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Wissen & Umwelt

Europas schnellster Rechner in Betrieb

Der schnellste Höchstleistungsrechner Europa ist in Garching bei München in Betrieb gegangen. Der SuperMUC genannte Computer schafft pro Sekunde drei Billiarden Rechenoperationen.

Die Zahlen sind schwindelerregend: drei Billiarden Rechenschritte, die Experten sagen dazu drei "Petaflops", pro Sekunde schafft der Supercomputer. Für das menschliche Hirn sind diese Zahlen schwer begreifbar. Die Computerfirma IBM, die den SuperMUC herstellte, vergleicht die Leistung des Computers mit der kaum vorstellbaren Situation, dass drei Milliarden Menschen mit Taschenrechnern jeweils eine Million Berechnungen pro Sekunde ausführen.

So groß wie ein halbes Fußballfeld

Betreut wird SuperMUC rund um die Uhr vom Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) unter Leitung von Prof. Arndt Bode. Er ist so groß wie ein halbes Fußballfeld, wiegt 100 Tonnen und soll nichts weniger als die großen Rätsel der Wissenschaft lösen helfen. Super MUC soll zum Beispiel Forscher bei der Analyse physikalischer Daten und der Simulation von Vorgängen im menschlichen Körper unterstützen. Mit seinen 155.000 Prozessoren ist der Neuling am LRZ derzeit sogar die Nummer eins in Europa. Diesen Status wird er vermutlich nicht lange behalten. Denn wegen der Unmengen an Daten, die in Astronomie, Atomphysik, Medizin- oder Klimaforschung heutzutage verarbeitet werden müssen, entstehen weltweit immer leistungsfähigere Riesenrechner.

Neuartige Kühlmethode

Eingeweiht wurde SuperMUC von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) zusammen mit dem bayerischen Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) an diesem Freitag. Schavan erklärte, "Erfolge im Höchstleistungsrechnen stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Innovationsstandorts Deutschlands und schaffen neue Wertschöpfungspotenziale für die Wirtschaft." SuperMUC sei nicht nur schnell, sondern mit seiner neuartigen Warm-Wasser-Kühlung auch ein Musterbeispiel für Energieeffizienz.

Der neue Rechner spart mit einer ungewöhnlichen Methode viel Energie: SuperMUC wird mit rund 40 Grad warmem Wasser gekühlt. "Die Chips laufen noch korrekt bei 70 oder 80 Grad", sagt Bode. "Wegen der höheren Wärmekapazität führt Wasser die Wärme besser ab als Luft." Während klassische Rechenzentren 50 bis 100 Prozent ihres Energiebedarfs zusätzlich für die Kühlung brauchen, sind es beim SuperMUC 10 bis maximal 20 Prozent zusätzlich. 850.000 Euro Energiekosten sollen so pro Jahr gespart werden.

Großer Andrang von Wissenschaftlern

Etwa 83 Millionen Euro haben der Bund und das Land Bayern in den neuen Superrechner investiert. Forscher aus Deutschland sowie 23 weiteren Ländern Europas inklusive Israel und Türkei werden die neue IBM-Anlage nutzen. Der Andrang der Wissenschaftler sei riesig, sagt LRZ-Mitarbeiter Ludger Palm: "Der Bedarf an Höchstleistungsrechnern ist auf absehbare Zeit gar nicht zu sättigen."

Supercomputer seien ein Schlüssel, um Antworten auf die drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts zu finden, sagt auch Bundesforschungsministerin Schavan. Angesichts des rasanten Fortschritts der Speichertechnik ist LRZ-Mitarbeiter Palm überzeugt: "Was wir hier heute stehen haben, wird in zehn bis 15 Jahren am normalen Arbeitsplatz eines Ingenieurs stehen."

pg/gmf (dpa, afp)