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Politik

Europa auf Identitätssuche

Europa wächst zusammen. Europa wird vereinigt. Mit einem Schlag, so sieht es jedenfalls die Europäische Kommission in Brüssel, wächst die EU von bisher 15 auf 25 Mitglieder.

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Zwei andere stehen sozusagen schon an der Tür (Rumänien und Bulgarien) und bereits am Ende des Jahrzehnts (so hört man es jedenfalls auf den Fluren der Kommission) werden auch Länder des zerfallenen Jugoslawiens wahrscheinlich erfolgreich an die Türen und Tore des nicht mehr ganz so exklusiven Wohlstandsclubs klopfen. Und vielleicht machen ja auch Norwegen und die Schweiz noch mit - dann hat das vereinte Europa, dann haben die Vereinigten Staaten von Europa endlich ein geographisches Profil.

Und man ahnt: weder die Ukraine noch Weißrussland, weder Moldawien noch Georgien, schon gar nicht Russland werden Mitglieder im Club. Und die Türkei: sie ist und bleibt ein Sonderfall. Zu oft hat man den Türken versprochen, sie würden eines Tages Mitglied in der EU als dass man dieses Versprechen einfach brechen könnte. Doch rausschieben wird man es so lange wie man es gesichtswahrend rausschieben kann. Denn fast urplötzlich dämmert den Europäer was auf sie zukommt.

Prinzipien und Ideale

Das neue Europa, das Europa, das den klassischen Nationalstaat überwindet und vielleicht damit dem Zustand des ewigen Friedens auf dem alten Kontinent näher oder sogar nahe kommt, dieses Europa braucht eine Identität. Und diese Identität ist nicht der aquis communitaire, also das 80.000 Seiten umfassende Regelwerk der Gemeinschaft. Es sind nicht die Agrarbeihilfen oder neue Übernahmerichtlinien, es sind nicht die Hygienebestimmungen für Metzgereien noch der schrankenlose Binnenmarkt - so wichtig dies alles ist. Und es ist auch nicht die gemeinsame Außenpolitik oder die Fähigkeit mit einer eigenen EU-Truppe den Frieden zu sichern. So wünschenswert das ebenfalls ist.

Nein: die Europäer werden endlich den Geist ihrer Union bestimmen müssen. Sie werden die Prinzipien, die Ideale festlegen müssen. Und dazu wird auch die Frage gehören: Ist Europa eine säkulare Republik oder ist es doch von seiner auch christlichen Geschichte bestimmt? Beruht der esprit européen auf Montesqieu, Locke, Kant, vielleicht auch Macchiavelli oder auch auf dem alten und neuen Testament? Und wie verhält man sich zum Koran, zur Scharia, zum Hadith, zum Islam insgesamt? Diese Fragen müssen jetzt gestellt - und sie müssen in absehbarere Zeit beantwortet werden. Europa vereinigt sich. Es überwindet die Ost-Westteilung, den eisernen Vorhang. Es nimmt die Balten wie die Zyprioten, die Polen wie die Slowenen wieder in den gemeinsamen Reihen auf. Doch wohin wendet es sich dann?