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Politik

Europa muss Afrika nicht vor China schützen

Auf seiner dritten Afrika-Reise war Chinas Präsident Hu Jintao bemüht, noch engere politische und wirtschaftliche Verbindungen zu knüpfen. China nutzt die Chancen, die Europa verpasst, meint Ute Schaeffer.

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Europa macht es sich mal wieder einfach. Mit Blick auf die Reise sprechen die Gutmenschen in Brüssel und Berlin gerne von einem neuen Kolonialismus, mit dem China den afrikanischen Kontinent bedrohe. Diese Sicht geht an der Realität vorbei, und sie sagt zugleich viel aus über die Gründe, warum China in Afrika die Nase vorn hat - und nicht Europa.

Chinas Erfolge verweisen vor allem auf eines: auf die vielen Chancen, die Europa in Afrika verpasst hat. Eine Billion Dollar sind seit den 1950er Jahren in die Entwicklungsstaaten geflossen - und doch werden die Armen in Subsahara-Afrika immer ärmer. Nach dem Ende des Kalten Krieges brach das politische Interesse an Afrika ab, Europa beschäftigte sich mit der eigenen Integration, die europäische Außen- und auch Entwicklungspolitik zielte auf die Nachbarn in Ost- und Südosteuropa.

Europäer reden - China handelt

Handelspolitik mit dem schwarzen Kontinent - Fehlanzeige! Klare finanzielle, politische Unterstützung für die afrikanischen Reformstaaten - nichts da! Die Europäer reden viel und tun zu wenig - so denken viele Afrikaner. China hingegen handelt: Es baut Krankenhäuser, Brücken, Häfen, Straßen, bietet billige Impfprogramme gegen Malaria und andere Krankheiten. Mit mühsamen Wertediskussionen, denen oft nicht einmal praktischer Nutzen folgt, quält China die afrikanischen Partner nicht. Es macht den Afrikanern den Hof, wie zuletzt beim großen Afrikagipfel in Peking im November 2006. Von keinem anderen Akteur wird Afrika so ernst genommen wie von China.

Das liegt auch daran, dass China und Afrika ähnliche Interessen haben - politisch wie wirtschaftlich. So hat sich Hu Jintao dafür ausgesprochen, dass Afrika in den Vereinten Nationen besser repräsentiert ist. So ziehen sowohl China wie die afrikanischen Staaten an einem Strang, wenn es darum geht, den eigenen Produkten Zugang zu den europäischen Märkten zu verschaffen. Von dieser Süd-Ost-Allianz könnten für den globalen Handel und die internationale Politik schon in wenigen Jahren Impulse ausgehen. Die demographische Entwicklung in Afrika und China und die Wirtschaftskraft Chinas können dafür sorgen, dass die so genannte "entwickelte Welt" die Ziele der beiden Partner ernst nimmt.

Gemeinsame Interessen mit Afrika

China und Afrika - das ist keine romantische, sondern eine pragmatische, an klaren Interessen orientierte Beziehung. Das sehen auch die afrikanischen Partner längst. Europa muss Afrika also nicht vor China schützen, wie mancher politische Kommentator meint.

Die chinesische Politik ist nicht schlechter oder besser als die europäische, sie ist aber einstimmig, vorrangig an Handel und Wirtschaft orientiert - und damit erfolgreicher als die europäische. Es gibt positive und messbare Effekte der China-Politik in Afrika. Von dem Wirtschaftswachstum vor allem in den afrikanischen Rohstoff-Staaten ist viel dem Energiehunger Chinas geschuldet - die Projekte und "Projektchen" der vorsichtigen Europäer haben dazu nicht messbar beigetragen.

Pessimisten bezeichnen die chinesische Afrika-Politik als Neuen Kolonialismus - im Gegensatz zur werteorientierten europäischen Entwicklungspolitik. Das ist überheblich und verlogen. Denn die Abschottungspolitik, die Europa bisher gegenüber Afrika betreibt, ist nicht minder von eigenen Interessen geleitet und letztendlich postkolonialem Anspruchsdenken geschuldet.

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