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Kultur

Evangelische Kirche zum "Sprachpanscher des Jahres" gewählt

Martin Luther schaute den Menschen auf Maul, damit sie seine meisterlichen Übersetzungen verstehen sollten. Seine Erben bekommen nun für ihr Sprachgepansche einen Negativpreis vom Verein Deutsche Sprache.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erhält den Negativpreis als "Sprachpanscher des Jahres". Reformator Martin Luther wäre über den Umgang der EKD mit seinem Spracherbe alles andere als erfreut, erklärte der Verein Deutsche Sprache am Freitag (25.08.2017) in Dortmund. Insbesondere kritisierten die Sprachexperten die Wortschöpfung "Godspots" als Bezeichnung für kostenfreies Wlan, das die EKD in Kirchen anbietet. "Sprachfreunde sehen das als Verhöhnung von Martin Luther, der für seine Bibelübersetzung oft wochenlang nach deutschen Wörtern suchte", teilte der Verein mit.

Wortgeschwurbel mit Anglizismen

Darüber hinaus kritisierte er, dass zum Evangelischen Kirchentag klassische Liedtexte geschlechterneutral umgeschrieben wurden. Auch ein Programm der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau unter dem Motto "Segen erleben - Moments of Blessing" sowie eine dazugehörige Installation namens "BlessU-2" hätte "der große Reformator" nach Einschätzung der Sprachexperten "sicher vor die Tür gesetzt". Die EKD sei bereits in den Vorjahren auf dem Stimmzettel vertreten gewesen, hieß es, "aber im Lutherjahr ist vielen Sprachfreunden wohl der Kragen geplatzt". In diesem Jahr wurden mehr als 2.100 Stimmen von den Vereinsmitgliedern abgegeben - rund 850 davon entfielen auf die EKD.

Martin Luther, 500 Jahre Reformation- Wartburg-Ausstellung zu 475 Jahren Lutherbibel (picture-alliance/dpa/Schmidt)

Erstausgabe der vollständigen Bibelübersetzung Martin Luthers von 1534 - ein sprachliches Meisterwerk

Keine protestantische Einsicht bei der selbsternannten "Kirche des Wortes"

Mit "lutherischer Gelassenheit und Standhaftigkeit" hat unterdessen die EKD auf die ihr verliehene Auszeichnung reagiert. Auf Facebook zitierte sie ebenfalls am Freitag aus Martin Luthers Sendbrief aus dem Jahr 1530, in dem es heißt: "Sie toben oder rasen, ich wil nicht wehren, das sie verdeutschen was sie wöllen, ich wil aber auch verdeutschen, nicht wie sie wöllen, sonder wie ich wil, wer es nicht haben wil, der las mirs stehen, und halt seine meisterschafft bey sich."

Preis gegen unnötigen Wort-Import und Sprach-Demontage

Der Verein Deutsche Sprache, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Sprach- und Kulturverein, vergibt den Titel "Sprachpanscher des Jahres" seit 1998. Er steht nach dessen Angaben für das unnötige Verdrängen eingeführter deutscher Begriffe durch Importe aus dem angelsächsischen Ausland sowie für die "Demontage" des Deutschen als Sprache von Kultur und Wissenschaft ganz allgemein. Frühere Titelträger waren die Firma Karstadt (2012), Rene Obermann (Deutsche Telekom 2011) oder Hartmut Mehdorn (Deutsche Bahn 2007). Im vergangenen Jahr ging der Preis an den ZDF-Intendanten Thomas Bellut.

kk/suc (kna, dpa, afpd)

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