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Asien

Europa hilft gemeinsam

Seit einem halben Jahr gibt es das Europäische Krisenabwehrzentrum in Brüssel. Es soll die europäischen Hilfsangebote koordinieren, zum Beispiel die für die Philippinen. Fragen an Peter Billing, den Leiter des Zentrums.

Deutsche Welle: Herr Billing, das Europäische Krisenreaktionszentrum ist die Schalt- und Koordinierungsstelle der Europäischen Union für Hilfe bei Notsituationen, und zwar weltweit, nicht nur in Europa. Das Chaos auf den Philippinen nach dem Taifun ist jetzt ein besonders schwerer Fall für das Zentrum. Wie soll man sich Ihre Arbeit genau vorstellen?

Billing: Unsere Hauptaufgabe ist derzeit die Koordinierung der verschiedenen Hilfsangebote und auch die Koordinierung zwischen den verschiedenen europäischen Mitgliedsstaaten. Wir haben eine Reihe von Staaten, die bereits Hilfsangebote haben. Ein Teil der Hilfe ist auch schon vor Ort. Die großen Probleme sind in der Logistik, wirklich die hauptsächlich betroffenen Gebiete zu erreichen. Es gibt sehr wenige Flugverbindungen in die Schadensgebiete, und auch die Sicherheitssituation vor Ort ist nicht ideal. Es ist wirklich eine logistische Herausforderung, die Hilfe an die Bedürftigen heranzubringen.

Ziel ist also, dass Länder, die helfen wollen, sich zuerst an Sie wenden und dann beipsielsweise fragen, was gebraucht wird, wo sie hingehen sollen und wann. Klappt das?

Billing: Richtig. Das klappt auch ganz gut. Wir haben sieben, acht Mitgliedsstaaten, die Hilfe bereitstellen. Wir haben auch aus den humanitären Mitteln jetzt übers Wochenende eine, wie wir sagen, "primary emergency decision" herbeigeführt mit drei Millionen Euro. Wir sind im Moment dabei, die Partner, die das umsetzen, auszusuchen. Und wir können darüber hinaus den Transport der Hilfe in die Regionen auch finanziell und logistisch unterstützen.

Können Sie uns für diesen Fall sagen, wer was macht? Haben sich Länder auf bestimmte Aufgaben spezialisiert?

Der Hauptschwerpunkt liegt im Moment auf medizinischer Hilfe und Hilfe im Bereich der Wasseraufbereitung und der Unterbringung. Ich kann Ihnen ein Beispiel geben: Die Belgier sind am Sonntag (10.11.) bereits mit einem medizinischen Team und einer Wasseraufbereitungsanlage in die Katastrophenzone aufgebrochen. Sie haben unser Team mittransportiert sowie die Hilfe aus Frankreich und ein paar Kollegen aus Luxemburg, die beim Wiederaufbau der Kommunikationsleitungen behilflich sind. Darüber hinaus haben wir von Deutschland ein Angebot auch für eine Wasseraufbereitungsanlage, von Großbritannien 15.000 Zelte, von Ungarn ein Rettungs- und Bergungsteam. Die Schweden bringen ein Koordinierungsteam, das die internationale Koordinierung unterstützen soll, und ein Camp für 30 Personen und darüber hinaus Ausrüstung für die Kommunikation - Telefone, Computer und andere Dinge.

Es gibt ja sicher Länder, die sich mit eigenen großen Aktionen international profilieren wollen und nicht so gern Rädchen in einem großen Getriebe sind. Haben Sie Probleme mit solchen Ländern oder Organisationen, die einfach ihr eigenes Ding machen wollen?

Ich sehe das im Moment eigentlich nicht. Die Länder sind alle sehr offen für die Koordinierung und stellen auch bereitwillig Informationen zur Verfügung. Es besteht eine große Solidarität in diesem Bereich.

Sie können ja nur so gut sein, wie es die nationalen Krisenzentren zulassen. Sie haben keine eigenen Kapazitäten, zum Beispiel Transportflugzeuge, die jederzeit abflugbereit wären. Wäre das nicht das Beste, wenn Sie nicht erst fragen müssten, sondern sofort auf solche Kapazitäten zurückgreifen könnten, weil es ja auch oft bei einem Einsatz um die Geschwindigkeit geht?

Wir bereiten eine neue Gesetzgebung vor. In diesem Rahmen ist vorgesehen, einen Pool zu schaffen von Einsatzmitteln, die gewissermaßen auf Knopfdruck abgerufen werden können, und natürlich alles mit Zustimmung und Unterstützung der Mitgliedsstaaten. Aber ich denke auch, jetzt im Moment läuft es ganz gut, was die innereuropäische Koordination angeht. Das Problem ist wirklich die Logistik vor Ort. Es sind sehr viele Straßen zerstört, es finden sehr wenige Flüge statt, und das Problem ist wirklich, wie man bei uns sagt, die letzte Meile zu gehen, die Hilfe wirklich dann vor Ort auszuliefern.

Aber dieses Problem ließe sich natürlich auch mit der besten Koordinierung nicht beseitigen.

Nein, dazu bedarf es der Transporthilfe vor Ort.

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