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Investitionen

Europa-Park: Mehr als Geisterbahn fahren

Die Unternehmerfamilie Mack leitet seit Jahren erfolgreich den Europa-Park Rust und entwickelt selbst Achterbahnen. Aber es kommen neue Herausforderungen auf sie zu, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Bisher konnten Schulklassen und Familien im Europa-Park Rust Achterbahn fahren, Geisterbahn fahren, Zuckerwatte essen. Seit Kurzem gibt es sogar auch die Möglichkeit, mit einer VR-Brille in die Achterbahn zu steigen. Eine Entwicklung, die die jüngere Generation der Unternehmerfamilie Mack angeschoben hat. Ein Projekt aus der Zeit des Familienvaters und Parkmitbegründers Roland Mack ist ein neuer Wasserpark. Auf einer Fläche von 63 Fußballfeldern soll es 20 Wasserrutschen, verschiedene Pools und Wildwasserelemente geben. In zwei Jahren möchte die Familie den Park eröffnen. Heute wird der Grundstein gelegt. Ein Gespräch mit Roland Mack über alte und neue Herausforderungen.

 

DW: Sie wollen einen Wasserpark bauen und investieren 150 Millionen Euro. Wieso ist das der richtige Zeitpunkt für so ein Investment?

Roland Mack: Wir haben vor 20 Jahren angefangen, die Idee zu platzieren und die ersten Gespräche zu führen. Dann hat es tatsächlich all die Jahre gedauert, bis aus der ersten Idee ein Produkt mit einer Baugenehmigung wurde. Rein rechtlich war es also vorher nicht möglich. Außerdem ist unser Park in den letzten Jahren größer und wichtiger geworden, wir haben mehr Besucher als früher. Gerade im Übernachtungsbereich haben wir neue Angebote entwickelt. Inzwischen sind wir mehr als ein Ausflugsziel für einen Tag. Und vor allem: wir werden durch den Wasserpark ganzjährig nutzbar, weil er hauptsächlich Indoor ist.

Warum gerade Wasser?

Wir haben unsere Gäste gefragt, was sie sich wünschen würden. Da war das Thema Wasserpark an erster Stelle. Weit vor Zoo oder Science-Park. Die Präferenz hat sich über Jahre stabil gehalten.

Sie sind ein Familienunternehmen und mussten schon auf eine Mediatorin zurückgreifen. Waren Sie sich mit Ihren Kindern einig, was das neue Projekt angeht?

Das ist die größte Investitionsmaßnahme zu einem Zeitpunkt in der Geschichte unseres Parks. So ein Projekt könnten wir ohne Einvernehmen in der Familie gar nicht angehen.

Welche Herausforderungen sehen Sie als Unternehmer in der Zukunft?

Für ein Familienunternehmen ist das natürlich generell eine Herausforderung, in dieser Branche aktiv zu sein. Alles, was wir bauen und umsetzen hat enormen Kapitalbedarf. Das ist jetzt auch bei dem zweiten Park so - übrigens der erste Park, der seit langem in Deutschland gebaut wird. Wir müssen dafür also erstmal Kapital beschaffen. Und dann die Mitarbeiter. Wir sind nicht in der Nähe einer Großstadt und der öffentliche Nahverkehr ist schlecht ausgebaut. Außerdem sind wir ja nicht nur Parkbetreiber sondern auch Hersteller. Da sind wir gezwungen, immer wieder innovativ zu sein und neue Wege zu gehen.

Der Name Ihres Parks sagt es schon: Sie sind ein internationales Unternehmen. Wie viele Ihrer Beschäftigten kommen aus dem Ausland?

Wir haben viele Mitarbeiter aus Frankreich. Dann gibt es etwa 300 internationale Künstler, aus Brasilien, Osteuropa, USA und Australien. Und dieses Jahr haben wir ein internationales Studentenprogramm, wo wir internationale Studierende einladen, bei uns zu wohnen, zu arbeiten und Deutsch zu lernen. Das kommt sehr gut an.

Sie haben VR-Brillen in ihren Achterbahnfahrten eingeführt, gerade hatte ihr erster Animationsspielfilm Premiere, dagegen ist die Idee eines Wasserparks ziemlich konservativ, fast schon rückschrittlich, oder?

Der neue Wasserpark soll die Fortsetzung des Europaparks sein. Das ist eine völlig neue Kombination zwischen Freizeitpark und Wasserpark. Die Kunden können sich aussuchen, wohin sie gehen wollen. Sie können frei zwischen Wasserpark und Freizeitpark wählen. Und die VR-Brillen wollen wir auch im Wasserpark einsetzen. Wir sind dabei, wasserdichte VR-Brillen zu entwickeln. Insofern setzen wir die Innovationen aus dem Freizeitpark in dem Wasserpark fort.

Ihr Sohn hat den animierten Spielfilm Happy Family entwickelt und will es jetzt mit Disney aufnehmen. Mit wem konkurrieren Sie eigentlich bisher?

Je mehr wir zur Destination werden, desto mehr konkurrieren wir mit dem Mittelmeerraum. Die Menschen entscheiden sich womöglich, ob sie zu uns fahren oder einen Billigflieger nach Spanien nehmen. Alles, was in der Freizeit Zeit und Geld kostet, ist für uns eigentlich Konkurrenz. Ich sehe den Wettbewerb also nicht so sehr bei Disneyland und mehr bei anderen Freizeitangeboten generell.

 

Roland Mack ist Diplomingenieur für Maschinenbau und geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Parks in Rust. Außerdem ist er Gesellschafter der Mack Rides GmbH und Gründungsmitglied des Verbandes Deutscher Freizeitparks und Freizeitunternehmen. 

Die Fragen stellte Pia Rauschenberger.