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Wirtschaft

Europhorie trotz Warteschlangen

Trotz vereinzelter Streiks in italienischen und französischen Banken, langer Schlangen an Autobahn-Mautstationen oder Fahrkartenschaltern: Das Euro-Debut ist geglückt.

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Mit dem Euro-Rechner durch den Währungsdschungel

"Reibungslos", "besser als erwartet", "mit der Präzision eines Uhrwerks": Überaus positiv fiel die Bilanz über den Start des Euro als leibhaftige Währung am ersten Werktag im neuen Jahr aus. Und das, obwohl es in einigen der 12 Euro-Länder Engpässe und Warteschlangen beim Start der neuen Gemeinschaftswährung gegeben hatte.

Tausende von Italieniern steckten an den Mautstationen der Autobahnen in kilometerlangen Staus fest und warteten auf die Abfertigung durch Kassierer, die im Dickicht von Euro und Lira den Überblick verloren hatten.

Weil die Kassen nicht rechtzeitig umgestellt worden waren, mussten die Mitarbeiter an den Fahrkartenschaltern der Madrider U-Bahn jeden Betrag mit Taschenrechner oder sogar mit Papier und Bleistift umrechnen. Das Ergebnis waren endlose Schlangen und genervte Fahrgäste.

Mangelware Wechselgeld

Nachdem zahlreiche Banken in den Niederlanden ihre Geldautomaten nur mit 'großen' 50- und 100-Euro-Scheinen bestückt hatten, wurde am Mittwoch in vielen Kaufhäusern und Supermärkten das Euro-Wechselgeld knapp. Ein Problem, mit dem viele Geschäftsleute in Euroland am Mittwoch zu kämpfen hatten.

Tausende von Kilometern von den holländischen Supermarkt-Kassen entfernt, meinte eine Kellnerin in Lissabon gestresst: "Den Kaffee für 50 Cent bezahlen die Kunden mit einem Zehn-Euro-Schein, weil sie Münzen haben wollen. Aber herausgeben können wir dann nur in Escudos."

In Österreich gaben am zweiten Tag der Euro-Bargeld-Einführung alle Geldautomaten den Geist auf. Grund für den Total-Ausfall der rund 2700 Bankautomaten, so die zuständige Gesellschaft Europay, sei aber lediglich eine Überlastung des Zentralrechners gewesen. Mit der Euro-Einführung an sich habe der Zusammenbruch nichts zu tun, versuchte ein Sprecher zu beruhigen. Trotzdem: Alles in allem herrschte bei den mehr als 300 Millionen Menschen der Euro-Zone Gelassenheit, als sie sich ins Abenteuer mit den neuen Münzen und Banknoten stürzten.

Euro-Kurs steigt

Die europäischen Devisenhändler atmeten auf. Nicht nur eingefleischte Euro-Gegner auf der britischen Insel hatten mit Pleiten, Pech und Pannen beim "Euro-Crunch" auf dem Kontinent gerechnet: Auch unter den Wertpapierhändlern hatte es genug Skeptiker gegeben: "An den Märkten herrschte die Meinung vor, dass es mit der Einführung negative Schlagzeilen geben würde', so Michael Klawitter von der WestLB in London. Nachdem aber alles glatt laufe, gäbe es am Markt einen regelrechten 'Ansturm der Erleichterung' auf den Euro.

Was viele Experten erwartet hatten, erfüllte sich so am ersten Handelstag nach der Einführung des Euro-Bargeldes: Der Euro stieg an den Devisenmärkten über die Marke von 90 US-Cent. Zum Yen kletterte die Gemeinschaftswährung mit Kursen bis zu 118,34 Yen auf ein neues Zwei-Jahres-Hoch.

Ob sich allerdings die Erwartung von EZB-Chef Wim Duisenberg erfüllen wird, durch den Euro sei ein zusätzliches Prozent Wirtschafts-Wachstum in der Eurozone möglich, bleibt abzuwarten. Der am Mittwoch veröffentlichte Einkaufsmanager-Index der Agentur Reuters stieg zwar leicht von 43,6 auf 44,1 an. Doch mit einem Wert unter 50 signalisiert der Index nach wie vor: Die Wirtschaft in Euroland steckt im Abwärtstrend. Nur wenn die US-Wirtschaft in diesem Jahr die Rezession hinter sich lässt, geht es auch im Schlepptau für die europäische Wirtschaft wieder deutlich nach oben. (tko)

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