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Kultur

Evolution eines Genres

Seit fast 50 Jahren tauschen Filmemacher in "Planet der Affen" die Rolle von Mensch und Tier. Nun kommt unter der Regie des bis dato eher unbekannten Regisseurs Matt Reeves das neueste Werk zum Thema ins Kino.

Sie bewegen sich mal dynamisch-kämpferisch, mal filigran und nachdenklich: die Affen im neuen 3-D-Kinofilm "Planet der Affen: Revolution". Vor allem die Mimik der Protagonisten sieht der menschlichen zum Verwechseln ähnlich. Mittels des sogenannten Performance-Capture-Verfahrens wurden Bewegungen der Schauspieler an realen Drehorten aufgenommen und später am Computer auf eine darüber gelegte "Affenhülle" übertragen. Die Technik, ursprünglich als Motion Capture bezeichnet, ist im Grunde nichts Neues: Sie wird schon seit Ende der neunziger Jahre im Kino verwendet. Filmcharaktere wie Jar Jar Binks aus der zweiten Star Wars Trilogie oder Gollum aus Peter Jacksons "Der Herr der Ringe" machten sie berühmt. Kontinuierlich verbessert, erzeugt das Verfahren in "Planet der Affen – Revolution" einen völlig fließenden Übergang zwischen realen und digitalen Bildern, was für die Umsetzung des komplexen Themas unabdingbar ist.

USA Film Filmszene Planet der Affen Revolution

Andy Serkis als reitender Affenanführer Caesar im Performance Capture-Spezialanzug

Der Mensch als kriegerisches Wesen

1963 erschien der Roman "Der Planet der Affen" des französischen Schriftstellers Pierre Boulle, der bereits fünf Jahre später unter demselben Titel verfilmt wurde. Im kongenialen Werk von Regisseur Franklin J. Schaffner lässt sich eine Gruppe Astronauten um George Taylor (Charlton Heston) in einem Raumschiff in Tiefschlaf versetzen. Als sie 2.000 Jahre später auf einem unbekannten Planeten erwachen, werden sie von bewaffneten, reitenden Gorillas gefangen genommen und in Käfige gesperrt. Doch das Gesetz der Affen verbietet es, die Menschen als Haustiere zu halten, da sie nicht zu zähmen sind.

Nur die Psychologin Dr. Zira, eine Schimpansin, traut den Menschen eine Weiterentwicklung zu. Sie versucht sogar, durch Taylor den Beweis zu erbringen, dass die Affen vom Menschen abstammen. Schließlich schlüsselt ein Wissenschaftler die Vorgeschichte der Menschen auf und beschreibt sie als eine Rasse, in der Intelligenz und Dummheit koexistierten, die in ständigen Kriegen mit anderen und somit auch mit sich selbst stünden. Die tradierten Rollen von Affe und Mensch, vom triebhaften Tier und der vernunftbegabten Krone der Schöpfung, wurden auf schlaue Art und Weise auf den Kopf gestellt. In dieser ersten Verfilmung wurde auf naturgetreue Affenmasken gesetzt, die alles zuvor Dagewesene in den Schatten stellten. Das Anlegen der Masken dauerte gute drei Stunden, doch die Mühe lohnte sich: Noch heute wirkt die Kostümierung der Schauspieler nicht unfreiwillig komisch, wie damals befürchtet, sondern durchaus authentisch.

Planet der Affen Charlton Heston und Kim Hunter

Charlton Heston und Kim Hunter in der Originalverfilmung

Ein neuer Anlauf

Im letzten halben Jahrhundert sind sieben Spielfilme, eine TV-Serie und eine Zeichentrickserie zum Thema gedreht worden. Zur Jahrtausendwende war es die 20th Century Fox, die der Faszination "Menschen gegen Affen" erneut erlag: Das Hollywood-Studio produzierte 2001 unter der Regie von Tim Burton das Remake des Originals von 1968, allerdings mit einigen inhaltlichen Variationen. Zwar waren die meisten Kritiker enttäuscht und bemängelten, dass die sozialen Konflikte der Romanvorlage von der Abenteuerlust Burtons verdrängt worden wären. Aber da das Werk weltweit über 360 Millionen Dollar einspielte, lag eine Fortsetzung auf der Hand. Die übernahm 2011 Regisseur Rupert Wyatt. Er erzählte in "Planet der Affen: Prevolution" die Vorgeschichte zum Klassiker, also wie die Affen zur dominierenden Spezies auf der Erde wurden.

