklärte der der langjährige Bernotat-Weggefährte Teyssen.

Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch äußerte sich am Montag bestürzt über den Tod Bernotats. "Dr. Bernotat war ein exzellenter Begleiter und für mich persönlich ein wichtiger Ratgeber. Er hat die Entwicklung unseres Unternehmens entscheidend mitgeprägt."

Herausforderung Ruhrgas-Übernahme

Der in Göttingen geborene Jurist Bernotat war nach einer internationalen Karriere beim Ölkonzern Shell 1996 zur damaligen Veba-Öl AG in Gelsenkirchen gekommen. 1998 übernahm er den Handelskonzern Stinnes, der damals zu Veba/Eon gehörte, und brachte ihn erfolgreich an die Börse. Das ebnete den Weg für den Wechsel an die Eon-Spitze im Frühjahr 2003.

Kurz zuvor hatte Eon nach einem Kartellamtsveto und einer Ministererlaubnis den Gas-Importeur Ruhrgas übernommen. Die Integration des äußerst selbstbewussten und noch lange eigenständigen Essener Gasunternehmens in den Eon Konzern gilt als eine der schwierigsten und erfolgreich gemeisterten Aufgaben Bernotats.

Auch nach seinem Ausscheiden bei Eon blieb er einer der einflussreichsten Manager Deutschlands. 2011 gründete er das Unternehmen Bernotat & Cie - eine Beratungsfirma für Führungskräfte der Wirtschaft.

Bis zuletzt gehörte Bernotat den Aufsichtsräten von großen Unternehmen an - unter anderem bei Bertelsmann und der Deutschen Telekom. Zeitweise war er Mitglied in den Kontrollgremien der Allianz und der Metro. Außerdem war er Aufsichtsratschef des Immobilienkonzerns Vonovia. 

Bernotat hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

iw/dk (dpa, rtr)

Die Redaktion empfiehlt