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Wirtschaft

Europas neuer Rüstungsriese

EADS und die britische BAE verhandeln über einen Zusammenschluss. Dabei soll ein Rüstungskonzern entstehen, der es mit den mächtigen US-Firmen aufnehmen kann. Es ist nicht der erste Anlauf.

Schon 1999 wollte der deutsche Luft- und Raumfahrtkonzern Dasa ein Bündnis mit der British Aerospace (BAE) eingehen. Daraus wurde nichts, Dasa schloss sich mit einem französischen Konzern zur EADS zusammen. Jetzt verhandeln die britische BAE und EADS über eine Fusion.

Daraus soll ein Konzern entstehen, der auf dem internationalen Rüstungsmarkt bessere Chancen hätte als beide Wettbewerber allein. Vor allem auf dem US-Markt will EADS endlich Fuß fassen. Mit den engen Verbindungen, die BAE auf Grund der traditionellen "special relationship" zwischen den USA und Großbritannien auf dem US-Markt hat, wollen sie den amerikanischen Platzhirschen Konkurrenz machen.

Eine Zusammenarbeit würde auch auf den lukrativen Märkten in Arabien und dem Nahen und Mittleren Osten neue Chancen eröffnen. Bislang werden auch diese Märkte von US-Firmen dominiert.

Die Aktionäre von EADS DW-Grafik: Olof Pock

Die Aktionärsstruktur von EADS

Ein ganz fetter Kuchen

Während in Europa die Rüstungshaushalte schwinden, geben die USA noch immer sehr viel Geld für Waffen, Munition, Ausrüstung und Fahrzeuge aus, und zwar mehr als eine halbe Billion US-Dollar in jedem Jahr. Diesen Kuchen teilen zurzeit die großen US-Konzerne unter sich auf.

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Megafusion in der Rüstungsindustrie?

Boeing, der Hauptkonkurrent von EADS-Tochter Airbus in der zivilen Luftfahrt, ist nach der Übernahme des Flugzeugbauers McDonnell-Douglas zu einem der großen Zulieferer der US-Luftstreitkräfte geworden. Boeing baut unter anderem den Kampfhubschrauber AH-64 Apache und Transportflugzeuge. Die AWACS-Aufklärungsflugzeuge kommen ebenfalls vom Flugzeugbauer aus Seattle. Der Jahresumsatz von Boeing liegt bei rund 70 Milliarden US-Dollar.

Flugzeuge, Panzer und Raketen

Verschiedene Kampfflugzeuge und die Lufttransporter Super Hercules und Galaxy baut Lockheed-Martin aus Kalifornien für die US-Streitkräfte. Der größte Rüstungskonzern der USA, dessen Umsatz in 2012 auf etwa 46 Milliarden US-Dollar geschätzt wird, liefert auch Militärfahrzeuge und Hubschrauber. Außerdem kauft das Pentagon auch Interkontinentalraketen bei den Kaliforniern.

Den sogenannten Tarnkappenbomber B-2 beziehen die US-Streitkräfte von Northrop Grumman. Das Unternehmen aus Falls Church im US-Bundesstaat Virginia macht seinen Umsatz von ungefähr 25 Milliarden Dollar auch mit Raketen und Drohnen. Raytheon (geschätzter Jahresumsatz: 25 Milliarden US-Dollar) stellt Elektronik her und liefert Washington Technik für die Flugabwehr. General Dynamics, Jahresumsatz etwa 33 Milliarden Dollar, ist ein wichtiger Zulieferer der US-Marine und baut Kriegsschiffe und U-Boote. Das Unternehmen, das wie Northrop Grumman in Falls Church, Virginia, sitzt, baut auch den Kampfpanzer Abrams.

Drei M1A1 Abrams Panzer in der irakischen Wüste. (Foto: ddp images/AP)

Drei Panzer "M1A1 Abrams" in der irakischen Wüste. Den Abrams baut die US-Firma General Dynamics

Ein komplettes Arsenal

An diesem Markt hat EADS bislang keine nennenswerten Anteile. Im vergangen Jahr war der deutsch-französische Konzern einmal nah dran: Den 35-Milliarden-Dollar-Deal mit Tankflugzeugen für die US-Air-Force hatte der Konkurrent Boeing allerdings in letzter Minute für sich entscheiden können. Das soll EADS nicht mehr passieren.

Eine Fusion mit BAE würde die Struktur von EADS verändern. Bislang war die zivile Luftfahrt der wichtigste Geschäftszweig des deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmens, während bei Boeing das militärische und das zivile Geschäft gleich einträglich sind. Bei einem Zusammengehen mit BEA würde auch EADS auf beiden Gebieten einen in etwa gleich großen Umsatz machen.

Die Zusammenarbeit mit den Engländern würde das militärische Angebot verbreitern: Während EADS seinen militärischen Anteil am Jahresumsatz von fast 50 Milliarden Euro mit Flugzeugen macht, erzielt BAE seinen Umsatz von rund 22 Milliarden Euro auch mit Panzern, Raketen und Kriegsschiffen. Gemeinsam würden Deutsche, Franzosen und Engländer alles anbieten, was eine moderne Streitmacht in Friedenszeiten und zum Kriegführen braucht.

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