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Migration und Gewalt

Europarat: Viele Flüchtlingskinder sexuell missbraucht

Niemand bestreite, dass viele Minderjährige während oder nach ihrer Flucht Opfer sexueller Gewalt würden, so der Europarat. Doch die offiziellen Zahlen seien "lächerlich niedrig". Sie verschleierten das Problem.

Deutschland unbegleitete minderjährige Ausländer in Karlsruhe (picture-alliance/dpa/U. Deck)

Unbegleitete Minderjährige in einem Jugendhilfezentrum in Karlsruhe (Archivbild)

Der Europarat hat seine Mitgliedstaaten aufgefordert, energischer gegen sexuelle Ausbeutung unbegleiteter Flüchtlingskinder vorzugehen. Minderjährige sollten nicht gemeinsam mit Erwachsenen in Lagern, Kasernen oder Sporthallen untergebracht werden, sondern in Pflegefamilien oder speziellen Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, heißt es in einem in Straßburg veröffentlichten Bericht.

Für die Untersuchung wurden 41 europäische Staaten befragt. Mit Ausnahme der Türkei und Belgiens habe kein Land präzise Zahlen genannt, erklärte Europarats-Vertreter Mikaël Poutiers. "Sie sagen, wir wissen es nicht." Das liege auch daran, dass betroffene Kinder nicht über einen potenziellen Missbrauch reden wollten.

Fast 90.000 unbegleitete Kinder

In Deutschland wird der Aufenthaltsstatus von minderjährigen Opfern sexueller Gewalt seit 2016 erfasst. Mitte 2017 sollen laut Bundesregierung erste Zahlen vorliegen. Der Europarat geht davon aus, dass 2015 mindestens 337.000 Kinder in Europa Asyl beantragten, davon waren 88.300 unbegleitet.

Dem Bericht zufolge handelt es sich bei den Tätern oft um Schlepper, die Jugendlichen Arbeit versprechen, sie dann aber zur Prostitution zwingen. In Italien etwa seien zahlreiche junge Mädchen aus Afrika von ihren Schleusern an Zuhälterringe übergeben worden. Mehrere Länder hätten zudem Übergriffe von Mitarbeitern in Aufnahmelagern gemeldet. Die Betreiber solcher Einrichtungen müssten ihr Personal daher sorgfältig überprüfen.

Tausende sind spurlos verschwunden

Als besonders alarmierend nennen die Autoren des Berichts die hohe Zahl von minderjährigen Flüchtlingen, die nach einer ersten Registrierung spurlos verschwanden. Die europäische Polizeibehörde Europol hatte Anfang vergangenen Jahres von mehr als 10.000 unbegleiteten Flüchtlingskindern gesprochen, deren Verbleib unbekannt sei. Europol zufolge ist zu befürchten, dass ein Teil von ihnen in die Fänge von Menschenhändlern geriet.

jj/wl (dpa, afp)