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Wirtschaft

Ex-Bundesbankpräsident Tietmeyer ist tot

Er war nicht nur Bundesbank-Präsident, er war Teil von vielen wirtschafts- und finanzpolitischen Debatten in Deutschland: Hans Tietmeyer ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Tietmeyer stand vom 1. Oktober 1993 bis zum 31. August 1999 an der Spitze der Notenbank in Frankfurt. Und damit war Tietmeyer - von Haus aus Diplom-Volkswirt - auch der letzte Bundesbank-Chef, der mit seiner Machtfülle die Geschicke der D-Mark steuerte. Quasi der letzte Hüter der D-Mark. 

Der 1931 im westfälischen Metelen geborene Tietmeyer galt als Garant einer stabilitätsorientierten Geldpolitik. Bei der Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung trat er für solide Staatsfinanzen ein. Später war er der erste, der für Deutschland den Platz im Rat der Europäischen Zentralbank einnahm.

Das "Lambsdorff-Papier" und seine Folgen

Das CDU-Mitglied Tietmyer hatte 1982 für den damaligen FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff das "Lambsdorff-Papier" verfasst, das dann den Bruch der sozialliberalen Regierung und den Sturz von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) einleitete.

Der Westfale hatte seine Karriere 1962 als Beamter im Bonner Wirtschaftsministerium begonnen. Später wechselte er als Staatssekretär ins Bundesfinanzministerium und wurde daraufhin persönlicher Beauftragter des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl.

1993 folgte Tietmeyer auf Helmut Schlesinger an der Spitze der Bundesbank. Nach seiner Zeit bei der Notenbank saß der Vater von zwei Kindern in zahlreichen Gremien und Aufsichtsräten.

"Garant der Stabilität"

"Hans Tietmeyer war ein herausragender Präsident, dessen Handeln stets klaren und festen Linien mit dem Ziel der Geldwertstabilität folgte." Mit diesen Worten würdigt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann den Verstorbenen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bezeichnete Tietmeyer als einen der wichtigsten Architekten des Euro: "Mit ihm verlieren Europa, der Euro und ich persönlich einen wichtigen Weggefährten."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat den verstorbenen Ex-Bundesbank-Präsidenten als bedeutenden Garanten für Stabilität und Marktwirtschaft gewürdigt. Schäuble sagte: "Persönlich beeindruckt hat er mich mit seiner Kompetenz in den Verhandlungen zum Staatsvertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, an denen wir beide beteiligt waren. Seine kluge, mahnende Stimme wird uns fehlen."

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, bezeichnete den früheren Bundesbank-Präsidenten als "engagierten Kämpfer für eine stabilitätsorientierte Geldpolitik und solide Staatsfinanzen in Europa". Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) meinte, Tietmeyer habe durch seine Geldpolitik die Stabilität der D-Mark gesichert.

Tietmeyer starb bereits am Dienstag im Alter von 85 Jahren, wie die Bundesbank in Frankfurt am Main bestätigte. 

 

ml/jj/dk (dpa, Bundesbank)