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Kultur

Europas Badegewässer im Test

Die Badesaison hat begonnen. Wo das Wasser besonders sauber ist, verrät der neue Badewasseratlas der Europäischen Union. Und auch, wo man besser nicht hinein steigen sollte.

Zwei Frauen im Wasser (Quelle: AP)

Bremen: Bei sommerlicher Hitze suchen viele Abkühlung im Unisee

Der Sommer steht vor der Tür, und schon jetzt locken Sonne und warme Temperaturen einige Mutige in die Badeseen. Dafür, dass sich Schwimmer möglichst keine Infektionen holen, sorgt seit über 30 Jahren die europäische Badegewässerrichtlinie. Diese enthält eine Reihe von Parametern, nach denen die Qualität der Badegewässer überprüft wird. Dabei sind vor allem die mikrobiologischen Verunreinigungen der Gewässer durch Bakterien von Bedeutung, die unter anderem zu Durchfall und Erbrechen führen können.

Die meisten Flüsse und Seen sind EU-konform

Ein kleines Mädchen im Dümmer bei Lembruch in Westdeutschland (Quelle: AP)

Ein kleines Mädchen im Dümmer bei Lembruch in Westdeutschland

Jedes EU-Mitgliedsland sendet jährlich einen entsprechenden Bericht an die Europäische Kommission, die die Ergebnisse dann im so genannten Badegewässeratlas zusammenfasst. Dabei wird zwischen Mindeststandards, den so genannten zwingenden Werten und strengeren Leitwerten unterschieden, bei denen noch weitere Messwerte einfließen.

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas zeigte sich insgesamt zufrieden mit den Ergebnissen aus dem Jahr 2007. 95 Prozent der Küstengewässer sowie 86 Prozent der Bäder in Flüssen und Seen weisen eine den EU-Mindeststandards entsprechende Qualität auf. "2007 war die Qualität des Badegewässers in der EU insgesamt nach wie vor sehr hoch, aber nicht ganz so gut wie 2006. Wir haben einen leichten Qualitätsrückgang festgestellt."

Schlechte Noten für Polen, Belgien, Lettland und Großbritannien

Klippensspringen im englischen Seebad Brighton (Quelle: AP)

Brighton: Im englischen Seebad springen Jugendliche die Klippen hinunter

2007 wurden insgesamt über 21.000 Badegewässer überprüft. Rund 2 Prozent der Küsten- und 5,5 Prozent der Binnenbadegewässer entsprachen nicht den zwingenden Werten der EU und für sie galt während der gesamten Badesaison ein Badeverbot. Polen verzeichnet mit 14 Prozent den höchsten Anteil an nicht konformen Binnenbadegewässern, während in Litauen alle Badegewässer die von der EU vorgeschriebenen Mindestkriterien erfüllten.

Schlechte Noten für Küstenbadegewässer gab es vor allem für Belgien, wo nur 50 Prozent der Seebäder den Normen entsprachen, sowie für Polen und Lettland. Die strengeren Leitlinien erfüllten fast alle Badegewässer an der portugiesischen Atlantikküste, während in Großbritannien fast ein Viertel der Küstenbäder diese Kriterien nicht erfüllten. "Was Großbritannien betrifft, so bin ich ebenfalls ein wenig besorgt", erklärte Umweltkommissar Dimas. "Wir werden sehen, was unsere Gespräche mit der britischen Regierung ergeben."

Deutschland ist dreckiger geworden

Verkehrsschild (Quelle: DW/M.Neliobin)

So hält Nordrhein-Westfalen seine Teiche sauber

Auch die deutschen Strände an Nord- und Ostsee waren im vergangenen Jahr schmutziger als 2006. Kontrolleure beanstandeten die Wasserqualität an 20 von 350 deutschen Meeresstränden. Das entspricht knapp über 5 Prozent. Im Jahr zuvor waren es nach Angaben der EU-Kommission nur knapp über einem Prozent. Bei den über 1500 Badestellen an deutschen Binnengewässern erreichten über 4 Prozent nicht den EU-Standard.

1976 wurde erstmals eine Richtlinie von den EU-Mitgliedstaaten verabschiedet, die die Überprüfung von Badegewässern vorschreibt. Seitdem hat sich die Qualität der europäischen Badeseen deutlich verbessert. Doch es gab immer noch einige Kritikpunkte an den Überprüfungsmethoden: So wurden beispielsweise die mikrobiologischen Proben nur alle 14 Tage untersucht. Außerdem hat jedes Land seine eigenen Untersuchungsmethoden angewendet, so dass es kaum Vergleichsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Ländern gab. Daher wurde 2006 eine neue Richtlinie erlassen, die auch neuen Untersuchungsmethoden und den veränderten Umweltbedingungen Rechnung trägt. Bis März dieses Jahres mussten die Länder diese Vorgaben in Nationales Recht übernehmen.

Dreckige Gewässer werden oft einfach umdeklariert

Ein Problem bleibt nach wie vor die Praxis, zu schmutzige Seen oder Küstenabschnitte einfach von der Liste der überprüften Badegewässer zu streichen. "Manchmal ist es notwendig, ein Badegewässer von der Liste zu streichen, weil es nicht den erforderlichen Qualitätsstandards entspricht", sagt Umweltkommissar Dimas. "Aber natürlich muss dieses Gewässer dann genau überprüft und gereinigt werden, so dass es nach einer gewissen Weile wieder von Schwimmern genutzt werden kann."

Die Brüsseler Behörde hat deshalb Verfahren gegen elf EU-Staaten eingeleitet, die diese Streichpraxis am stärksten ausgenutzt haben, darunter gegen Deutschland. Das grundsätzliche Ziel der neuen Badewasserqualitätsverordnung ist die Erstellung eines so genannten Badegewässerprofils: Dieses soll neben der geographischen und hydrologischen Beschreibung des entsprechenden Gewässers auch eine Aufstellung über mögliche Verschmutzungsquellen sowie über entsprechende Maßnahmen zu deren Beseitigung enthalten. Aus diesen Kriterien wird dann eine generelle Einstufung des Gewässers vorgenommen. Doch die liegt erst ab 2015 vor.

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