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Welt

Ewiger Zankapfel Falklandinseln

Die Aussicht auf Öl verleiht dem Streit um die Falklandinseln neue Schärfe. Doch bei der Konfrontation zwischen Argentinien und Großbritannien geht es auch um verletzten Stolz.

Der Zerstörer HMS Dauntless ist auf dem Weg zu den Inseln (Foto: Reuters)

Der Zerstörer "HMS Dauntless" ist auf dem Weg zu den Inseln

Fast schon ist es ein Ritual: Zu jedem runden Jahrestag des Falkland-Krieges wird mit dem Säbel gerasselt. So ist es auch diesmal, kurz bevor sich die argentinische Besetzung am 2. April zum 30. Mal jährt. Argentinien und Großbritannien werfen sich wahlweise "Kolonialismus" oder "Imperialismus" vor und bekräftigen ihren Anspruch auf die karge Inselgruppe, die sich die rund 3000 Einwohner mit 1200 britischen Militärangehörigen und einer halben Million Schafen teilen. London schickte den Zerstörer "HMS Dauntless" und Medienberichten zufolge auch ein Atom-U-Boot in den Südatlantik. Dagegen will Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner bei den Vereinten Nationen Protest einlegen, denn die Entsendung stelle ein "großes Risiko für die internationale Sicherheit" dar.

"Auf einem Kreuzzug"

"Die argentinische Präsidentin ist auf einem persönlichen Kreuzzug", sagt Sukey Cameron, Repräsentantin der Falklandinseln in London. "Die Frage der Inseln steht weit oben auf ihrer Tagesordnung." Tatsächlich erhöht Argentinien seit zwei Jahren den Druck. So brauchen Schiffe in argentinischen Gewässern seit 2010 eine Sondergenehmigung, falls sie auf dem Weg zu dem 500 Kilometer entfernten Archipel sind. Ende vergangenen Jahres sperrten vier Staaten der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur ihre Häfen für Schiffe, die unter der Flagge der Falklandinseln fahren.

Cristina Fernández de Kirchner vor einer Karte der Malwinen, wie die Falklandinseln in Argentinien genannt werden (Foto: dpa)

Cristina Fernández de Kirchner vor einer Karte der Malwinen, wie die Falklandinseln in Argentinien genannt werden

Zwar hat dieser Schritt nur symbolische Bedeutung, doch die Kelper, wie sich die Insulaner nennen, befürchten weitere Sanktionen wie etwa ein Embargo gegen Firmen, die auf den Inseln operieren. Zudem wird spekuliert, Kirchner könnte Chile dazu bewegen, die einzige Flugverbindung nach Südamerika kappen; Ende der neunziger Jahre hatte sich Chile schon einmal bereiterklärt, die wöchentlichen Flüge einzustellen. "Wir hoffen sehr, dass es nicht dazu kommt", sagt die Falkland-Repräsentantin Cameron und appelliert etwas hilflos an den argentinischen Patriotismus: Mit dem Schritt würden auch argentinische Kriegsveteranen und Angehörige der Opfer die Falklandinseln nicht mehr besuchen können.

Ärger um Prinz William

London reagierte auf den Druck, indem es das künftige Staatsoberhaupt schickte: Prinz William, Enkel der Queen und Hubschrauberpilot bei der Royal Air Force, wurde Anfang des Monats für sechs Wochen auf dem Luftwaffenstützpunkt Mount Pleasant stationiert. Zwar beteuert das Verteidigungsministerium, dies sei Routine und seit langem geplant gewesen, doch so recht glauben mag das niemand. "Die Schwierigkeit, die ich mit dieser Begründung habe, ist, dass die Stationierung niemals Routine gewesen wäre", sagt etwa Klaus Dodds, Experte für Geopolitik am Royal Holloway-College der University of London. Es sei keineswegs überraschend, dass Argentinien darin eine gezielte Provokation sehe.

