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Made in Germany

Europa öffnet sich - Slowakei

Autobahnen für Investoren. „200 Slowakische Kronen oder 5 Euro, wie Sie wünschen!“ Der Taxifahrer, der uns in Bratislava zum Hotel bringt, ist schon im Vereinten Europa angekommen.

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Die Kaffeehäuser und Restaurants in der Altstadt von Bratislava sind voll, die Preise auf einigen Speisekarten gerade erst nach oben korrigiert. Die slowakische Hauptstadt boomt. Am Rolandbrunnen vor dem Alten Rathaus treffen wir Ladislav Balko, den Chef der slowakischen Investitionsagentur. Mit einem modernen Autobahnsystem will er Investoren auch in andere Regionen des Landes locken. „Künftig wollen wir auf zwei Beinen stehen“, sagt Balko. Neben Bratislava soll gezielt die Gegend um Košice in der Ostslowakei gefördert werden. Dort sitzt bereits der größte ausländische Investor, der Stahlgigant US-Steel. Das soll erst der Anfang sein, aber dafür muss die Verkehrsanbindung besser werden.
In fünf bis sechs Jahren, so rechnet Balko, sollen die beiden geplanten Autobahnen fertig sein. Die südliche Strecke verläuft nahe der ungarischen Grenze und die nördliche Route führt von Bratislava nach Košice. Sie ist Teil des von der EU geförderten Korridors Nr. 5 , der einmal Triest mit dem ukrainischen Lwow verbinden soll.

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Noch trennen West- und Ostslowakei 8 Stunden anstrengende Autofahrt auf der Landstraße. Oft staut sich der Verkehr hinter LKW und Trekkern, gefährliche Überholmanöver führen immer wieder zu schweren Unfällen. Von Bratislava aus kommen wir immerhin schon ein gutes Stück Richtung Osten auf der neuen Autobahn voran. Bei Trnava verdunkelt plötzlich Staub den Himmel. Hier befindet sich die größte Baustelle der Slowakei. Peugeot investiert 700 Millionen Euro in eine Fabrik. Derzeit wird mit Hochdruck das Gelände vorbereitet, jeder verfügbare Laster ist im Einsatz. „Solange hier gebaut wird, habe ich einen Job“, erzählt uns ein Baggerführer. „Und das bedeutet hier sehr viel, denn die Arbeitslosigkeit ist hoch.“ Ab 2006 sollen hier jährlich 300.000 Kleinwagen produziert werden. Das bringt 3.500 neue Jobs, weitere 6000 könnten in der Zulieferindustrie entstehen.

Hinter der Stadt Illava ist plötzlich Schluß mit der Autobahn. Hier werden im hügeligen Gelände mehrere Brücken gebaut. Die beiden großen Baufirmen des Landes - Doprastav und Hydrostav - arbeiten einträchtig zusammen. Der Wettbewerb hält sich in engen Grenzen. Roman Vanko von der Straßenbauverwaltung möchte deshalb auch nicht beschwören, ob die ursprünglich für den Bauabschnitt eingeplanten 4 Milliarden slowakischen Kronen, das sind etwa 100 Millionen Euro, am Ende ausreichen werden. An den Löhnen der Bauarbeiter kann das nicht liegen. Die verdienen umgerechnet nur 300 bis 400 Euro im Monat.
Längs der Autobahn soll hier ein Motocrossgelände entstehen. „Für Europa- vielleicht sogar Weltmeisterschaften“, erzählt Vanko und gerät ins Schwärmen: “Die Brückenpfeiler werden wir knallrot streichen.“ Eine zusätzliche Attraktion für die Touristen, die bisher vor allem wegen der Berge kommen. Nördlich von uns erheben sich die Gipfel der Hohen Tatra.

Wir erreichen Košice, das Zentrum der Ostslowakei. Hier ist fast jeder Dritte ohne Arbeit. Aber es gibt auch ein paar Lichtblicke: In der Nähe zur ungarischen Grenze ist bei dem kleinen Dorf Kechnec ein Industriepark entstanden. Der Bürgermeister Jozef Konkoly hat die Fördergelder aus Bratislava mit viel eigenem Engagement in Arbeitsplätze umgemünzt. Über 600 neue Jobs sind bei dem amerikanischen Elektronikmulti Molex entstanden, der hier Teile für Sicherheitsgurte, Computerstecker und Handytastaturen produziert. Der Generaldirektor Miloš Somora lobt den Bürgermeister, der alle Steine aus dem Weg geräumt habe. Im Übrigen sei die Standortwahl gar nicht schwer gefallen: „Im Westen der Slowakei drängeln sich die Investoren schon, da finden sie kaum noch Fachkräfte und die Löhne sind auch gestiegen.“ Als wir uns nach dem Umsatz erkundigen, antwortet Herr Somora zunächst ausweichend. Der Grund: Die Fabrik in Kechnec arbeitet derzeit noch als verlängerte Werkbank für Molex Deutschland und Irland, die auch die meisten Maschinen stellen. „In zwei Jahren dürfte sich das aber ändern“, glaubt Herr Somora: „Wenn im Peugeotwerk in Trnava erst die Produktion angelaufen ist, dann liefern wir die Teile für Sicherheitsgurte direkt zu“.
Wenn erst die Autobahn fertig ist, ist das sogar „just in time“ möglich.