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Politik

Europa kommt ins Museum

Mitten in der Finanz-, Verfassungs-, und Sinnkrise, in der die EU steckt, hat man in Brüssel erkannt: Europa ist museumsreif!

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Bernd Riegert

Damit ist aber nicht das Abstellgleis der Geschichte, sondern, so findet der Gründer des ersten Europamuseums in Brüssel, eher die Würde und Bedeutung der europäischen Einigung gemeint, die endlich nach 50 Jahren anschaulich dokumentiert werden soll. Museumsvater Benoit Remiche ist vom Fach. Er arbeitete bis vor einigen Jahren in der EU-Kommission. Jetzt hat er sich zur Aufgabe gemacht, den Besuchern des eher tristen EU-Viertels mit seinen monumentalen Verwaltungsbauten, einen interessanten Farbtupfer zu verpassen.

6000 Quadratmeter groß soll das Museum werden, untergebracht in einem neuen Seitenflügel des Parlaments, der im Moment hochgezogen wird. Dort könne man dann die Geburt der europäischen Identität leben, schwärmt Benoit Remiche. Heute können sich Touristen im Informationszentrum des Parlaments und der Kommission nur mit optimistischen Broschüren und farbenfrohen Europakarten eindecken.

Eröffnung 2007

Von 2007 an, dann soll der museale Europatempel öffnen, können intellektuell Anspruchsvollere sehen, wie Staatsmänner von Robert Schuman bis Helmut Kohl an der europäischen Vision bastelten. Nur, was sie genau sehen werden, ist noch nicht ganz klar, denn eine Sammlung oder größere Exponate besitzt das Museum noch nicht. 20 Millionen Euro Budget stehen zur Verfügung, den größten Teil schießen Kommission und Parlament zu, also der europäische Steuerzahler. Auch der belgische Staat, der gut vom EU-Sitz Brüssel profitiert, hat im Sommer sein Geldsäckel geöffnet und 1,2 Millionen Euro zugesagt.

Die derzeit agierenden Europapolitiker sind ganz froh über das Museum, in dem die großen Taten der Einigung vorgezeigt werden können. Sie verbuchen das als die oft eingeforderte Bürgernähe. Im alltäglichen Geschäft will man sich auch weiterhin nicht in die Karten schauen lassen. Kommission und Rat halten ihre Türen geschlossen. Der Ministerrat, die erste und wichtigste Kammer der EU-Gesetzgebung, beschließt bis auf wenige Ausnahmen weiter im stillen Kämmerlein.

Europäisches Wachsfigurenkabinett

Nachdenken könnte man ja auch über ein Wachsfigurenkabinett mit europäischen Entscheidungsträgern. Hans Eichel, der deutsche Schuldenjongleur, oder Silvio Berlusconi, der regierende Fernsehmogul aus Italien, gäben hübsche Modelle ab. Möglich wäre auch ein Euro-Erlebnispark, in dem bei einer Achterbahnfahrt die schönsten Gipfeltreffen der Union von Kopenhagen bis Lissabon noch einmal durchlebt werden können.