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Politik

Ewige Jugend durch Stammzellen?

Die reichen Russen haben eigentlich alles. Bis auf die ewige Jugend. Die verspricht ihnen nun eine Moskauer Beauty-Klinik.

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Stephan Hille

Für Schönheit und jugendliches Aussehen ist Professor Alexander Tepljaschin ein Spezialist. Seit mehr als 20 Jahren strafft, implantiert und gleicht er dort aus, wo die Schöpfung vielleicht etwas nachlässig war. Aber Professor Tepljaschin verspricht auch noch etwas anderes: Ein langes Leben, ein verlängertes Leben. Zwischen fünf und 20 Jahren seien möglich, sagt er.

Seinen Kunden rät er eines: "Investieren Sie nicht alles nur in Villen, Privat-Jets und teure Autos. Investieren Sie auch etwas in ihren eigenen Körper." Tepljaschin ist Chirurg, Forscher und in gewisser Weise auch Banker. Ein Mann für die Zukunft jedenfalls. In dem Labor seiner Schönheitsklinik "Beauty-Plaza" mitten in Moskau lagern tiefgekühlt die Stammzellen von mehr als Tausend seiner Patienten. In seiner Stammzellen-Bank verwahrt Tepljaschin die möglicherweise beste Investition für die Zukunft.

Lukrativer Markt

Zumindest in die eigene. Denn der russische Markt der Schönheit und ewigen Jugend ist lukrativ. Schließlich gibt es viele reiche Russen, die eigentlich alles haben, bis auf die Garantie, genau dieses möglichst lang genießen zu können. "Der Mensch lebt doch zu seinem Vergnügen", sagt Tepljaschin. "Wir verlängern ihm dieses Vergnügen."

Im Durchschnitt 25.000 Euro kostet den Kunden bei "Beauty Plaza" ein Schuss aus dem körpereigenen Stammzellreservoir. Der Preis hängt vom Körpergewicht ab, und der wiederum bestimmt die Menge an Stammzellen, die gespritzt werden müssen. Pro Kilogramm Körpergewicht eine Million herangezüchteter Stammzellen. Das reicht für einige Jahre. Sagt Professor Tepljaschin. Und nennt als Erfolgsbeispiel eine 54-jährige Patientin. "Vier Monate nach der Therapie, ein Aussehen wie eine 36-jährige."

Jungbrunnen im Körper

Stammzellen sind der Jungbrunnen im Körper. Sie sorgen von sich aus dafür, dass fehlerhafte, kranke oder abgestorbene Zellen im Organismus ersetzt werden. Alternativ zu den omnipotenten aber ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen können adulte Stammzellen leichter dem Körper - zum Beispiel aus dem Knochenmark - entnommen, vermehrt und dem Körper wieder zugeführt werden. Aber noch brütet die internationale Forschungswelt über den Nutzen und die Heilungsmöglichkeiten von Krankheiten durch Stammzelltherapien. Professor Tepljaschin ist sich bereits sicher. "Ich habe eine Ärztin behandelt, die an Multipler Sklerose leidet und seit zehn Jahren im Rollstuhl sitzt", sagt er. "Inzwischen macht sie schon ihre ersten Schritte."

Seine Methode zur Stammzellentnahme hat er sich soeben erst weltweit patentieren lassen. Ein kleiner Schnitt am Bauchnabel unter lokaler Narkose. Fünf Gramm Fettgewebe reichen. "Einfacher geht es nicht", sagt Tepljaschin. Im Labor wachsen aus ein paar Stammzellen in drei bis vier Wochen 100 Millionen heran. Nach abschließenden Gewebeuntersuchungen kann injiziert werden. Intravenös.

Rechtliche Grauzone

Vor zwei Jahren hat er sich bereits zum zweiten Mal eigene Stammzellen gespritzt. "Mein Gedächtnis ist besser geworden, und ich fühle mich viel fitter", sagt er. Stammzelltherapie sei die natürlichste Methode zur Regenerierung des Körpers.

Rein rechtlich arbeitet der Professor in einer Grauzone. Laut russischem Gesetz dürfen Stammzellen zur medizinischen Behandlung von Krankheiten nur kostenfrei und unter staatlicher Kontrolle gespritzt werden. Doch altern ist keine Krankheit. Verjüngungskuren fallen nicht unter Heilbehandlung und damit nicht unter das Gesetz. "Und was nicht verboten ist, ist erlaubt." Sagt Professor Tepljaschin.