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Kultur

'Europeans for Peace' prämiert Projekte

Partnerschaften und internationale Begegnungen: ein deutsches Förderprogramm ermöglicht jungen Leuten das gegenseitige Kennenlernen bei gemeinsamer Projektarbeit. Die diesjährigen Preisträger trafen sich in Berlin.

Szenenbild aus dem preisgekrönten Theaterstück Wo ist Andrej?, ein deutsch-rumänisches Projekt

Preisgekröntes Theaterstück "Wo ist Andrej?"

Monatelang haben sie sich mit Fragen von Herkunft und Vielfalt beschäftigt, jetzt sind sie zum Feiern nach Berlin gekommen und haben ihre Projekte noch einmal vorgestellt: Jugendliche aus Ost- und Südosteuropa, aus Israel und ihre deutschen Freunde. In Bosnien haben sie das Zusammenleben von Minderheiten analysiert. In Kasachstan Interviews mit einstmals zwangsdeportierten Wolgadeutschen gemacht. In Rumänien Theater gespielt und dabei das Schicksal eines Roma-Jungen in den Mittelpunkt gestellt. In Tschechien jüdische Biografien recherchiert. In Israel Eltern und Großeltern über deren Erfahrungen mit Flucht und Vertreibung gefragt. In Polen mit ehemaligen NS-Zwangsarbeitern und Vertriebenen gesprochen."Das war was ganz anderes, als in Büchern von Flucht und Vertreibung zu lesen, es war wirklich ergreifend, als dann die alten Leute in Polen und Deutschland uns von ihrem Schicksal erzählt haben", sagt Ellen von der Insel Rügen.

Die anderen kennenlernen

Ausgezeichnet von Europeans for Peace: Die deutsch-israelische Projektgruppe, vorne links Günter Saathoff, Vorstand der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft.

Preisträger aus Deutschland und Israel

Herausgekommen sind bei den Recherchen nicht nur sehenswerte Videofilme, Theaterstücke oder Ausstellungen – der große persönliche Gewinn besteht im gegenseitigen Kennenlernen. Besuche in Deutschland und in den Partnerländern, Gastaufenthalte in Familien gehören dazu. 'Europeans for Peace' – ein Förderprogramm der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung, Zukunft" - ermöglicht den jungen Leuten einen Blick über die Grenzen von Ländern und Kulturen. Und eine Vielzahl freundschaftlicher Begegnungen.

Angehupt und eingeladen

Jakob aus Bonn war mit seiner Gruppe in dem arabischen Dorf Iksal in Israel. " Alle waren so offen und gastfreundlich. Ich bin in das Dorf gekommen und wurde direkt von allen Autos angehupt, die Leute sind ausgestiegen, haben uns ausgefragt, überall wurden wir eingeladen. " Umgekehrt ist das ähnlich: Aus einem fremden wird ein vertrautes Land. Besonders dann, wenn man, wie Isabella aus Hosman in Rumänien, die Sprache spricht: "Es ist interessant hier in Berlin, denn ich wohne zu Hause in einem kleinen Dorf. Da gibt’s so vieles nicht. Ich mag Deutschland und möchte irgendwann hier studieren."

Im Gespräch mit der DW: In Kasachstan waren die Berge so hoch und die Flüsse so breit! Sie hat Zeitzeugen in Ust-Kamenogorsk befragt.

Im Gespräch mit der DW

Die Deutschlehrerin Saule Kabidollina hat schon viele Austauschprojekte zwischen ihren Schülern in Ust Kamenogorsk und der Partnerschule im bayerischen Gröbenzell mit organisiert. Sie freut sich über die privaten Kontakte, die mittlerweile entstanden sind: "Die Kinder sind befreundet, nicht mehr nur Bekannte - sie sind sozusagen Verwandte geworden. Alle sind begeistert; bei uns fangen jetzt schon die Jüngsten an und wollen mitmachen!"

Klüger werden

Im laufenden Jahr hatten sich Jugendliche aus insgesamt 22 Ländern in 71 Projekten zusammengetan. Sieben davon wurden prämiert. "Die Arbeitsergebnisse sind beeindruckend", sagt Stiftungsvorstand Günter Saathoff. Kuratoriumsmitglied Dariusz Pawlos aus Polen betont: "Die deutsch-polnischen Beziehungen sind wegen des Zweiten Weltkrieges kompliziert. Die Jugendlichen aber können aus der Vérgangenheit lernen, sensibler und klüger werden." Pawlos' tschechischer Kollege Jiri Sitler meint: "Es ist gut, wenn die jungen Leute gleich mit dem Dialog anfangen - ohne, dass man vorher Streit haben muss."

Seit 2005 sind 330 Jugendprojekte mit 4,25 Millionen Euro unterstützt worden. Die Stiftung wird das Programm "Europeans for Peace" auch im nächsten Jahr weiter fördern. Denn, so Saathoff: "Die Jugendlichen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die Erinnerung an die NS-Opfer wachzuhalten. Außerdem engagieren sie sich für Menschenrechte und Minderheiten heute."

Autorin: Cornelia Rabitz

Redaktion: Sabine Oelze

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