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Wirtschaft

Europas Banken wieder unter der Lupe

Europas Bankenaufseher schauen in diesem Jahr wieder tief in die Bücher der Kreditinstitute. Dabei wollen sie herausfinden, ob die Geldhäuser tatsächlich ausreichend für eine neuerliche Wirtschaftskrise gerüstet sind.

In einem neuen Stresstest nimmt die europäische Bankenaufsicht EBA 51 Institute unter die Lupe. Parallel dazu untersucht die Europäische Zentralbank (EZB) in einer abgespeckten Variante 60 weitere Kreditinstitute aus der Eurozone. Geprüft wird, ob die Geldhäuser genügend Kapitalpuffer haben, um einen Absturz der Wirtschaft und einbrechende Immobilienpreise zu verkraften.

Die Ergebnisse des EBA-Tests sollen Anfang des dritten Quartals veröffentlicht werden, wie die Behörde am Mittwoch in London mitteilte. Die EZB will ihre Resultate hingegen nicht offiziell bekanntmachen und nur intern für die Überwachung der Banken nutzen.

Und wenn jetzt das Auto kaputtgeht?

Die Bankenaufseher suchen mögliche Altlasten oder Kapitallöcher in den Bilanzen der Banken. Im Stresstest müssen die Geldhäuser nachweisen, dass sie auch unter widrigen Umständen ausreichend Kapital haben, um ihr Geschäft fortzuführen.

Auf Verbraucher übertragen könnte der Test so aussehen: Reichen Einnahmen, Ersparnisse oder Versicherungsschutz auch dann, wenn Auto und Waschmaschine gleichzeitig kaputtgehen, der Arbeitgeber pleitegeht und man erst im nächsten Jahr einen neuen Job findet?

Ohne Vorgabe von Kapitalquoten

Im EBA-Test soll es im Gegensatz zu vorherigen Stresstests keine "Durchfaller" geben. Die Szenarien, die auf Basis der Geschäftszahlen zum Jahresende 2015 durchgespielt werden, sehen massive wirtschaftliche Schocks in Europa vor: Für dieses und nächstes Jahr eine um 1,2 Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent schrumpfende Wirtschaft, für 2018 lediglich 0,7 Prozent Wachstum. Auch für die USA und Japan, sowie für Schwellenländer wie China, Brasilien und Türkei werden heftige Einbrüche durchgespielt.

Neu ist, dass sogenannte Verhaltensrisiken in das Stress-Szenario eingehen. Damit sind auch Strafen gemeint, die Banken zahlen müssen weil beispielsweise Händler gegen Vorgaben verstoßen, wie im Fall der Libor-Zinsmanipulationen, was die Geldhäuser im Nachhinein Milliarden kostet. Das könnte insbesondere die Deutsche Bank treffen, die sich mit zahlreichen juristischen Altlasten herumschlägt. Allerdings werde man an den Ergebnissen des Stresstests nicht ablesen können, mit welchen Strafen eine Bank rechne, erklärte EBA-Risikoexperte Mario Quagliariello.

Als weitere Risiken werden fallende Energiepreise und Negativzinsen mit ins Krisenszenario aufgenommen. Die Folgen eines Brexit, also eines möglichen Austritts Großbritanniens aus der EU, nannte Quagliariello jedoch nicht. Die Aufseher verzichten dieses Mal auf Vorgaben von Kapitalquoten, die Banken erfüllen müssen. Stattdessen sollen die Ergebnisse in die jährliche Bewertung von Geschäftsmodellen und Risiken der Institute einfließen.

Aus Schaden gelernt

Solche Untersuchungen waren nach der jüngsten Finanzkrise eingeführt worden. Sie sollen Risiken in den Bank-Bilanzen offenlegen und so größeres Vertrauen in die Stabilität der Finanzbranche schaffen.

Die EZB ist seit November 2014 für die Bankenaufsicht in der Eurozone zuständig und kontrolliert die 129 größten Institute direkt. Davon nehmen an den aktuellen Tests aber nur etwa hundert teil. Die übrigen waren erst kürzlich durchleuchtet worden wie die griechischen Geldhäuser oder sind Tochterfirmen. Die EBA ist die oberste Bankenaufsichtsbehörde der Europäischen Union und damit auch für Banken in Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien verantwortlich.

dk/rb (dpa)