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Wirtschaft

Europas Banken wollen Hilfe von der EZB

Letzte Woche geriet die europäische Banken-Szene gewaltig unter Druck, die Kurse brachen weg, Warnungen vor einer Wiederholung der großen Finanzkrise tauchten auf. Jetzt rufen Banker die EZB um Hilfe an.

Das Jahr 2008 schien in der vergangenen Woche noch einmal beginnen zu wollen - 2008, das war das Jahr der großen Finanzkrise, die die Welt an den Rand des Kollapses brachte. Damals ging es mit der Krise einzelner Banken los, und auch jetzt sind es wieder die Banken, die mächtig unter Druck stehen.

Allen voran die Deutsche Bank, Deutschlands wichtigstes Bankhaus. Seit Jahresbeginn hat sie fast ein Drittel ihres Aktienwerts verloren. Anderen geht es nicht viel besser, besonders gebeutelt sind Société Générale aus Frankreich und Unicredit aus Italien. Der Branchenindex zeigt das ganze Ausmaß der Misere: Seit Anfang Januar verlor der europäische Stoxx-Bankenindex 22 Prozent - doppelt so viel wie der Gesamtmarkt.

Anonyme Banker warnen

"Es wird Zeit, dass die EZB eingreift", so zitiert das deutsche "Handelsblatt" am Dienstag den Vorstand einer europäischen Großbank, ohne seinen Namen zu nennen. Einen anderen Spitzenbanker, ebenso anonym, zitiert das Blatt mit den Worten: "Die Banken können alleine diese Krise nicht überwinden."

'Diese Krise' - das ist ein undurchsichtiges Gebräu mit vielen Zutaten. Dazu zählen die Angst vor einer weltumfassenden Rezession samt den Folgen des schnellen Ölpreisverfalls; für die Banken schlägt sich das nieder in der Gefahr größerer Ausfälle bei Krediten. Aber auch die härtere Regulierung der Banken mit neuen Haftungsregeln und höheren Eigenkapitalanforderungen belastet den Sektor.

"Viele Investoren realisieren erst jetzt, dass einige Banken nackt sind", sagte unlängst der Wirtschaftshistoriker Harold James von der US-Universität Princeton. Immer noch seien die Kapitalpolster vieler Banken vor allem in Europa zu gering. Tatsächlich gelten vor allem italienische Banken als gefährdet, weil sich im Land rund 200 Milliarden Euro an faulen Krediten angesammelt haben.

Bancomat in Italien (Foto: dapd)

Italien leidet unter faulen Krediten

Keine Übertreibung?

Auch die Bonner Ökonomin Isabel Schnabel findet, "die Ereignisse sind sehr beunruhigend". Man könne das nicht als Übertreibung abtun. Es gebe eine Reihe von Faktoren, die auf die Profite der Banken drückten, sagte sie der Tageszeitung "Die Welt": "Kurzfristig sind dies die schwache Weltkonjunktur und Kreditrisiken aus dem Ölgeschäft, mittelfristig vor allem die Niedrigzinsen, die das Geschäftsmodell der Banken infrage stellen."

Bankvertreter ziehen daraus die Konsequenz, sie müssten wieder mehr Freiheiten bekommen: "Die EZB müsste das Tempo der Regulierung reduzieren, um die Märkte zu beruhigen", zitiert das "Handelsblatt" einen Bankvorstand. Die politisch Veranwortlichen in Europa denken aber gar nicht daran. Vielmehr stärkten gerade die strengeren Vorschriften das Vertrauen in die Branche nach der Finanzkrise, sagte der Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, unlängst dem niederländischen Rundfunk.

Dijsselbloem hat handfeste Motive, um Forderungen nach einer laxeren Kontrolle des Finanzsektors abzuwehren. Die Rettung des Finanzsystems nach der großen Krise von 2008 kostete die europäischen Steuerzahler immerhin rund 1,6 Billionen Euro. Das soll sich nicht wiederholen.

EZB: Gestärkte Banken

Auch EZB-Chef Mario Draghi verweist auf die Anstrengungen der letzten Jahre zur Sicherung des Finanzsystems. Schließlich hätten "die Banken der Euro-Zone ihr Eigenkapital in den vergangenen Jahren deutlich gestärkt", sagte er in dieser Woche vor Abgeordneten des Europa-Parlaments. Nach schneller Hilfe klang das nicht. Die Banken seien jetzt in der Lage, ihre notleidenden Kredite abzubauen.

Blick auf Bankenviertel in Frankfurt (Foto: dpa)

Banken unter Druck: Die EZB beobachtet und wartet ab

Auch der Bonner Banken-Professor Thomas Hartmann-Wendels findet, die Banken seien erst einmal selbst gefragt. Der Deutschen Welle sagte er, man müsse verhindern, "dass die Fehler, die die Banken gemacht haben, letztlich wieder vom Steuerzahler getragen werden". Natürlich müsse man immer darauf achten, dass das Finanzsystem als solches nicht zusammenbricht. "Das ist zwar immer eine gewisse Gefahr, aber das sehe ich im Moment akut nicht. Eine Unterstützung der Banken durch die EZB kann also nur der letzte Ausweg sein."

Risikoaufschläge

Allerdings ist das Risiko, das von den Banken ausgehen könnte, gigantisch. In den 19 Ländern der Euro-Zone werden die faulen Kredite derzeit in der Summe auf 1,2 Billionen Euro geschätzt. Kein Wunder, dass auch die Risikoprämien für Wertpapiere in die Höhe schießen, mit denen sich Investoren gegen den Ausfall von Bankaktien absichern: Der Aufschlag hier liegt bei 60 Prozent.

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