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Satire

#everysecondcounts: Europas Satiriker buhlen um Trump

Europäische Satiriker bewerben sich im Namen ihrer Regierungen mit knackigen Webvideos bei Donald Trump und erklären, warum ihre Länder nach "America first" den zweiten Platz verdient hätten. They are great, it's true!

Es begann mit dem Webvideo der holländischen Satire-Show "Zondag met Lubach". Genauer gesagt: mit dem Bewerbungsvideo. Man habe das ja jetzt verstanden mit dem "America first", aber könne "Holland dann nicht an zweiter Stelle kommen?", fragte sich der Moderator. Es folgte ein Webvideo, das in Trump'scher Manier erklärte, warum die Niederlande das großartigste europäische Land seien.

Das Original: Viraler Hit made in Holland

Holland habe den zweiten Platz verdient, schließlich habe es einen Ponyreiterhof, "it's fantastic". Anstatt der Trump Towers gebe es immerhin den Schlagersänger Lee Towers ("gotta love him") und nicht zu vergessen: den Afsluitdijk, eine große, große Mauer, um die Holländer vor all dem Wasser aus Mexiko zu schützen: "It's great!" Dabei wird mit der Trump'schen Rhetorik kunstvoll gespielt, sein strategisches Repertoire wird bloßgestellt und auf die Spitze getrieben: Beleidigungen, unsachgemäße Überhöhung, Behauptungen, Übertreibungen und Abqualifizierungen.

Das alles in einfacher Sprache serviert und stets mit einem kurzen bewertenden Nachsatz garniert: "It´s true." Dabei werden alle problematischen Themen angesprochen, die Trump vorgeworfen werden: von Rassismus und Herabqualifizierung von Menschen mit Behinderung bis zu Sexismus und Steuerflucht.

Auf YouTube wurde das Video mittlerweile nicht nur millionenfach geklickt, es macht nun auch unter dem Hashtag #everysecondcounts Schule: Elf Late-Night-Shows haben sich zusammengeschlossen und veröffentlichen die Videos - jeweils nach der TV-Ausstrahlung - über die gemeinsamen Webseite www.everysecondcounts.eu. Außerdem gibt es den gemeinsamen Twitter-Account @itsgreateu.

Bewerbung: Schweiz

Die sonst so neutrale Schweiz zeigt im Rennen um den zweiten Platz Haare auf den Zähnen und präsentiert schlagkräftige Argumente: Auch die Schweiz habe ihre Frauen immer gerne schlecht behandelt, das Frauenstimmrecht sei in manchen Regionen ja erst 1990 eingeführt worden. Sie habe ihre Bürgerrechte begrabscht und "they let us do it, it was great". Die Schweiz sei sicher, dass keine Mexikaner dort seien - "it's terrific." Und die EU? "We hate it too." Außerdem preist der Film die Schweizer Kultur: St. Moritz, DJ Bobo und Dada: "It makes no sense. You'll love it." Und da Trump ja Obamacare loswerden wolle, empfehle sich die Sterbehilfe-Organisation "Exit": "You should try it sometime, it's fantastic." Die Schweizer SRF-Sendung "Deville Late Night" hat sich um das Video verdient gemacht.

Bewerbung: Deutschland

Auch der deutsche Satiriker Jan Böhmermann hat seinen Hut in den Ring geworfen. Schließlich könne sich die deutsche Bilanz durchaus sehen lassen, wie das Bewerbungsvideo zeigt: Eine großartige Geschichte, ein großartiger Führer ("he made Germany great again") und zwei Weltkriege, die Deutschland alle gewonnen habe. Wer etwas anderes behauptet, ist "fake news". Und für die Mauer hätten hier die Russen bezahlt.

Die Kombination aus dem Bloßstellen nationaler Schwächen und Peinlichkeiten - konsequent im rhetorischen Stil des neuen US-Präsidenten - hat auch in den Fortsetzungen Unterhaltungswert. Mittlerweile sind auch Litauen, Portugal und Dänemark mit ihren Bewerbungen online. Weitere Bewerber bzw. Late-Night-Shows sind aufgefordert, mitzumachen. Ob die EU als Ganzes ihre Bewerbung wohl auch noch einreicht? Wir sind gespannt.

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