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Bildung

Eurythmie - die Kunst der schönen Bewegung

BWL, Jura, Medizin – diese Studienfächer sind den meisten ein Begriff. Aber Eurythmie? Ein typisches Orchideenfach. An der Alanus Hochschule bei Bonn gibt es den ersten staatlich anerkannten Studiengang in Deutschland.

Die südkoreanische Studentin Ji Young beim Eurythmie-Unterricht in der Alanus Hochschule in Alfter (Foto: DW/Nina Treude)

Alles fließt ...

Wenn montagmorgens um kurz nach acht andere Studenten vielleicht gerade ihren ersten Kaffee trinken, ist die südkoreanische Studentin Ji Young längst in Bewegung. "Toneurythmie" steht auf ihrem Stundenplan. In einen weißen Schleier gehüllt tanzt Ji Young auf Zehenspitzen durch den Raum, dreht sich und wirbelt die Arme durch die Luft. Die Südkoreanerin und ihre Kommilitonen bewegen sich zur Musik. Aber sie tanzen nicht einfach nur, sie wandeln die Musik mit ihren Körpern in Bewegung um. "Ich bin dann total versunken in der Eurythmie", schwärmt die junge Frau.

Erster staatlich anerkannter Studiengang Eurythmie

Ji Young hat in Südkorea Kinderpädagogik studiert und dadurch die Eurythmie kennengelernt. Im Internet ist sie dann auf die staatlich anerkannte private Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn gestoßen und hat sich entschlossen, in Deutschland weiter zu studieren. "Eurythmie hat an der Alanus Hochschule schon seit Jahrzehnten Tradition", sagt Stefan Hasler, Leiter des Fachbereichs. In anderen deutschen Städten gibt es die Ausbildung, meist in privater Trägerschaft. An der Alanus Hochschule dagegen gibt es seit 2006 den ersten staatlich anerkannten Studiengang "Eurythmie" bundesweit. "Es wäre toll, wenn auch andere Hochschulen diesem Beispiel folgten", meint Hasler.

Die südkoreanische Studentin Ji Young beim Eurythmie-Unterricht in der Alanus Hochschule in Alfter (Foto: DW/Nina Treude)

Wahrer Rhythmus: Ji Young beim Eurythmie-Unterricht in der Alanus Hochschule in Alfter

Das Erbe Rudolf Steiners

Aber was genau bedeutet "Eurythmie"? Übersetzt heißt Eurythmie so viel wie "schöne Bewegung" oder "wahrer Rhythmus". Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Eurythmie vom Philosophen und Naturwissenschaftler Rudolf Steiner entwickelt, dem Begründer der Anthroposophie. In Deutschland ist Rudolf Steiner insbesondere durch die Waldorfpädagogik und die Bio-Landwirtschaft bekannt. "Er hatte in allen Lebensbereichen neue Ideen", sagt Stefan Hasler. Die Impulse des 1925 gestorbenen Österreichers wirken bis heute weltweit in Medizin, Landwirtschaft und Pädagogik nach – zum Beispiel im Eurythmiestudium.

Der Bachelorstudiengang an der Alanus Hochschule dauert acht Semester und vermittelt Basiswissen in Therapie und Pädagogik. Praktiziert wird Eurythmie später zum Beispiel als Unterrichtsfach an Waldorfschulen. Das sind Privatschulen, die besonderen Wert auf die kreative Förderung ihrer Schüler legen. Neben Laut- und Toneurythmie stehen für Ji Young und ihre Kommilitonen auch Sozialwissenschaften, Didaktik oder Poetik auf dem Stundenplan. Am Semesterende präsentieren sie das Erlernte dann vor größerem Publikum.

Für Ji Young bedeutet Eurythmie aber mehr als nur ein Studienfach. Für sie sind die Bewegungsrituale zu einer Art Lebenshilfe geworden: "Eurythmie hilft mir, Probleme zu lösen. Ich habe schon sehr viel seelische Hilfe durch die Eurythmie bekommen."

Mehr ausländische Studierende gewünscht

Ji Young aus Südkorea studiert an der Alanus Hochschule in Alfter (Foto: DW/Nina Treude)

Gute Jobaussichten: Ji Young

Dass Ji Young den Weg von Südkorea nach Deutschland gefunden hat, hält ihr Dozent Stefan Hasler eher für eine Ausnahme. Dabei würde er sich wünschen, dass andere es ihr gleichtun. "Wir fänden es herrlich, wenn mehr junge Leute aus dem Ausland bei uns studierten." Dass an der Alanus Hochschule auf Deutsch gelehrt wird, sieht er nicht als Problem. "Bei uns kommt es auf die Bewegungsaussage an." Dafür reichten auch geringe Sprachkenntnisse.

Wer bei Eurythmie an eine brotlose Kunst denke, der irre sich, sagt Ji Youngs Dozentin Andrea Heidekorn. Die Alanus Hochschule möchte das weltweite Interesse an der Eurythmie nutzen und legt viel Wert auf eine hochwertige und individuelle Ausbildung. Die Absolventen hätten weltweit gute Möglichkeiten, eine Stelle zu finden, so Heidekorn. Sowohl in der Kunst als auch in der sozialen Anwendung, in der Therapie. "Das wird noch länger so sein, dass wir weniger Absolventen als Stellen haben."

Ji Young hat in ihren vier Studiensemestern viel gelernt und will ihr Wissen auf jeden Fall in Südkorea weitergeben. Sie kann in ihrem Heimatland zum Beispiel in Waldorfschulen arbeiten. Aber auch in öffentlichen Schulen setzt sich die Eurythmie immer mehr durch, sagt sie.

Autorin: Nina Treude / Svenja Üing
Redaktion: Gaby Reucher

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