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Europa

Europas alte und neue Suchtprobleme

Mehr als 70.000 Europäer sind in diesem Jahrtausend schon an einer Überdosis gestorben. Neue Drogenberichte zeigen, dass die Lage zunehmend unübersichtlich wird, denn neben Klassikern etablieren sich neue Drogen.

Die Droge Crystal Meth (Foto: dpa)

Droge Crystal Meth

85 Millionen Menschen in Europa haben schon einmal illegale Drogen genommen, der Konsum von Rauschmitteln liegt in Europa immer noch auf einem historisch hohen Stand. EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström zeigte sich nach der Veröffentlichung des Europäischen Drogenberichts "sowohl zuversichtlich als auch besorgt".

Cecilia Malmström (Foto: dpa)

Warnt vor synthetischen Drogen: EU-Kommissarin Cecilia Malmström

Einige positive Trends gebe es schon, in einigen Ländern gingen Heroin-, Cannabis- und Kokain-Konsum offenbar etwas zurück. Aber allein im vergangenen Jahr wurden über 70 neue Drogen nachgewiesen, darauf müsse sich die EU einstellen.

Heroin, Meth und neue Drogen

"Die klassischen, auf Pflanzen basierenden Drogen sind immer noch da", sagte der Münchner Drogenexperte Tim Pfeiffer-Gerschel im DW-Interview. Diese Substanzen seien nach wie vor das größte Problem, allen voran Heroin, das die meisten gesundheitliche Probleme verursache. Aber der europäische Drogenmarkt scheine sich momentan zu verändern: "Es tauchen zunehmend mehr Substanzen auf, der Markt wird unübersichtlicher, dynamischer und flexibler."

Zum Beispiel der Konsum von Crystal Meth - einem schnell wirkenden synthetischen Aufputschmittel, das schnell abhängig macht - war dem EU-Bericht zufolge lange Zeit "traditionell niedrig" und auf die Tschechische Republik und die Slowakei beschränkt. Aber jetzt scheint sich der Konsum auszuweiten. Neben Süd- und Ost-Deutschland werden hier Griechenland, Zypern und auch die Türkei genannt.

Ein anderer neuer Trend ist, bereits bekannte Stoffe chemisch nachzuahmen, das passiert verstärkt mit Cannabis. Aber - mahnt Roland Simon von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht - oft seien diese neuen Drogen sehr viel wirksamer und gleichzeitig schlechter nachweisbar: "Mit den Standardverfahren, die zum Beispiel bei der Verkehrsüberwachung eingesetzt werden, sind sie nur schlecht oder gar nicht auffindbar." Das animiere zum Beispiel Cannabis-Konsumenten dazu, auf die neuen Drogen umzusteigen.

Konkurrenz für Klassiker

Ein Päckchen einer neuen synthetischen Droge mit dem Namen 'Badesalz' (Foto: picture alliance)

"Badesalz" - der harmlose Name für diese neue synthetische Drogen täuscht

Viele Daten zu den neuen Stoffen gibt es noch nicht, gibt Simon zu: "Wir wissen noch nicht wirklich viel darüber, wie verbreitet diese Substanzen in der Bevölkerung sind." Aber einige Umfragen deuteten darauf hin, dass sie an vielen Stellen den klassischen Drogen Marktanteile wegnehmen. "Viele Leute, die diese Substanzen konsumieren, haben vorher andere Substanzen genommen."

"Die gesundheitlichen Gefahren, die von diesen Drogen ausgehen, sind an vielen Stellen noch ungeklärt", sagt Tim Pfeiffer-Gerschel von der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. Wenn chemische Zusammensetzungen immer wieder verändert würden, könne man mögliche Nebenwirkungen kaum vorhersagen.

Personalisierte Aufklärungskampagnen

Die Strategie der EU gegen diese neue Herausforderung ist Pfeiffer-Gerschel zufolge noch nicht ganz klar: "An einigen Stellen fehlt da noch ein abgestimmtes Vorgehen." Es sei schwer zu sagen, wann eine solche Droge nur ein kurzer Trend sei, und wann sie zu einem europaweiten Problem werden könne.

EU-Experte Roland Simon betont, dass im Kampf gegen die Drogen vor allem auf personalisierte Prävention gesetzt werden müsse. "Kampagnen, die nur Informationen vermitteln, erreichen zwar viele Menschen, sie sind nachweislich aber nicht sehr effizient." Vor allem junge Europäer müssten viel persönlicher an das Thema herangeführt werden. Simon baut hier auch auf Schulkampagnen, die schon beim Thema Rauchen gute Erfolge gezeigt hätten.

Deutsche Drogenzahlen

Bestätigung bekommt er von der deutschen Regierung, die an diesem Mittwoch (29.05.2013) einen eigenen Drogen- und Suchtbericht vorgelegt hat. Er schließt auch legale Drogen mit ein.

Rauchende Jugendliche (Foto: AP)

Rauchende Jugendliche - in Deutschland mittlerweile eher selten anzutreffen

Dem Bericht zufolge rauchen jetzt nur noch halb so viele Jugendliche wie vor knapp zehn Jahren in Deutschland, nämlich rund zwölf Prozent. Gleichzeitig habe sich auch der Cannabiskonsum halbiert, auf jetzt rund fünf Prozent bei den 12- bis 17-jährigen Deutschen. Allerdings wurden wieder mehr Jugendliche wegen Alkoholvergiftungen in Krankenhäuser eingewiesen.

Im Vergleich zu den USA seien Deutschland und Europa aber in einer günstigeren Situation, meint EU-Fachmann Roland Simon. Einige Probleme von dort hätten Europa noch nicht erreicht. "Relativ problematisch sind opiathaltige Medikamente, die massiv missbraucht werden und die zu großen Zahlen von Todesfällen führen." Davon sei man in Europa noch weit entfernt.

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