Flight Lieutenant Wales, alias Prinz William auf der Basis Mount Pleasant (Foto: dpa)

"Flight Lieutenant Wales", alias Prinz William (l.) auf der Basis Mount Pleasant

Dodds zufolge sind es vor allem Rohstoffe, die das Archipel so interessant machen. So wird um die rund 200 Inseln Öl vermutet, auch wenn Probebohrungen bislang keine klaren Ergebnisse geliefert haben. Wichtiger noch sei die langfristige Aussicht auf Rohstoffreserven, glaubt der Experte: "Einer der wichtigen Faktoren, die kaum diskutiert werden, ist die Nähe zur Antarktis." Die Inseln dienten als Sprungbrett zum "Britischen Antarktis-Territorium", einer riesigen Fläche auf dem kalten Kontinent, die von Großbritannien beansprucht wird. "Ich sage nicht, dass in der Antarktis in der nahen Zukunft Öl, Gas, Uran, Zink oder andere Rohstoffe abgebaut werden", sagt Dodds. "Aber der Antarktisvertrag, der das verbietet, muss nicht für immer gelten." So könnten die Bestimmungen des Umweltprotokolls im Jahr 2048 von einer Revisionskonferenz aufgehoben werden.

"Sieg der Außenpolitik"

Auf argentinischer Seite ist Nationalstolz die Haupttriebkraft beim Streit um die Islas Malvinas; die britische Vorherrschaft wird als anhaltende Demütigung empfunden. Das Thema sei bereits seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Teil der argentinischen Außenpolitik – und das zurecht, meint Marcelo Leiras, Politologe an der Universidad de San Andrés in Buenos Aires. Denn es gehe um nichts weniger als die Souveränität Argentiniens. "Souveränität lässt sich nicht in Quadratkilometern oder Reichtümern messen", sagt Leiras. "Entweder setzt man sie durch oder nicht – und jede Infragestellung der Souveränität gilt als Zeichen politischer Schwäche."

Vor diesem Hintergrund mache der Kurs von Präsidentin Kirchner Sinn, findet der Experte für Internationale Beziehungen: "Die Präsidentin hat ein großes politisches Interesse an der Frage und eine neue Vorstellung davon, was funktionieren kann, um die argentinischen Interessen besser durchzusetzen". In der Sperrung der Häfen sieht er einen "bedeutenden Sieg argentinischer Außenpolitik."

"Souveränität ist nicht verhandelbar"

Dass das Archipel bereits in französischer und spanischer Hand war und seit 1833 britisch ist, spricht aus Leiras' Sicht nicht gegen Argentiniens Forderungen: "Ist es nicht bizarr, dass ein Land, das so weit weg ist wie Großbritannien, die Inseln beansprucht?" Gleichwohl hält der Politologe die Invasion von 1982 für einen Fehler. Der Krieg, dem 900 Menschen zum Opfer fielen, sei der verzweifelte Versuch der Militärjunta gewesen, sich an der Macht zu halten.

Demonstranten in Buenos Aires verbrennen eine britische Fahne (Foto: dpa)

Demonstranten in Buenos Aires verbrennen eine britische Fahne

Dass es erneut zu einem Krieg kommt, schließen Akteure und Beobachter aus - allerdings auch, dass der Konflikt in absehbarer Zeit gelöst wird. Zwar hat schon 1965 eine UN-Resolution beide Seiten zu Verhandlungen aufgefordert, doch Großbritannien sperrt sich beharrlich. Argentinien sei ausschließlich an Verhandlungen interessiert, die den Status der Falklandinseln beträfen, sagt deren Repräsentantin. "Wir diskutieren gerne über alles - mit Ausnahme der Souvernänität", so Cameron. "Die Souveränität ist nicht verhandelbar."

Für den Londoner Falkland-Experten Dodds ist das der normale Lauf der Dinge: "UN-Resolutionen werden von mächtigeren Nationen nur dann ernst genommen, wenn sie ihnen passen."

Autor: Dennis Stute
Redaktion: Thomas Latschan

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