USA Film Filmszene Planet der Affen Revolution Plakat

Retro-Look: das Filmplakat zu "Planet der Affen: Revolution"

Dabei entwickelt das Schimpansen-Baby Caesar durch eine Gentherapie eine außergewöhnliche Intelligenz, befreit später andere Affen, die in einem Tierheim misshandelt werden, behandelt die Artgenossen ebenfalls medikamentös, um ihre Intelligenz zu fördern, und bricht mit ihnen in die Freiheit auf. "Planet der Affen: Prevolution" spielte nicht nur über 480 Millionen Dollar ein, sondern erntete zum Teil überschwängliche Kritiken. Zumal Rupert Wyatt nicht nur Action bot, sondern eine geschickte inhaltliche Mischung aus Familiendrama und Individualismus. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel bezeichnete das Werk damals als den "überzeugendsten Science-Fiction-Film der letzten Jahre".

Pazifistische Affen

Umso größer ist jetzt die Erwartungshaltung zum Kinostart von "Planet der Affen – Revolution", der in den USA vor einem Monat anlief, rund 120 Millionen Dollar gekostet und bereits über 180 Millionen Dollar eingespielt hat. Die Regie wurde diesmal von dem relativ unbekannten Matt Reeves übernommen. Mit den Worten "Affen wollen keinen Krieg" lässt Reeves die Affen der kleinen übriggebliebenen Gruppe von Menschen gegenübertreten - ein kläglicher Rest der Spezies Mensch. Denn die Pandemie, die durch den Affen-Virus ausgelöst wurde, führte zu einem globalen Krieg, in dem sich die Menschen fast vollständig gegenseitig ausrotteten. Die Affen hingegen haben inzwischen ihre eigene Zivilisation aufgebaut. Und der Menschenaffe Caesar, der die Revolution einst anführte, will Frieden mit den Menschen schließen. Einige von ihnen erkennen, dass sich die Affen nur für ihre Heimat, ihre Familien und ihre Freiheit einsetzen, doch der militante Menschen-Anführer Dreyfus (Gary Oldman) will die Affen bekämpfen. Auf Affenseite tritt Koba, ein Helfer Caesars, den Menschen zerstörerisch entgegen.

USA Film Filmszene Planet der Affen Revolution

Hollywoods Darling: der britische Schauspieler Andy Serkis

Trotz des Zeitsprungs knüpft "Planet der Affen – Revolution" fast nahtlos an seinen Vorgänger an: Der Kampf zwischen Gut und Böse – vor allem in den eigenen Reihen bzw. in der eigenen Spezies – wird fortgesetzt, und die sozialen Grundlagen menschlichen Zusammenlebens werden thematisiert. Zwar bringt der Film reichlich Action, die manchmal die Inhalte zu überdecken droht. Aber der evolutionäre Aspekt des Science-Fiction-Films bleibt präsent und hebt das Werk aus dem Einheitsbrei anderer Weltbedrohungsfilme hinaus. Auch schauspielerisch kann "Planet der Affen – Revolution" überzeugen. Andy Serkis, bekannt als Gollum aus "Der Herr der Ringe", wurde für seine Rolle als Caesar bereits im Vorgängerfilm gefeiert und wird jetzt als potenzieller Oscar-Kandidat gehandelt, für seine Rolle als Held, der zwar kämpfen kann, aber dessen Intelligenz im Zentrum seines Handelns steht. Und Gary Oldman kann als rachelüsterner Anführer Dreyfus mal wieder wunderbar die angsteinflößende Bestie Mensch spielen.