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Europa hat Gewicht im Kardinalskollegium

Bei einem Festakt im Petersdom hat Papst Benedikt XVI. in Rom 22 neue Kardinäle ernannt, darunter auch zwei deutsche. Das Oberhaupt der katholischen Kirche ermahnte die Neulinge zur engen Zusammenarbeit.

Die Mahnung des Papstes war deutlich: Die neuen Kardinäle müssten "herausragende Diener der Kirche" sein, sagte Benedikt XVI. am Samstag im Petersdom. Und diese Kirche finde in Petrus das sichtbare Fundament der Einheit.

Beim vierten Konsistorium seines im Jahr 2005 begonnenen Pontifikats nahm der Papst 22 Geistliche neu in das Kardinalskollegium auf. 18 von ihnen sind noch keine 80 Jahre alt und zählen damit zum Kreis der Papstwähler bei einem Konklave. Mit der jetztigen Feier ist mehr als die Hälfte der derzeit insgesamt 125 Kardinäle, die mitwählen dürften, von Benedikt XVI. bestimmt worden -  63. Dabei fällt derzeit der Anteil der Europäer auf.

Das Kirchenoberhaupt rief die Kardinäle bei der rund neunzigminütigen Feier im voll besetzten Petersdom zu enger Zusammenarbeit auf. Sie sollten "mit der Klarheit und Weisheit der Lehrmeister, mit der Energie und der Stärke der Hirten, mit der Treue und dem Mut der Märtyrer" ihr Amt ausüben.

Die Worte des Papstes haben in diesen Tagen einen Beiklang. Vor Wochen kursierten Gerüchte über ein angebliches Mordkomplott gegen Benedikt XVI., dann beklagte der Vatikansprecher wörtlich "Vatileaks", undichte Stellen im Vatikan, die das System schwächten und ihm schadeten. Zugleich blühten die Spekulationen, ob das zähe Ringen der Ratzinger-Administration um eine Wiedereingliederung der ultrakonservativen Piusbrüder in die römisch-katholische Kirche nun gescheitert sei oder noch andauere.

Zwei deutsche Kardinäle

Dr. Rainer Maria Woelki, Erzbischof des Bistums Berlin/Brandenburg, aufgenommen am 09.01.2012 während der Aufzeichnung der RBB-Talksendung Thadeusz in Berlin. Die Sendung wird am 17.01.2012 ausgestrahlt. Foto: Karlheinz Schindler

Rainer Maria Woelki

Zwei der neuen Kardinäle sind Deutsche. Da ist zunächst der schon 83-jährige Jesuit Karl Josef Becker, der seit vielen Jahrzehnten an der Gregoriana-Universität in Rom lehrt - ein Rheinländer. "Meine Muttersprache ist Kölsch, meine erste Fremdsprache war Hochdeutsch", sagt der vielsprachige Ordensmann an diesem Karnevalssamstag. Viel mehr sagt er nicht, dabei wird er oft gefragt. Becker gehört zu der kleinen vatikanischen Delegation, die mit den Piusbrüdern verhandelt. Sein dogmatisch kluges Reden in diesen Gesprächen und sein Schweigen in aller Öffentlichkeit hat der Papst mit dem Kardinalspurpur belohnt.  

Der zweite neue Deutsche in der Kardinalsriege ist der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki, ebenfalls gebürtiger Kölner. Mit 55 Jahren ist er, wie er selbst sagt, "der Benjamin" der Runde, der derzeit jüngste Kardinal weltweit. "Manchmal denke ich, ich bin im falschen Film", bekannte er. Erst im vorigen August war er zum Erzbischof der deutschen Hauptstadt aufgestiegen, gleich im September war dann Papst Benedikt zu Besuch gekommen - und nun die Kardinalswürde. Von "feuchten Händen" vor der Feier spricht er, aber auch von den ermutigenden Worten vieler älterer Kardinäle. Und des Papstes.

Unterstützung von allen Seiten

Benedikt XVI im Kreise der neuen KardinäleFoto:Andrew Medichini/AP/dapd)

Das Konsistorium ist das vierte in Benedikts Pontifkat.

Das ein oder andere Wort der aus Berlin angereisten Begleitung Woelkis, der Kardinalsfamilie, erklärt dies ein wenig. Lala Süsskind, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlins, erzählte von "guten Beziehungen schon nach kurzer Zeit". Sie lobt: "Wer schafft es schon, in einigen Monaten eine Stadt für sich zu gewinnen?" Und auch der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge war bei der Feier dabei und äußerte seine Wertschätzung. Es sei enorm "wichtig, dass wir uns gegenseitig in der Art und Weise, wie wir Kirche Jesu Christi sein wollen, richtig verstehen und ernst nehmen", meinte er.

Am meisten jedoch sagte der Auftritt von Klaus Wowereit im Vatikan über Woelki aus. Der Sozialdemokrat, der zwei Partyabende bei den großen Berliner Filmfestspielen für die Reise nach Rom sausen ließ, nannte die so rasch erfolgte Kardinalswürde für Woelki eine "Ehre" für die Hauptstadt. Woelki habe binnen Monaten gezeigt, wie wichtig ihm gerade in Berlin, einer nicht katholisch geprägten Stadt, Dialog und Begegnung seien. Der Berliner Bürgermeister würdigte auch, dass Woelki sich als erster Erzbischof so bald nach Amtsantritt zum Gespräch mit Vertretern des Berliner Schwulenverbandes getroffen habe.

In einer Anspielung auf das purpurne Kardinalsgewand sagte Wowereit, endlich sei "Berlin wieder rot geworden" - und hatte die Lacher des Publikums damit auf seiner Seite. Einem aus Köln angereisten Gratulanten Woelkis, der seinen Verzicht auf ein rheinisches Karnevalswochenende beklagt hatte, entgegnete er, dass die Feier im Petersdom einer karnevalistischen "Prunksitzung" doch sehr ähnle. Schließlich beherrsche die katholische Kirche seit Jahrtausenden die große Inszenierung. 

Autor: Christoph Strack
Redaktion: Johanna Schmeller

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