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Kunst

Europa leuchtet in Berlin

Zum Europatag will Berlin ein besonderes Zeichen setzen. Am Bühnenturm der Komischen Oper leuchtet jetzt der Schriftzug "Europa". Ein geliehenes Kunstprojekt mit politischer Botschaft und kurzer Halbwertzeit.

Für Europa wird derzeit viel demonstriert. Besonders heftig rund um den Europatag am 9. Mai. Auch die Erleichterung nach dem Wahlausgang in Frankreich ändert daran nichts. Berlin hat sich zum Europatag etwas Besonderes einfallen lassen. Eine politische Demonstration mit künstlerischem Anspruch. An der Prachtstraße "Unter den Linden" leuchtet jetzt am Bühnenturm der Komischen Oper der Schriftzug "Europa".

33 Neonröhren für Europa

Jede einzelne Röhre stehe "für die gemeinsame europäische Identität", erklärt Caro Baumann vom Berliner Architekturbüro morePlatz der Deutschen Welle. Baumann und ihre Kollegen haben das Design entworfen: die 80er Jahre Schrift, die Größe der Röhren und ihr Abstand untereinander.

Deutschland Europa Installation am Bühnenturm der Komischen Oper | morePlatz (morePlatz/R.D. Kleimeer)

Europa-Schriftzug an der Kunstkirche St. Agnes

Dass der Schriftzug jetzt den Bühnenturm der Komischen Oper ziert, ist der Zusammenarbeit vieler Akteure zu verdanken: unter anderem der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament, der Schwarzkopf Stiftung, der Allianz Kulturstiftung und natürlich der Komischen Oper. Dessen Intendant Barry Kosky spendierte auch das Happening zur Einweihung der Lichtinstallation, inklusive Kinderchor und Instrumentalensemble aus seinem Haus. Außerdem ist der Fotograf Wolfgang Tillmans mit seiner Anti-Brexit-Kampagne beteiligt. Fotos und Plakate, die er nach dem Brexit-Beschluss der Briten in "Protect the European Union" umgetauft hat.

Poster Anti-Brexit Campaign Wolfgang Tillmans | No man is an Island (Wolfgang Tillmans)

Anti-Brexit Kampagne von Wolfgang Tillmans

Die politische Dimension des Projekts "Europa leuchtet" macht auch die Teilnahme von Berlins Kultursenator Klaus Lederer deutlich. Lederer hat sich beim Neuzuschnitt des Berliner Senats die Zuständigkeit für Europa gesichert. Er positionierte sich in kurzer Zeit als ein glühender Vorkämpfer für die Vertiefung der europäischen Zusammenarbeit. Mit einer Berliner Europawoche, die gerade stattfindet, will Lederer seine politischen Visionen flankieren und die Berliner für Europa begeistern.

Schriftzug nur ausgeliehen

Doch weit spektakulärer als Lederers Europawoche ist zweifellos der Europa-Schriftzug – obgleich er nur ausgeliehen ist. Denn er wurde nicht eigens für den Bühnenturm der Komischen Oper geschaffen. Bevor er dorthin umzog, hing der Schriftzug an St. Agnes, der Kunstkirche des Berliner Galeristen Johann König.

Er war es auch, der die Idee von Caro Baumann sofort aufgenommen hatte. Das sei noch vor dem Brexit gewesen, erinnert sich die Architektin. Alle waren Feuer und Flamme: "Wir waren der Überzeugung, dass es Europa an Sichtbarkeit fehlt, dass Europa ein leuchtendes Zeichen braucht, um mehr Strahlkraft zu bekommen".

Strahlkraft für zwei Wochen

Deutschland Die Linkspartei Berlin - Landesvorsitzender Klaus Lederer (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Setzt sich für Europa ein: Berlins neuer Kultursenator Klaus Lederer

Diese Strahlkraft ist jetzt an Berlins Komischer Oper zu besichtigen – wenn auch nur für zwei Wochen. Ursprünglich habe man beim Bauamt eine Genehmigung für sechs Monate beantragt, so Baumann. Doch das sei mit Verweis auf den Denkmalschutz abgelehnt worden. Als den Bauamts-Bürokraten dann die politische Brisanz klar wurde, schwenkten sie ein: Für zwei Wochen wollen sie nun beide Augen zudrücken. Doch das gibt es nicht schriftlich.

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