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Kultur

Europas Profisport und das Arbeitsrecht

Der Profisport in Europa steht mal wieder vor einer radikalen Veränderung. Beim Europäischen Gerichtshof ist ein Verfahren anhängig, von dem viele Sportler aus Nicht-EU-Staaten profitieren könnten.

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Brachte den Ball ins Rollen:
Igor Simutenkow

Ausgelöst wurde die aktuelle Diskussion durch die Klage des russischen Fußball-Profis Igor Simutenkow gegen Beschränkungspraktiken in der spanischen Fußball-Liga. Der Spieler, der früher beim spanischen Club Deportivo Teneriffa spielte und mittlerweile bei den Kansas City Wizards tätig ist, fühlte sich in Spanien diskriminiert. Der spanische Fußballverband erlaubt seinen Profi-Klubs nämlich pro Spiel nur den Einsatz von maximal drei Spielern aus Nicht-EU-Staaten. Eine Praxis, die auch in anderen EU-Ländern und in anderen Sportarten üblich ist.

Simutenkows Rechtsberater fanden aber heraus, dass es ein Partnerschaftsabkommen zwischen der Europäischen Union und Russland gibt. Und dieses Partnerschaftsabkommen garantiert Russen, wenn sie in einem Land der EU einen Arbeitsvertrag haben, die gleichen Rechte wie Arbeitnehmern, die den Pass eines EU-Mitgliedstaates haben.

Sperrklauseln werden wohl hinfällig

Inzwischen ist die Generalanwältin am Europäischen Gerichtshof zu der Überzeugung gelangt, dass sich Simutenkow in der Tat auf dieses Diskriminierungsverbot berufen kann. Das würde bedeuten: Profisportler aus Ländern wie Russland, der Ukraine, Kirgisistan und Weißrussland würden Arbeitnehmern aus den Mitgliedsstaaten der EU, denen Gleichbehandlung am Arbeitsplatz zugesichert ist, gleichgestellt.

Dieser Kreis wird übrigens noch erweitert auf Profisportler aus vielen Ländern Afrikas, der Karibik und des Pazifik, sofern diese Länder im Juni 2000 mit der Europäischen Union das Cotonou-Abkommen getroffen haben.

Idrissou

Der Kameruner Mohammadou Idrissou (Hannover 96) könnte bald EU-Sportlern gleichgestellt sein

Wenn der Europäische Gerichtshof, wie erwartet wird, der Klage des russischen Fußballspielers Simutenkow Recht gibt, würden praktisch alle Ausländersperrklauseln, wie sie bislang in den Wettkampfordnungen der verschiedensten europäischen Sportfachverbände niedergeschrieben sind, hinfällig.

Keine Chance für eigenen Nachwuchs?

So sieht das auch der Sportrechts-Experte Prof. Peter Tettinger. Wenn der Sportler einmal in einem EU-Land tätig sei, griffen die Regelungen der Abkommen zwischen der EU und den Partnerschaftsländern, dann müsse er wie andere Arbeitnehmer auch behandelt werden. Und das heiße im Klartext: wie Profisportler aus dem EU-Raum.

Nicht nur in Deutschland fürchten die Sportverbände vor allem im Fußball, Eishockey, Handball und Basketball, dass jetzt in den jeweiligen Topligen für eigene Nachwuchssportler kaum noch Platz ist, da ausländische Sportler von den Vereinen als Arbeitgeber in der Regel preisgünstiger zu verpflichten sind. Deutschlands Sportszene könnte schon in Kürze für Profisportler ein Arbeitsmarkt ohne Grenzen werden.

Beim Deutschen Sportbund sieht man die Zukunft letztlich jedoch nicht so negativ. Vizepräsidentin Christa Thiel interpretiert die Entwicklung sogar absolut sportlich. Für sie hätte ein entsprechendes Urteil keine weitreichenden Konsequenzen. Es unterstütze nur die Wettbewerbsfähigkeit.

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