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Europa

"Europa könnte russisches Gas kompensieren"

Im Falle eines Stopps russischer Gaslieferungen könnte die EU auf andere Quellen zurückgreifen. Auch könnte die Ukraine mehr Gas aus Europa erhalten, sagt Energie-Expertin Claudia Kemfert im Gespräch mit der DW.

Deutsche Welle: In Moskau glaubt man, dass russische Gaslieferungen für die europäische Wirtschaft lebensnotwendig sind. Ist das wirklich so? Welche Folgen wird der Stopp der Lieferungen an die Ukraine für die Europäische Union haben?

Claudia Kemfert: Es geht in erster Linie darum, dass man über die Lieferungen aus Russland über die Ukraine sprechen muss. Das sind nicht so große Mengen, die nicht kompensiert werden können. Die europäische Wirtschaft kann durchaus auch auf andere Quellen zurückgreifen. Norwegen ist hier zu nennen. Wir sind gut vernetzt auch mit anderen Ländern aus denen wir Gas beziehen können. Wenn Russland tatsächlich alle Lieferungen einstellen würde, hätten wir zwar Probleme, aber es würde doch nur einen kleinen Teil treffen, den man durchaus kompensieren kann.

Sind Gaslieferungen aus Europa an die Ukraine möglich? Wenn ja, würden sie für die Ukraine ausreichen?

Es ist durchaus möglich, dass auch Lieferungen von Europa in die Ukraine stattfinden können. Dafür hat man das Pipeline-System teilweise schon verändert. Das muss man nämlich. Aber es ist noch nicht vollständig verändert. Einige Mengen Gas können durchaus in die Ukraine geliefert werden. Aber dauerhaft wäre das nicht möglich. Die Ukraine selber würde am meisten leiden, auch wenn Europa einspringen würde.

Was ist mit der geplanten South-Stream-Gaspipeline, die durch das Schwarze Meer von Russland nach Bulgarien führen soll? Ist Russland überhaupt zuverlässig genug für dieses Projekt?

Grundsätzlich ist Russland ein verlässlicher Lieferant. Es kann auch andere Pipelines stärker nutzen, zum Beispiel die Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee, um mehr Gas nach Europa zu liefern. Europa zahlt viel für das Gas. Hier müsste auch ein Interesse seitens Russlands bestehen, weiterhin viel Gas nach Europa zu liefern. Und das trifft auch für das South-Stream-Projekt zu. Man wird sich hier einigen müssen über die Konditionen. Aber grundsätzlich hoffen wir, dass Russland weiterhin ein verlässlicher Lieferant bleibt.

Claudia Kemfert leitet seit 2004 die Abteilung "Energie, Verkehr, Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Sie ist Professorin für Energieökonomie und Nachhaltigkeit an der Berliner Hertie School of Governance in Berlin. Ferner ist sie als Gutachterin und Politikberaterin tätig.

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