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Bildung

Europa ein Stück näher kommen

Die deutschen Unis wollen internationaler werden. Sommer-Akademien sind eine Möglichkeit, Studierende aus aller Welt zu locken. Besonders wenn es wie in München um das Thema Europa geht.

Zwölf Studenten aus Italien, Frankreich, Kanada, Korea und China sitzen mit ernsten Gesichtern rund um einen Konferenztisch im Zentrum für angewandte Politikforschung in München. Vor ihnen stehen kleine Schildchen mit den Namen von verschiedenen Lobbyorganisationen zum Beispiel aus der Wirtschaft, aber auch von NGOs. Die Teilnehmer an der

Summer Academy

simulieren gerade Verhandlungen darüber, ob sich Lobbyisten bei der EU in ein Register eintragen müssen, um Interessenskonflikte offensichtlich zu machen.

Das sind Verhandlungen, die letztes Jahr wirklich in der EU stattgefunden haben. Livia aus Rom, 25 Jahre alt, lehnt sich erleichtert in ihren Sessel zurück. Sie hat gerade ihren Standpunkt dargelegt. Gar nicht so einfach für die zierliche Italienerin, denn sie repräsentiert eine Lobbyorganisation, die für

mehr Transparenz

eintritt. "Das ist eine Position, die schwer durchzusetzen ist", sagt sie. Die anderen in der Runde befürworten den Registereintrag nur auf freiwilliger Basis.

Für Koreaner ist Lobbying ein rotes Tuch

Dozent der Sommerakademie an der Uni München (Foto: DW/Lisa Weiß)

Ronny Patz will zeigen, wie EU-Politik real funktioniert

Am Kopf des Konferenztisches sitzt Ronny Patz von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hat den Vorsitz und spielt den zuständigen EU-Kommissar. Patz weiß, wovon er spricht. Er hat an den realen Verhandlungen teilgenommen. Bevor er nach München gekommen ist, war er zwei Jahre bei der NGO Transparency International tätig. "Das Programm der Sommerakademie soll aktuell sein und zeigen, wie EU-Politik real funktioniert", sagt Patz. In den beiden Wochen in München geht es auch um Themen wie die letzte Europawahl, die Eurokrise oder um Klimapolitik. Bei dieser Sommer-Akademie arbeitet die Münchner Universität mit tschechischen und österreichischen Unis zusammen. Deshalb waren die Studenten bereits zwei Wochen in Wien und eine Woche in Prag, haben zu Themen wie Sicherheitspolitik und Europäische Erweiterung untereinander und mit Experten diskutiert.

Dass die Studenten aus aller Welt kommen, macht das Programm für Ronny Patz besonders spannend: "Für die Koreaner ist zum Beispiel das Thema

Lobbying

ein völlig rotes Tuch", sagt er. "Sie waren überrascht, dass so etwas überhaupt legal sein kann." Patz ist überzeugt, dass solche Diskussionen nur an Orten wie diesen entstehen, dort, wo europäische und internationale Studenten zusammenkommen.

Ein anderer Blick auf die EU

Teilnehmer der Sommerakademie an der Uni München (Foto: DW/Lisa Weiß)

Vom Skeptiker zum Befürworter: Die Sommer-Akademie ermöglicht einen anderen Blick auf die Europäische Union

Adrian ist einer der Europäer und kommt aus Frankreich. Ab Herbst studiert er Europäische Studien und Management in München und Lyon. Eigentlich hat er sich nur angemeldet, um schon ein bisschen Grundwissen für sein Studium zu sammeln und München kennenzulernen. Doch bei der Sommer-Akademie hat er sich auf einmal vom EU-Skeptiker zum EU-Befürworter gewandelt - und das, obwohl in Frankreich die EU immer weniger geschätzt wird. "Ich glaube, das liegt daran, dass wir zu wenig über dieses unglaubliche System wissen. Das hier war eine Gelegenheit, meinen Standpunkt zu ändern", meint Adrian.

Sommer-Akademien helfen der Internationalisierung

Adrian hat seinen Studienplatz in München schon sicher - mittlerweile überlegen aber auch andere, nach München zu gehen. Livia aus Rom zum Beispiel würde gerne hier promovieren. Die Sommeruniversität ist also eine gute Werbung für die LMU, das gibt auch Ronny Patz zu: "Der Uni bringt das international Sichtbarkeit." Das alles funktioniert ohne große Investitionen für die Universität, denn die Teilnehmer an der Sommer-Akademie müssen Gebühren zahlen. 1550 Euro kostet der rund fünfwöchige Kurs, dazu kommen gut 700 Euro für die Unterbringung. Für Studenten, die sich das nicht leisten können, gibt es aber auch Stipendienprogramme, versichert Ronny Patz.

Lo-Yü Chang hat gerade in Peking sein Studium abgeschlossen und vertieft mit der Sommer-Akademie seine Europakenntnisse. Das Programm sei im Vergleich zu den chinesischen Studiengebühren teuer, meint Lo-Yü Chang. "Aber wenn ich es mit den Studiengebühren in den USA oder Großbritannien vergleiche, ist das hier wahrscheinlich die bessere Wahl." Er hat seine Ersparnisse in die Sommer-Akademie investiert. Das, so sagt er, habe sich für ihn auf jeden Fall gelohnt.

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