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EU-Parlament

Bernd Riegert17. Dezember 2006

Im Januar wird Hans-Gert Pöttering Präsident des Europäischen Parlaments. Er kennt Brüssel aus der Westentasche, liebt klassische Musik und ist Mitglied im Schützenverein. Für "sein Europa" kämpft er seit der Schulzeit.

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Hans-Gert Pöttering wird im Januar Präsident des Europäischen Parlaments in Brüssel (EPA)
Wichtiger Mann in BrüsselBild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Seit 1979 sitzt Hans-Gert Pöttering im Europäischen Parlament. Der langjährige Vorsitzende der Konservativen ist politisches Urgestein in Brüssel. Im Januar wird er die Krönung seiner politischen Laufbahn erleben, wenn ihn das Parlament zu seinem Präsidenten wählt. Der 61-jährige Jurist kennt die Abläufe in Brüssel wie kaum ein Zweiter und ist enger Vertrauter der künftigen EU-Ratspräsidentin Angela Merkel, der deutschen Bundeskanzlerin.

Pöttering liebt klassische, aber auch moderne Musik, je nach Laune und Tageszeit. "Musik ist ja ein wichtigster Teil unserer Kultur", sagt er. Das Hören von Musik sei immer auch Bereicherung und Ermutigung dafür, was man im Leben tut. Gerne darf es Johann Sebastian Bach sein, manchmal aber auch die Schützenkapelle von Bad Iburg, wo der bodenständige Niedersachse immer noch Mitglied im Schützenverein ist.

"Europa beginnt da, wo wir zuhause sind, in meinem Fall in Bad Iburg im Landkreis Osnabrück", sagt Pöttering. Er fühle sich seinem Geburtsort Bersenbrück sehr verbunden - als Niedersache, Deutscher und Europäer. Für ihn gehört dies alles zusammen.

Familienbande

Seit 27 Jahren pendelt er zwischen seiner Heimat und Europa hin und her, was eine ziemliche Belastung für die Familie ist. Aber er freut sich darüber, dass auch seine beiden Söhne politisch engagiert sind. Sohn Johannes ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Union Deutschland. Sein anderer Sohn Benedikt ist Kreisvorsitzender der Jungen Union im Landkreis Osnabrück und Schatzmeister der Jungen Union in Niedersachen. So abschreckend kann sein Beispiel also nicht gewesen sein.

Im Büro des gläubigen Katholiken steht ein Foto von seinen beiden Söhnen bei Papst Johannes Paul. Es verrät etwas über Pötterings politisches Selbstverständnis: "Meine politische Arbeit wird durch meine Überzeugung des christlichen Menschenbildes getragen.“ Der Mensch habe Verantwortung für sich selbst, aber auch für die Gemeinschaft. Darin liege auch das Prinzip der Solidarität und Subsidiarität, mit der auch die europäische Einigung verwirklicht werden solle. Ohne eine Wertebasis, glaubt er, kann politische Arbeit nicht geleistet werden.

Ein Leben für Europa

Für "sein Europa" kämpft Pöttering seit seiner Schulzeit, damals inspiriert von Bundeskanzler Konrad Adenauer. Er ist seit seinen Jugendjahren immer überzeugt gewesen, dass die europäische Einigung nötig ist. Dafür ist er in jungen Jahren auch mal belächelt worden, weil viele nicht daran glaubten, dass Europa so verwirklicht werden würde, wie es heute der Fall ist. Am Ziel sei man deswegen noch lange nicht, sagt Pöttering.

Ein Ziel ist für ihn aber in Brüssel erreicht. Nationale Grenzen verschwimmen, Deutscher zu sein spielt keine Rolle mehr. "Meistens geht es in der europäischen Politik um politische Überzeugungen, und die sind doch unabhängig davon, aus welchem Land man kommt." Um nationale Interessen gehe es im Europäischen Parlament nur ausnahmsweise.

Mit der deutschen EU-Ratspräsidentin, Bundeskanzlerin Merkel, will sich Pöttering im neuen Amt als Parlamentspräsident vor allem für die Lösung der Verfassungskrise einsetzen. Denn Deutschland habe ein besonderes Interesse daran, dass der Verfassungsvertrag in seiner Substanz verwirklicht wird, die Reformen der EU als notwendig erachtet und die Werte, die man dort beschrieben habe, umgesetzt werden.

Tanzt Europa, die blaue Flagge mit den zwölf goldenen Sternen, Pöttering nun ständig durch den Kopf? "Natürlich denke ich nicht immer an Europa, aber Europa ist sozusagen Teil der eigenen Person." Zwischen Weihnachten und Neujahr will er noch einmal richtig Ski laufen, um körperlich und geistig fit für die Aufgaben zu sein, die dann als Präsident auf ihn zukommen.