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Europa

Europas Fußball spürt die Wirtschaftskrise

In Europas Fußball-Ligen geht die Schere zwischen armen und reichen Clubs immer weiter auseinander. Nun sinnt die UEFA auf Abhilfe. Das deutsche System der zentralen Verteilung der Medieneinnahmen könnte Vorbild sein.

Cristiano Ronaldo

Cristiano Ronaldo war Real Mardid 94 Millionen Euro wert

Während Spaniens Rekordmeister Real Madrid diesen Sommer die Rekordsumme von 247 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben hat, müssen andere - besonders die kleineren Vereine - den Gürtel enger schnallen: Infolge der Wirtschaftskrise sinken die Sponsorengelder, die teuren VIP-Logen in den Stadien werden seltener gebucht als zuvor. Gleichzeitig aber laufen teure Spielerverträge, die zum großen Teil noch vor Beginn der Krise abgeschlossen worden sind, weiter.

In der deutschen Bundesliga ist die Wirtschaftskrise bereits angekommen, das jedenfalls zeigt eine neue Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Ernst & Young. Schon ein Drittel der Vereine der Ersten und Zweiten Fußball-Bundesliga hat in der abgelaufenen Saison Verluste erlitten. "Die Vereine treten auf die Kostenbremse", sagt der Autor der Studie, Arnd Hovemann. "Sie sind vermehrt auf Spieler aus, die ablösefrei zu haben sind. Und auch bei den Spielergehältern versucht man, mit einem schmaleren Budget in die Saison zu gehen."

Einseitige Ligen

Verglichen mit anderen europäischen Ligen sind die Einnahmen unter den Bundesliga-Clubs relativ gleich verteilt, und das wirkt sich auch auf die sportliche Wettbewerbsfähigkeit aus, meint Hovemann: "In England, aber auch in Italien und Spanien geht es sehr viel einseitiger zu. Da mögen zwar die größeren Stars spielen, aber oft steht der Spielausgang schon vorher fest." Neben der Bundesliga ist auch die finanzielle Lage der Vereine der französischen ersten Fußball-Liga, der Ligue 1 noch recht robust. Doch in England, Spanien oder Italien sind einige wenige Clubs auch dank potenter Investoren erfolgreich –schließlich hängen die sportliche und finanzielle Situation stark voneinander ab.

Spielszene Manchester United gegen FC Chelsea (Foto: dpa)

Manchester und Chelsea domieren die englische Liga

So teilten in England Manchester United, das dem US-Investor Malcolm Glazer gehört, und der vom russischen Oligarchen Roman Abramowitsch finanzierte FC Chelsea die vergangenen fünf Meistertitel unter sich auf. Überhaupt haben sich in der englischen Premier League die so genannten "Big Four" an der Tabellenspitze etabliert: Fünfmal in den vergangenen sechs Spielzeiten belegten Manchester, Chelsea, Liverpool und Arsenal in wechselnder Reihenfolge die vorderen vier Plätze. In Spanien gibt es seit Jahren einen Zweikampf zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid um die Meisterschaft, in den kaum ein anderer Club einzugreifen vermag.

Dafür leiden aber in England fast vier Fünftel der anderen Clubs unter der Krise, in Italien und Spanien sind das je gut 70 Prozent. Das liegt auch daran, dass die Bestplatzierten in den europäischen Wettbewerben wie etwa der Champions League auch von hohen Prämien profitieren. Ein Teufelskreis, denn gegen die finanziell besser gestellten Clubs haben die kleinen Vereine fast keine Chance, sich für die internationalen Wettbewerbe zu qualifizieren und von den Prämien zu profitieren. So driften die Vereine immer weiter auseinander.

Deutsches Vorbild

UEFA-Präsident Michel Platini (Foto: dpa)

UEFA-Präsident Michel Platini ist an spannenden Ligen interessiert

Da hat sich das deutsche System bewährt, das die Medieneinahmen zentral vermarktet und diese relativ gleichmäßig unter den Vereinen der ersten und zweiten Bundesliga aufteilt. Und das könnte auch Vorbild für Europa werden, meint Arnd Hovemann von Ernst & Young. "Die UEFA hat das Problem, dass die Ligen immer vorhersehbarer werden, erkannt und will eine Kommission einsetzen, die ein finanzielles fair play zwischen den Clubs herstellen soll. Damit die Zuschauer wieder ins Stadion kommen, ohne zu wissen, wie das Spiel nach 90 Minuten endet."

Autor: Brigitte Scholtes
Redaktion: Andreas Ziemons

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