Eurovision Song Contest 2018: Unsere Favoriten | Musik | DW | 07.05.2018
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Musik

Eurovision Song Contest 2018: Unsere Favoriten

43 Länder schicken in diesem Jahr ihre Künstler zum Eurovision Song Contest nach Lissabon. Wer kann das weltweite Publikum überzeugen? Die Buchmacher haben schon ihre Quoten, die DW-Reporter vor Ort ihre Lieblinge.

Silke Wünsch:

Es ist immer wieder eine Aufgabe, sich durch die 43 Titel des Wettbewerbs zu hören. Aber immer wieder stellt sich auch heraus: Zwischen der üblichen "ESC-Soße" - schmachtende Balladen, gewaltige Ethnosongs, dahingeträllerte Popliedchen - gibt es Ausreißer. Und einer hat es in diesem Jahr besonders in sich. Aus Israel kommt die Favoritin Netta, die mit einer äußerst eigenwilligen Gesangstechnik und ihrer einmaligen Erscheinung schon jetzt quasi gewonnen hat. Bei mir steht sie ganz oben.

Wuensch Silke Kommentarbild App

Für die DW in Lissabon dabei: Silke Wünsch

Ich hätte sehr gerne noch weitere Songs mit in die Favoriten-Galerie aufgenommen, weil für meinen persönlichen Geschmack viele gute Lieder dabei sind. Potential hat etwa das italienische Duo Ermal Meta & Fabrizio Moro, das mit seinem Song "Non mi avete fatto niente" auf die grausamen Zustände in Syrien hinweist. Oder der niederländische Rocksänger Waylon, der mit "Outlaw In 'Em" ein lupenreines, erdiges Country-Rock-Stück abliefert.

Auch der Österreicher Cesár Sampson, der mit einer tollen Soulstimme und einem hinreißenden Gospelchor im Hintergrund auftritt, wird - nicht zuletzt auch wegen seines Aussehens - sicher eine gute Platzierung bekommen. Sein Song "Nobody But You" ist eine seidenweiche Soulballade. Gastgeber Portugal präsentiert die 23-jährige Cláudia Pascoal, die mit einer unglaublich zarten Stimme das kleine, leise Lied "O Jardim" singt - ähnlich wie der Vorjahressieger Salvador Sobral. Und schließlich ist auch "unser" Song, "You Let Me Walk Alone" von Michael Schulte ein Lied, das sich auf gar keinen Fall verstecken muss. Ich glaube fest an einen 15. Platz (mindestens!).

Der österreichische Kandidat Cesár Sampson bei der Probe in Lissabon (Andres Putting  )

Der österreichische Kandidat Cesár Sampson bei der Probe in Lissabon

Rick Fulker:

Nachdem ich mir 43 Lieder zu Eigen gemacht habe, schwirrt mir der Kopf, und es ist vielleicht verständlich, dass die ersten, die ich gehört habe, tendenziell nach oben in meiner Favoritenliste rangieren. Es ist immer so, dass der Erfolg des ESC-Vorjahres auf den aktuellen Jahrgang ausstrahlt, und Salvador Sobrals Liebesballade findet in diesem Jahr viele Nachahmer, erfrischenderweise öfters in der jeweiligen Landessprache. Dabei ist auch eine Menge Vernachlässigbares, das wohl nur für diesen Anlass gemacht wurde und sehr bald wieder aus dem Gedächtnis verschwinden wird. 

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DW-Musikexperte Rick Fulker

Mein Preis für den lächerlichsten Text im aktuellen Jahrgang geht an Aserbaidschan. "As you hold me as you beam … Misty moon I'm your loon … I cross my heart, I'm stronger than cannonballs." ("Wenn du mich hältst, während du strahlst.... Nebliger Mond, bin ich dein Verrückter... Ich schwöre, ich bin stärker als Kanonenkugeln.") Das ist kaum zu toppen.

Und Anerkennung für die größte Zahl an bunt-extravaganten Kleidern geht an Eleni Foureira aus Zypern. Elina Nechayeva aus Estland kommt dafür mit nur einem Kleid aus, aber was für eines: Es bedeckt die ganze Bühne und scheint durch Lichteffekte zu fließen, während die Sängerin in einer Sternenlandschaft mit den Armen wedelt: Eurovision-Kitsch vom Feinsten. Nechayeva ist Opernsängern und schafft die allerhöchsten Tonhöhen des Jahres, das Lied ist aber so überproduziert, dass die Stimme im Großklang dennoch fast untergeht.

Krieg und Terror als Themen

Es soll hier aber darum gehen, was wir gut finden. Nicht unter meinen Top-Fünf-Favoriten, dennoch beachtenswert, sind ein Lied im Stil von Jazz und Ethnofolk aus Georgien (Iriao: "For You") mit einem originellen Klang, der auf Tradition basiert. 
Wer vergessen hat, wie es war, zum ersten Mal verliebt zu sein, darf noch einmal in das Gefühl eintauchen bei "Tu Cancion" mit Alfred & Amaia aus Spanien. Auch in der Landessprache, großartig! 

ESC 2018 | Kandidat aus Georgien Band Iriao (Imago/ITAR-TASS/V. Prokofyev)

Jazz und Ethnofolg aus Georgien liefern Iriao


Bewegende, ernste Bilder von Krieg, Terrorismus und Flüchtlingskrisen sind in den Beiträgen aus Frankreich und Italien zu sehen, und beide Songs sind auch musikalisch ernst zu nehmen. 

Aus der ESC-Erfolgsfabrik Schweden kommt Benjamin Ingrosso, der nicht nur zwölfjährige Mädchen ansprechen dürfte. Die Produktion scheint perfekt, und den Refrain kriegt man nicht mehr aus dem Kopf raus. Die Niederlande bringen mit Wayson soliden, Freude verströmenden Country-Rock, und Mikolas Josef aus der Tschechischen Republik hat einen funkigen Elektrotitel, der aufhorchen lässt. 

Aber für die unvermeidlichen fünf Besten aus meiner Sicht muss man auf die Galerie oben klicken. 

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