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Aktuell Europa

Europa gedenkt des Ersten Weltkriegs

Vor 100 Jahren griffen deutsche Truppen das belgische Lüttich an. In erbitterten Kämpfen starben Tausende. Am Montag gedachten dort Staats- und Regierungschefs aus rund 20 Ländern der Schrecken des Ersten Weltkriegs.

Ob Belgiens König Philippe, Frankreichs Präsident François Hollande, Großbritanniens Prinz William oder Bundespräsident Johannes Gauck - bei der großen Gedenkfeier zum Beginn des Ersten Weltkriegs im belgischen Lüttich waren sich alle Redner einig, welche Konsequenzen aus der historischen Erfahrung des Krieges vor 100 Jahren zu ziehen sind: Das heutige friedliche Europa sei keinesfalls eine Selbstverständlichkeit; von verfeindeten Staaten zur gemeinsamen Europäischen Union sei es ein langer Weg gewesen - so der Tenor.

"Unsere Großeltern haben von einem vereinten und friedlichen Europa geträumt", sagte der belgische König Philippe. Die Erhaltung des Friedens bleibe eine große Herausforderung, so Philippe weiter

Mahnung angesichts aktueller Kämpfe und Kriesen

Belgiens Ministerpräsident Elio Di Rupo zeigte sich besorgt angesichts der "zunehmenden Spannungen im Herzen Europas" und erwähnte die Zugewinne rechtsextremer und anti-europäischer Parteien bei den Europawahlen.

Frankreichs Staatschef Hollande ging bei der Gedenkfeier unter anderem auf die aktuellen Kriege und Konflikte ein. So forderte er ein stärkeres internationales Engagement der EU. Europa könne nicht neutral bleiben, wenn die territoriale Integrität der Ukraine bedroht sei, wenn in Syrien, Irak und anderen Staaten Massaker verübt würden, sagte Hollande.

Auch Bundespräsident Gauck beklagte, dass hundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg noch immer "politische, völkische oder religiöse Überzeugungen" instrumentalisiert und als Rechtfertigung für Gewalt und Mord benutzt würden. Auf einzelne Konflikte ging er nicht ein.

Gauck dankt Belgiern für Versöhnung

Der Bundespräsident dankte Belgien für die Einladung zu dem großen Festakt: Auch 100 Jahre nach dem Krieg sei es nicht selbstverständlich, dass er als deutscher Bundespräsident in Belgien stehe. Gauck erinnerte an die deutsche Mitschuld beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs. "Dieser Krieg begann in Westeuropa mit dem durch nichts zu rechtfertigenden Überfall Deutschlands auf das neutrale Belgien", sagte Gauck vor Repräsentanten aus rund 80 Nationen und internationalen Organisationen.

Er erinnerte ferner daran, dass Deutschland Belgien 1940 abermals überfiel und dankte den Belgiern, dass sie Deutschland "nach all dem Leid und all dem Elend schon sehr bald nach dem Zweiten Weltkrieg die Hand zur Versöhnung ausgestreckt haben". Statt des Rechts des Stärkeren gelte in Europa heute die Stärke des Rechts, so Gauck weiter. "Es waren bittere, schreckliche Lektionen, die uns die beiden großen Kriege bereitet haben", erklärte das deutsche Staatsoberhaupt. Durch Handeln in Gegenwart und Zukunft müsse gezeigt werden, "dass wir unsere Lektion wirklich gelernt haben".

Deutsche setzen weltberühmte Bibliothek in Brand

Nach der Zeremonie in Lüttich reiste der Bundespräsident weiter in die flämische Stadt Löwen, um der zivilen Opfer des Krieges zu gedenken. Im Beisein des belgischen Königs sagte Gauck, er wolle an das große Unrecht erinnern, das der deutsche Überfall auf das neutrale Belgien vor 100 Jahren darstelle. Löwen war Ende August 1914 von den Deutschen weitestgehend zerstört worden. Über 1000 Häuser brannten nieder, die deutschen Angreifer erschossen mehr als 200 Zivilisten, 650 andere wurden in Viehwaggons nach Deutschland abtransportiert. Außerdem hatten deutsche Soldaten in der Stadt die weltberühmte Universitätsbibliothek in Brand gesetzt; dabei wurden wertvolle Handschriften und Hunderttausende Bücher vernichtet. Im Versailler Vertrag wurde Deutschland nach Kriegsende dazu verpflichtet, die vernichteten Bestände der Bibliothek zu ersetzen.

Der Krieg forderte mehr als 16 Millionen Tote

Historisches Foto: Deutsche Soldaten mit Gasmasken und Luftabwehrrakete (Foto: Getty Images)

Kriegsszene: Deutsche Soldaten mit Gasmasken und Luftabwehrrakete

Am Montagabend beschloss das deutsche Staatsoberhaupt seinen Belgien-Besuch mit einer Gedenkfeier auf dem deutsch-britischen Soldatenfriedhof St. Symphorien bei Mons. Der britische Premierministers David Cameron hatte dazu eingeladen. Großbritannien war vor genau 100 Jahren, am 4. August 1914, in den Krieg eingetreten, nachdem ein Ultimatum an Deutschland abgelaufen war.

Der deutsche Einmarsch in Belgien gilt als Auftakt für den Ersten Weltkrieg, an dem sich bis zur Kapitulation Deutschlands im November 1918 mehr als 70 Staaten und damalige Kolonialgebiete beteiligt hatten, unter ihnen auch die USA und Japan. Insgesamt waren im ersten weltweiten Krieg fast 70 Millionen Soldaten mobilisiert, mehr als 16 Millionen Menschen wurden getötet.

cw/det/wl(afp, dpa, epd)