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Wirtschaft

Europäische Zentralbank erhöht Leitzinsen

Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen weiter angehoben. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft in der Eurozone mit Zentralbankgeld steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent.

Jean-Claude Trichet zeigt in die Ferne

Gibt die Richtung vor: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet

Mit der Leitzinserhöhung hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag (5.10.) den Zinstrend der vergangenen Monate fortgesetzt. Die Finanzmärkte zeigten sich wenig überrascht von der Entscheidung, die von der EZB nach ihrer Ratssitzung in Paris mitgeteilt wurde. Der Präsident der Notenbank, Jean-Claude Trichet, einen solchen Schritt bereits Ende August angedeutet.

Die EZB hat die Zinsen seit dem vergangenen Dezember bisher vier Mal um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht und dabei zuletzt das Tempo gesteigert. Volkswirte rechnen mindestens noch mit einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte auf 3,5 Prozent im Dezember. Dafür sprechen das anhaltende Wirtschaftswachstum und die mittelfristigen Prognosen für eine Inflation von deutlich über 2,0 Prozent im Euroraum. Im September war die Teuerungsrate wegen der sinkenden Ölpreise jedoch spürbar zurückgegangen. Trichet wird die Gründe für die Zinsentscheidung auf einer Pressekonferenz am Nachmittag in Paris erläutern.

Geteiltes Echo

Die Zinserhöhung stieß auf ein geteiltes Echo. Während die Wirtschaft den Schritt verteidigte, kamen aus Politik und Gewerkschaften kritische Stimmen. "Die heute von der EZB beschlossene Leitzinsanhebung erhöht die konjunkturellen Risiken in Europa und in Deutschland", sagte der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Joachim Poß. Die EZB habe das unmissverständliche Signal gegeben, dass sie zur Einhaltung ihres Ziels der Preisstabilität bereit sei, "die zu beobachtende konjunkturelle Belebung zu stoppen".

Als angemessen angesichts der robusten Konjunktur bezeichnete dagegen der Deutsche Industrie- und Handelstages (DIHK) die Entscheidung. "Allerdings besteht aus unserer Sicht kein Handlungsbedarf, dieser Zinserhöhung in Kürze weitere folgen zu lassen", sagte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke. Der deutlich gesunkene Ölpreis mindere den Preisauftrieb. Zudem werde die Erhöhung der Mehrwertsteuer in Deutschland 2007 dem Wachstum im gesamten Euro-Raum einen Dämpfer versetzen.

Inflationsbremse

Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) wertete die Zinserhöhung als konsequenten Schritt. Die Konjunktur habe sich gefestigt und benötige nicht mehr die Unterstützung durch eine expansive Geldpolitik. Zudem seien die mittelfristigen Inflationsrisiken nicht gebannt. Die Gewerkschaften kritisierten die weithin erwartete Zinserhöhung. Rasche Zinserhöhungen und zu geringe Einkommenssteigerungen für die Arbeitnehmer könnten das Wachstum im Euro-Raum in Gefahr bringen, warnte der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB). Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf der EZB vor, unverantwortlich zu handeln. Es gebe keine Zweitrundeneffekte, bei denen die Löhne in Reaktion auf die hohen Ölpreise stärker als erwartet steigen würden, sagte DGB-Vorstandsmitglied Claus Matecki.

Mit Zinserhöhungen will die EZB steigende Inflation verhindern, doch dies kann gleichzeitig das Wachstum bremsen. Dabei überträgt sich die Zinsänderung über verschiedene Wege auf die reale Wirtschaft. Da dies sehr langsam geht, schlägt sich eine Leitzinsanhebung wie die am Donnerstag beschlossene um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent erst mit einer Verzögerung von ein bis zwei Jahren auf Wachstum und Inflation nieder.

Das Ziel der Zentralbank ist es, für ein stabiles Preisniveau zu sorgen und die Inflationsrate niedrig zu halten. Die EZB will die Preissteigerungen auf Raten knapp unter zwei Prozent begrenzen. Geraume Zeit lagen sie im Euro-Raum - vor allem wegen der hohen Energiepreise - einige Zehntel über zwei Prozent. Dem Einbruch des Ölpreises um bis zu 25 Prozent binnen zwei Monaten war im September erstmals seit Anfang 2005 wieder ein stabilitätskonformer Preisanstieg von nur 1,8 Prozent zu verdanken. Doch der Ölpreis kann rasch wieder steigen. (stu)

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