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Europa

Europas Bürger zeigen Sinn für Solidarität

Mehr als die Hälfte der Deutschen und anderer Europäer glauben, dass man in schwierigen Zeiten zusammenarbeiten muss. Sie sind auch überzeugt, dass Menschen in europäischen Krisenländern zu Unrecht leiden müssen.

Trotz der unterschiedlichen Herausforderungen, vor denen die einzelnen europäischen Staaten stehen, sprechen sich zwei Drittel der Europäer für ein solidarisches Europa aus. Auch halten sie es für erforderlich, die Wirtschaftskrise durch eine Zusammenarbeit aller zu bekämpfen. Diese Ansicht vertreten auch 57 Prozent der Deutschen. 70 Prozent der deutschen Bevölkerung sind der Meinung, dass die einfachen Bürger in Ländern wie Griechenland unverschuldet unter den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise leiden.

Zu diesen Ergebnissen gelangt eine Studie der Open Society Foundations, einer Gruppe von Stiftungen des amerikanischen Investors George Soros, die sich laut eigenen Angaben für "faire und offene Zivilgesellschaften einsetzt". Die Befragungen wurden an den Tagen geführt, als die Zypernkrise eskalierte.

Deutsche bilden keine Ausnahme

Jordi Vaquer, Direktor der Open Society Initiative for Europe (Foto: Open Society Foundations)

Jordi Vaquer: Direktor der "Open Society Initiative for Europe"

Befragt wurden zeitgleich Bürger in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien. Bemerkenswert sei, so der Direktor für die Open Society Initiativen in der Europäischen Union, der Spanier Jordi Vaquer, wie ähnlich die Menschen in den einzelnen Staaten dächten. "Die allgemeinen Trends weichen nicht voneinander ab, obwohl im Fall Spaniens beispielsweise der Ruf nach Solidarität stärker ist als in Deutschland." Generell kann man sagen, dass in den Staaten Südeuropas, die mehr unter Krise leiden, Solidarität massiver gefordert wird als in Staaten wie Deutschland und Großbritannien. "Aber das ist kein Gegensatz, nur die Prozentsätze liegen hier niedriger", betont Vaquer.

In keiner einzelnen Frage der Studie weichen die Antworten der Deutschen von denen der Bürger der anderen europäischen Staaten ab. Das gilt auch für die zentralen Ergebnisse: "Zum einen wird der derzeitige Ansatz [zur Lösung der Krise] nicht als seriös sondern als kontraproduktiv gesehen. Ein zweites wichtiges Ergebnis zeigt, dass unter den Befragten mehr Bereitschaft zur Solidarität vorhanden ist, als sich im Handeln der Regierungen ausdrückt. Und das dritte Ergebnis ist, dass es einen starken Sinn für Solidarität gibt, aber man könnte auch sagen, für gegenseitige Abhängigkeit. Also dafür, dass es sich um gemeinsame und nicht um individuelle Probleme handelt“, fasst Vaquer die Ergebnisse zusammen.

Aus diesem Gefühl heraus folgern 67 Prozent der Befragten, dass die Bekämpfung wirtschaftlicher und sozialer Probleme das Anliegen aller EU-Staaten sein sollte. In diesem Punkt vertreten nur die Briten eine abweichende Haltung: 64 Prozent sind der Meinung, jeder Staat sollte sich um seine eigenen Probleme kümmern. Allerdings zeigt sich nur in diesem Punkt ein deutlicher Unterschied in der Auffassung.

Politiker fernab der Probleme der Menschen

Das Logo der Open Society Foundations (Foto: wikipedia)

Das Logo der "Open Society Foundations"

Die Wirtschafts- und Finanzkrise ruft auch Ängste hervor. Fast drei Viertel der Befragten befürchten, dass niedrigere Löhne und steigende Preise zu Armut führen. Darüber hinaus haben sie Angst vor einem europaweiten Anstieg der Arbeitslosigkeit und davor, dass junge Menschen weniger Chancen haben und sich die Situation alter und kranker Menschen verschlechtert. Angenommen wird auch eine Zunahme der Streitigkeiten und Spannungen zwischen den europäischen Staaten. 85 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass die europäische Einheit und Solidarität in Folge der Wirtschaftskrise ernstlich, beziehungsweise dauerhaft, beschädigt worden ist.

Dafür verantwortlich seien die Politiker, meint Jordi Vaquer: "Das Problem besteht nicht darin, dass die europäischen Bürger den Sinn für Solidarität verloren haben - obwohl dieser Gedanke unter Druck geraten ist. Wir alle haben den Eindruck, dass das politische Krisenmanagement nicht den starken Bindungen folgt, die die Europäer immer noch füreinander empfinden.“ Das belegen auch die Zahlen der Umfrage: 92 Prozent der Franzosen, Deutschen, Spanier, Italiener und Briten glauben, dass die Politiker in Europa den Bezug zu den Sorgen der Menschen im Zuge der Finanzkrise verloren haben.

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