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Kultur

Europa streitet, Spanien pflanzt

Nirgendwo in Europa wird soviel gentechnisch veränderter Mais angebaut wie in Spanien. Die Proteste halten sich in Grenzen.

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Natur oder BT-176?

Der Umgang mit der Gentechnik in der Landwirtschaft ist in der Europäischen Union ein heißes Eisen. Die rot-grüne deutsche Bundesregierung gilt nicht gerade als Freund der grünen Gentechnik. Das geplante Gentechnik-Gesetz sei für Hersteller und Anwender nicht akzeptabel, so deren Lobbyverband. Während in Deutschland noch über den richtigen Umgang mit der Gentechnik gestritten wird, ist Spanien schon einen Schritt weiter. Nirgendwo in Europa wird soviel gentechnisch veränderter Mais angebaut und kommerziell genutzt - insgesamt 32.000 Hektar.

BT-176 gegen weiße Raupen

Man sieht es ihm nicht an - aber dieser Mais ist nicht normal: Er heißt BT-176 und ist gen-technisch verändert. Dadurch ist er resistent gegen Schädlinge, vor allem gegen so genannte Maiszünsler - fette weiße Raupen, die katalanischen Bauern den Angstschweiß auf die Stirn treiben, weil sie sich regelmäßig durch die Felder nagen und Ernteausfälle produzieren. Wenn sich im Herbst in Katalonien nur noch wenige konventionelle Maispflanzen aufrecht halten können, dann steht BT-176 immer noch - gelbe Kolben mit ordentliche Körnern: Das gefällt nicht nur Jesus Ribera vom spanischen Jungbauern-Verband: "Wir spanischen Bauern haben mit dem Gen-Mais sehr gute Erfahrungen gemacht: Mit einem Minimum an Pestiziden haben wir die Schädlinge unter Kontrolle. Das ist gut für die Umwelt und gut für die Bauern, weil es keine Ernteausfälle mehr gibt."

Deswegen spielen die Bauern gerne Versuchskaninchen für die Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut: Auf einer Fläche so groß wie 60-tausend Fußballfelder baut Spanien Gen-Mais an - Auflagen macht das Agrarministerium keine, zu Risiken und Nebenwirkungen müssen die Bauern nur die Beipackzettel ihres Saatgutlieferanten lesen. Da ist zwar von bestimmten Vorsichtsmaßnahmen die Rede - aber damit nimmt es der Gen-Landwirt nicht so genau: Schließlich bringt der veränderte Mais mehr Ertrag, und die Futtermittel-Hersteller zahlen freiwillig noch was drauf - da denken viele Bauern nicht lange nach. Sollten sie aber, findet Luis Bayon vom Kommitee Ökologische Landwirtschaft in Madrid: "Wenn sich einer bewusst entscheidet, Gen-Mais auszusäen, dann wissen wir, wer das wo macht - und haben nichts dagegen. Aber es ist was anderes, wenn einer meint, konventionellen Mais zu säen und in Wahrheit sind gentechnisch veränderte Samen dabei."

Wenn der Wind weht

Denn bis jetzt weiß keiner, was passiert, wenn der Wind gentechnisch veränderte Maispollen über einem konventionellen Feld ablädt. Die Universität in Barcelona untersucht jetzt im Auftrag der Regierung die möglichen Folgen eines Gentransfers - Ergebnisse gibt es aber noch nicht. Nur Berichte über Zwischenfälle: 2001 konnten Biobauern in der nordspanischen Region Navarra ihren Mais nicht mehr unter dem Label "Öko" verkaufen, weil sich gentechnisch verändertes Material auf den Acker verirrt hatte - die Schuld- und Entschädigungsfrage ist bis heute ungeklärt.

Trotzdem hat die Regierung in Madrid im letzten Jahr fünf neue Gen-Mais-Sorten zugelassen. Protest gegen diese Politik kommt fast ausschließlich von den üblichen Verdächtigen - mal ein Statement von Greenpeace, ab und zu auch ein zerstörtes Gen-Mais-Feld. Auch wenn viele spanische Lebensmittel-Konzerne eine "Null Gentechnik"-Philosophie haben: Die Bedenken von Umweltschützern und konventionellen Bauern werden einfach untergepflügt - zum Beispiel vom Jungbauern Jesus Ribera: "Die Konventionellen wollen doch keinerlei Vermischung erlauben, damit ihre Ernte absolut rein ist. Deswegen haben sie jetzt ein Problem. Es ist doch in der Landwirtschaft wie im Leben: Absolute Reinheit ist nicht zu kriegen."

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