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Kultur

Europas heiße Metropolen

Trotz des aktuell kühlen Wetters in Mitteleuropa: Die Temperaturen haben langfristig zugenommen. Laut einer Studie der Umweltorganisation WWF steigen die Temperaturen in den europäischen Städten dramatisch.

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In Zukunft öfter? Hitzeflimmern am Brandenburger Tor

Madrid ist Europas Nummer Eins. In keiner anderen Stadt sind die Sommer-Temperaturen in den letzten 30 Jahren so stark gestiegen wie hier. Im Durchschnitt zeigen die Thermometer in Spaniens Hauptstadt satte 2,2 Grad Celsius mehr an. Ähnlich stark zugenommen haben die Sommer-Temperaturen in London, Lissabon, Luxemburg und Athen. Das hat eine Studie der Umweltschützer vom WWF ergeben.

Trockenheit in der Schweiz

Ausgetrocknete Schlammböden zeugen am Montag, 11. Aug. 2003, am Ufer des Voralpsees oberhalb des St. Gallischen Grabs von der großen Trockenheit.

Der Temperaturanstieg mag noch so manchen Nebel geplagten Londoner erfreuen. In Madrid und Lissabon dagegen dürften die wenigsten Einwohner darüber begeistert sein, dass ihre Sommer nun noch heißer werden. Der Sommer 2005 hat Spaniern und Portugiesen eine außergewöhnliche Dürre und Wasserknappheit beschert. Die Stauseen sind leer, viele Felder verdorren, viele Wälder brennen. Beide Länder haben angesichts des Missernte bereits die EU um Nahrungsmittelhilfe gebeten.

"Völlig einig"

Zahlreiche Klimaforscher warnen seit Jahren, dass wir uns auf immer mehr dieser so genannten extremen Wetterereignisse - also Dürren, Stürme und Regenfluten - einstellen müssen. Natürliche Schwankungen schließt Martin Hiller, Sprecher des Klimaprogramms des WWF International, als Ursache aus. "Die bei weitem überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler ist sich völlig einig, dass der Mensch die entscheidende Rolle spielt." Vor allem für die sehr hohe Geschwindigkeit der Temperaturänderungen spreche dafür. "Wir reden hier über 200 Jahre Industrialisierung, in denen sich der CO2-Gehalt in der Atmosphäre inzwischen schon um ein Drittel des ursprünglichen Wertes erhöht hat. Das ist vom Menschen hervorgerufen, das ist kein natürlicher Prozess."

Die Natur dürfte unter dem Klimawandel am meisten leiden. Eisbären könnten beispielsweise nach einer Studie des Arktis-Rates ihren Lebensraum, also eine geschlossene Eisdecke, verlieren. Ein schneller Temperaturanstieg könnte fragile Ökosysteme wie Korallenriffe überfordern. Doch auch am Menschen geht der Klimawandel nicht spurlos vorüber, warnt Martin Hiller: "Wir können zum Beispiel auf das Hitzejahr 2003 schauen, wo wir insgesamt über 40.000 Tote mit der Hitzewelle in Verbindung bringen müssen."

Das Schlimmste kommt noch

Im vergangenen Jahrhundert ist die weltweite Durchschnitts-Temperatur um etwa 0,6 Grad gestiegen. Nicht überall gleichmäßig: in Europa beispielsweise um knapp ein Grad. Dabei haben wir den größten Temperaturanstieg noch vor uns. Die Wissenschaftler des UN-Klimapanels IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) rechnen bis Ende des Jahrhunderts mit einem Plus von 1,4 bis 5,8 Grad Celcius. Das bedeutet noch mehr Hitzewellen in den Städten - laut WWF auch mit ökonomischen Auswirkungen, wenn etwa im Sommer mehr Strom verbraucht wird, weil mehr Klimaanlagen und Ventilatoren benutzt werden.

Im Teufelskreis

Ein Teufelskreis: mehr Hitze, mehr Stromverbrauch, damit auch mehr Treibhausgase bei der Strom-Produktion und letztendlich auch wieder mehr Hitze. Alternativ sollten die Elektrizitätsfirmen vor allem erneuerbare Energien wie Wind, Wasser und Biomasse verwenden, um ihren Strom zu erzeugen, fordert der WWF. In der Übergangszeit könnte in den Kraftwerken auch mehr Gas zum Einsatz kommen. Das ist zwar nicht klimaneutral, stößt aber im Vergleich zur Kohle oder zum Öl deutlich weniger Treibhausgase aus.

Oft werde auch übersehen, sagt Martin Hiller, dass man bis zu 30 Prozent des Stroms einfach sparen könnte. Moderne Maschinen, Computer und Klimaanlagen brauchten schließlich viel weniger Energie als alten Geräte. Das wäre zumindest ein erster Schritt, um den Teufelskreis Treibhauswandel zu durchbrechen.

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