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Kultur

Europas erfolgreiche Weltall-Mission

Mit 28.000 Kilometern pro Stunde raste die "Jule Verne" durchs All, um punktgenau an der Raumstation ISS anzukoppeln: Der erste europäische Weltraumfrachter hat seine Mission erfolgreich bestanden.

ATV-Raumtransporter koppelt an ISS an (AP Photos/ESA, D.Ducros)

ATV-Raumtransporter koppelt an die ISS an (Grafik)

Der erste europäische Weltraumfrachter "Jules Verne" ist an der Internationalen Raumstation ISS angekommen. Das unbemannte Transportfahrzeug ATV (Automated Transfer Vehicle) dockte am Donnerstag (03.04.08) um 16:46 Uhr deutscher Zeit vollautomatisch an. Es ist damit fester Bestandteil der zurzeit mit drei Astronauten besetzten Raumstation.

Vor dem Anlegen hatten die russische Kontrollstation in Moskau und das europäische ATV-Kontrollzentrum im französischen Toulouse grünes Licht gegeben. Die Flugmanöver auf den letzten Metern wurden an mehrere europäische Raumfahrtstandorte, darunter Bremen, live übertragen. Eine Ariane-Rakete hatte die "Jules Verne" am 9. März vom südamerikanischen Weltraumbahnhof Kourou aus ins Weltall gebracht.

Mit 28.000 Stundenkilometern durchs All

Raumtransporter Jule Verne beim Start (dpa - Report)

Raumtransporter "Jule Verne" beim Start

Auf den letzten Metern war das ATV völlig auf sich allein gestellt. Der Transporter und die Raumstation flogen parallel mit einem Tempo von 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde. Das ATV näherte sich langsam mit nur wenigen Zentimetern pro Sekunde an den Dockingpunkt an. Dabei musste eine 15 Zentimeter große Kopplungsspitze den 90 Zentimeter großen Trichter des russischen Teils der ISS treffen. Im Notfall hätte die Crew der ISS nur einen roten Knopf drücken können, um das Andockmanöver abzubrechen.

Größtes Raumfahrzeug Europas

Das ATV ist das "größte und komplexeste Raumfahrzeug, das jemals in Europa entwickelt wurde", sagte Jean-Michel Bois, der für die Europäische Raumfahrtagentur ESA im Kontrollzentrum in Toulouse für den Flug verantwortlich ist. Das bisher größte Projekt der Europäer war das jüngst per Space Shuttle zur ISS gebrachte Raumlabor Columbus, das vor drei Monaten seine Arbeit aufnahm. Es funktioniert nach Angaben des Raumfahrtkonzerns EADS Astrium bisher einwandfrei.

"Jule Verne" bringt Musik für bessere Stimmung

Grafik der Jule Verne (Foto: Astrium dpa/lni zu dpa 0536 vom 06.03.2008)

Grafik der "Jule Verne"

Der Transporter versorgt die ISS mit lang ersehnten Nahrungsmitteln und Treibstoff: 4600 Kilogramm Nahrungsmittel, Wasser, Sauer- und Treibstoff sowie Ersatzteile hat die "Jules Verne" geladen. Außerdem bekommt die Besatzung weltraumtaugliche Musik geliefert, die ein norwegischer Teenager bei einem ESA-Wettbewerb zusammenstelle - von Elton Johns "Rocket Man" bis zu Joe Cockers "Up where we belong".

Neben dem Transport von der Erde zur Raumstation muss “Jule Verne“ noch eine weitere Aufgabe erfüllen, bevor die Mission insgesamt als Erfolg gilt. Im August soll das ATV mit seinen Triebwerken die ständig absinkende Raumstation wieder auf eine höhere Umlaufbahn bringen. Nach der Abkopplung von der ISS verglüht der Transporter mit knapp sechs Tonnen Müll an Bord kontrolliert in der Atmosphäre über dem südlichen Pazifik.

1,3 Milliarden Euro verglühen im All

Die Anlaufkosten für das Wegwerf-Raumschiff sind enorm: Entwicklung und Erstflug verschlingen 1,3 Milliarden Euro - soviel wie für das Jahre im Einsatz befindliche Columbus-Labor. Bei Folgeflügen rechnet die ESA allerdings mit deutlich geringeren Kosten von 300 Millionen Euro pro Mission. Bis 2015 sollen vier weitere ATV ins All geschossen werden - Ingenieure arbeiten bereits an einer Weiterentwicklung des Transporters für zukünftige Missionen zum Mond und Mars.(lk)

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