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Staunen und Wundern

Ewig junge Tabakpflanzen

Blätter, die nicht vergilben. Eine Pflanze, die unaufhaltsam wächst. Eine Staude ewiger Jugend, die einfach nicht altern will. Was klingt wie im Märchen, ist in der Welt der Wissenschaft längst real.

Wissenschaftler begutachten Riesen-Tabakpflanze (Foto: Fraunhofer Institut)

Lena Harig (links) mit RiesenTtabakpflanze.

Forscher vom Fraunhofer Institut für Molekularbiologie in Münster haben eine gentechnisch veränderte Riesen-Tabakpflanze gezüchtet, die scheinbar ewig lebt. "Würden wir unsere Tabakpflanze nicht stutzen, hätte sie schon die Decke des Gewächshauses gesprengt", berichtet Lena Harig stolz. Sechseinhalb Meter groß und acht Jahre alt ist ihr Tabak-Gigant. Und tatsächlich grenzt das an ein Wunder: Denn eine normale Tabakpflanze stirbt nach vier Monaten ab und erreicht maximal eine Höhe von zwei Metern.

Der Riese des Fraunhofer Instituts ist ein Wunder mit einer wissenschaftlicher Erklärung: Grundlage hierfür war die Veränderung einer Gen-Information, die den Blütezeitpunkt nach hinten verschiebt. Nach der Blüte folgt in jedem normalen Tabakpflanzen-Leben nämlich stets der Tod. Das veränderte Gen schiebt die Blüte jedoch um Jahre auf - und damit auch das Sterben der Pflanze.

Und nicht nur Tabakpflanzen profitieren von der Entdeckung dieses Jungbrunnen-Gens. Auch auf andere Pflanzenarten lässt sich das Experiment übertragen. Ganz aktuell forscht das Team um Lena Harig an Kartoffeln. "Auch hier versuchen wir die Blüte zu unterdrücken und die Pflanze so länger am Leben zu halten", erzählt sie. Die Wissenschaftler hoffen, dass sich so mehr Knollen bilden und sie den Ertrag einer Ernte auf diese Weise gewaltig in die Höhe treiben können. Langfristig könnte damit ein Beitrag zur Welternährung geleistet werden.

Überhaupt haben sich die Wissenschaftler für die Zukunft viel vorgenommen: Das Saatgut von Riesen-Tabakpflanzen oder ewig lebenden Kartoffeln soll künftig chemisch so präpariert werden, dass sich die DNA-Abfolge verändert. Dann könnten die Gewächse auf herkömmlichem Wege gezüchtet werden und müssten nicht erst gentechnisch verändert werden.