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Kultur

Europa greift nach dem roten Planeten

Sieben Monate war "Beagle2" unterwegs und hat dabei 55 Millionen Kilometer zurückgelegt. Jetzt kann das Mars- Abenteuer beginnen. Die US-Konkurrenz haben die Europäer erst einmal abgehängt.

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Im Anflug: "Mars Express"

Nach den Amerikanern greifen nun auch die Europäer mit ihrer Raumfahrtagentur ESA nach den Planeten: Am 2. Juni 2003 schickten sie die Sonde "Mars Express" vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All. Mit Gesamtkosten von rund 300 Millionen Euro - nach Herstellerangaben die bisher "billigste" Mission zum Mars – haben die Europäer das aufwändige Projekt innerhalb von nur vier Jahren auf die Beine gestellt. Jetzt trifft die Landeeinheit – ein unscheinbar wirkender High-Tech-Würfel mit dem Namen "Beagle2" - auf ihr Ziel.

Den Realitätstest hat die Sonde bereits bestanden: Wegen eines Kabelfehlers können die Sonnenkollektoren nur 70 Prozent ihrer Leistung liefern. Trotzdem läuft alles nach Plan: Am 19. Dezember war das Landegerät "Beagle2" von der Muttersonde "Mars Express" erfolgreich abgetrennt worden. Diese steuert nun mit rund 11.000 Stundekilometern die Umlaufbahn des Planeten an und wird sie voraussichtlich im Januar erreichen.

Randvoll mit High-Tech

Die nur etwa 70 Kilogramm leichte "Beagle2", benannt nach dem Schiff des Naturforschers Charles Darwin, verwandelt sich bei ihrem Eintritt in die Marsatmosphäre in ein glühendes Geschoss, das durch Hitzeschilde geschützt wird. Danach öffnen sich am ersten Weihnachtstag seine Fallschirme und Airbags, mit denen die Landeeinheit dann beim Aufschlag wie ein überdimensionaler Fußball mehrmals über den Marsboden hüpft, um die Geschwindigkeit abzubremsen. Das erste Signal an die Bodenstation, das die sichere Ankunft vermelden soll, wird eine kurze Melodie sein, die eigens von der britischen Rockgruppe "Blur" komponiert wurde. Dann beginnt das eigentliche Mars-Abenteuer.

Leben auf dem Mars?

Das Forschungslabor entfaltet seine Sonnensegel wie Blütenblätter, um die Energiespeicher an Bord aufzuladen. Dadurch wird der Roboterarm zum Leben erweckt, an dessen Ende sich eine Art Werkbank mit allen für die Experimente notwendigen Kleingeräten befindet. Herzstück an Bord des Orbiters ist das deutsche "Superauge" HRSC (High Resolution Stereo Camera), eine hoch auflösende Farbbild-Kamera, mit der die Planetenoberfläche bis auf zehn Meter genau kartografiert werden kann.

Während die Lebensdauer der Sonde auf rund vier Jahre geschätzt wird, wird "Beagle2" voraussichtlich nur wenige Monate auf dem von Sandstürmen überzogenen Planeten arbeiten können. Das reicht jedoch für die wichtigsten Panoramabilder und Bodenproben. Mit einem "Maulwurf-Bohrer" kann er bis in eine Tiefe von 1,5 Metern Proben entnehmen. Ziel der ganzen Aktion: Die Suche nach Hinweisen, die auf die Existenz von Wasser und Kohlenstoff und somit die Möglichkeit von Leben auf dem Mars hindeuten.

Wettlauf zum Mars

Neben "Beagle2" sind derzeit auch die beiden amerikanischen Landeroboter "Spirit" und "Opportunity" auf dem Weg zum Mars, deren Landungen im Januar und Februar 2004 erwartet werden. Auch die beiden identischen, rund 180 Kilogramm schweren Gefährte sollen nach Spuren von mikroorganischem Leben suchen. NASA-Experten gestanden aber ein, dass die technischen Voraussetzungen der "Beagle2" dafür weitaus besser seien. Doch die US-Weltraumbehörde braucht nach dem Absturz der Raumfähre "Columbia" Anfang 2003 einen medienwirksamen Erfolg. Sie hofft, dass die Exkursionen Millionen Menschen vor den Fernseher und ins Internet locken werden – wie schon bei der "Pathfinder"-Mission 1997.

Auch die Japaner sind unterwegs zum Roten Planeten: "Nozomi" ("Hoffnung") sollte ebenfalls in diesen Monaten beim Mars ankommen, nachdem sie bereits 1998 gestartet war. Aufgrund von Antriebsproblemen schwebt sie jedoch derzeit ziellos im All. (ina)

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