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Politik

Ex-Bischof Fernando Lugo als Präsident vereidigt

Unter dem Jubel seiner Anhänger legte der ehemalige Armen-Bischof Fernando Lugo den Amtseid als neuer Präsident von Paraguay ab. Damit ist die Herrschaft der konservativen Colorado-Partei nach 61 Jahren beendet.

Fernando Lugo (Quelle: AP)

Der Neue im höchsten Staatsamt: Fernando Lugo

Rund 15.000 Anhänger waren in der paraguayischen Hauptstadt Asunción zusammengekommen, dazu neun ausländische Staatschefs und 97 weitere Delegationen aus dem Ausland. Sie alle verfolgten einen historischen Machtwechsel in Paraguay: Nach 61 Jahren ununterbrochener Regierungszeit musste die konservative Colorado-Partei die Macht abgeben. Als neuer Präsident von Paraguay wurde am Freitag (15.08.2008) der ehemalige katholische Bischof Fernando Lugo vereidigt.

Ein Präsident in Sandalen

Die Zeremonie fand auf dem Kongressplatz in der Hauptstadt Asunción statt. Lugo trug bei seiner Vereidigung nur ein weißes Hemd, eine graue Hose und Sandalen. Der 57-Jährige legte seinen Amtseid ab und schwor vor Senatspräsident Enrique González Quintana und der Vollversammlung des Kongresses, die Verfassung Paraguays zu wahren. Tausende seiner Anhänger bejubelten ihn. Der abgelöste Präsident Nicanor Duarte von der konservativen Colorado-Partei wurde dagegen ausgebuht, als er das Regierungsgebäude verließ.

Menschenmenge (Quelle: AP)

Anhänger von Lugo feiern den Wahlsieg

Lugo hatte im April die Präsidentschaftswahlen gewonnen. Unterstützt wurde er von dem breiten Mitte-links-Bündnisses Patriotische Allianz für den Wandel (APC). Er ist angetreten, um Armut und Korruption im Land zu bekämpfen und die Landwirtschaft zu reformieren. "Heute hört Paraguay auf, ein Land der sozialen Ausgrenzung, der Geheimniskrämerei und der Korruption zu sein", sagte Lugo nach der Vereidigung in seiner Antrittsrede im Parlament. Einen Tag vor seiner Vereidigung hatte er angekündigt, auf sein Gehalt als Präsident in Höhe von umgerechnet monatlich 2700 Euro zu verzichten. Außerdem würden "die Eingeborenen und die Armen die Privilegierten meiner Regierung" sein, versprach er vor seiner Amtübernahme.

Warnung vor alten Colorado-Kadern

In Paraguay gelten etwa 35 Prozent der 6,8 Millionen Einwohner als arm, während ein Prozent der Bevölkerung 77 Prozent des Grundeigentums besitzt. Jetzt richtet sich alle Hoffnung auf Lugo. Einer vor kurzem veröffentlichten Umfrage zufolge erwarten fast 75 Prozent, dass die neue Regierung gut oder sehr gut sein werde. Sorgen bereitet den Lugo-Befürwortern allerdings, dass der Staatsapparat auf allen Ebenen von Colorado-Anhängern durchsetzt ist.

Duarte selbst versprach vergangene Woche einen friedlichen Übergang: Er werde Lugo nicht sabotieren. Lugo dagegen warf dem ehemaligen Präsidenten vor, das Land in katastrophalem Zustand hinterlassen zu haben. "Es gibt absolut keine Reserven", sagte er in einem Interview der Zeitung "ABC Color". "Stellen Sie sich vor, am 15. August die Macht zu übernehmen und es gibt keine Medikamente und keinen Diesel. Es ist ein Land, das in zwei bis drei Monaten in Flammen aufgehen kann. Deshalb sage ich, dass es eine Art Verschwörung gibt, die staatlichen Institutionen nicht funktionieren zu lassen." (det)

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