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Wirtschaft

Europäische Luftfahrt in Turbulenzen

Der gestiegene Ölpreis macht vielen kleineren europäischen Fluggesellschaften zu schaffen. Gewinnerin könnte die Lufthansa sein, die kürzlich schon Brussels Airlines übernommen hat.

Lufthansa-Flugzeuge (Quelle: AP)

Kranich auf Beutezug

Vielleicht hilft ja eine Zeitungsanzeige. Bis Donnerstag (25.09.2008) muss die angeschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia einen Sanierungsplan oder wenigstens ein Kaufangebot vorlegen, sonst droht ihr der Entzug der Betriebserlaubnis. Also ging das Unternehmen am Dienstag per Zeitungsanzeige auf die Suche nach Investoren, nachdem alle bisherigen Rettungsversuche gescheitert waren.

Übernahmewelle in Europa

Alitalia (Quelle: AP)

Alitalia droht das Ende

Alitalia ist nicht die einzige Fluggesellschaft in Europa, die in der Krise ist. Zwar sind weder die Scandinavian Airlines (SAS) noch die österreichische Austrian Airlines akut vom Aus bedroht wie die Alitalia. Aber für beide wird ein Käufer gesucht. Als Favorit gilt in beiden Fällen die deutsche Lufthansa. Laut Medienberichten wird sich der Aufsichtsrat des Unternehmens am Mittwoch zusammensetzen, um über weitere Beteiligungen zu beraten.

Die Lufthansa will solche Berichte weder bestätigen noch dementieren. Doch seit sie sich Mitte September Brussels Airlines einverleibt hat, erwarten Branchenkreise eine größere Übernahmewelle in Europa. Hauptursache für die Krise in der europäischen Luftfahrt sind nach Einschätzung von Branchenexperten der gestiegene Ölpreis, der wirtschaftliche Abschwung und die gesunkenen Passagierzahlen. Nicht alle Unternehmen würden damit klarkommen, sagt Ulrich Horstmann, Analyst für Luftverkehr bei der Bayrischen Landesbank: "Die Fluggesellschaften, die finanziell nicht solide sind, gehen als erste über die Klippen."

Trend zur Größe

Flugzeuge von Air France und Alitalia (Quelle: dpa)

Auch Air France war an Alitalia interessiert, wollte aber am Ende doch nicht

Profitieren würden die großen der Branche, in Europa die Air France-KLM, British Airways und eben die Lufthansa. "Der Trend geht zur Größe", sagt Horstmann, "kleinere Fluggesellschaften werden vom Markt verschwinden." Sollte der Ölpreis steigen und auch der Wirtschaftsabschwung weiter gehen, dann müsse auch mit weiteren Firmenpleiten gerechnet werden, warnt Nils Machemehl, Analyst der BHF-Bank.

Die Lufthansa könnte mit der Übernahme von SAS oder Austrian Airlines näher an den Marktführer Air France-KLM heranrücken. Die französisch-niederländische Allianz kam nach Angaben des Weltluftfahrtverbands IATA im Jahr 2007 auf eine verkaufte Flugstrecke von 203 Milliarden Kilometer. Auf Platz zwei liegt die Lufthansa mit 147 Milliarden, gefolgt von der British Airways (113) und Iberia (54). SAS kam auf 41 Milliarden Kilometer, Austrian Airlines auf 17. Beim Frachtumschlag sehen die Verhältnisse ähnlich aus.

Lufthansa auf Einkaufstour

Die Lufthansa selbst schweigt sich auch dazu aus, ob weitere Übernahmen vorbereitet werden. Luftverkehrsexperte Horstmann hält das nicht für ausgeschlossen: Mit dem Kauf von Brussels Airlines habe die Lufthansa bewiesen, dass sie an Zukäufen interessiert sei. Er hält es nicht einmal für prinzipiell unmöglich, dass die Lufthansa auch die angeschlagene Alitalia übernehmen würde. Voraussetzung sei freilich, dass die Übernahme nichts koste und der Staat die Altlasten übernehme. "Letztlich ist das eine Frage der Konditionen", ist sich Horstmann sicher.

Für einen Einstieg der Lufthansa bei Alitalia dürfte es aber zu spät sein. Schließlich seien alle Rettungsversuche bisher gescheitert, sagt BHF-Analyst Machemehl. "Keine seriöse Airline würde Alitalia jetzt noch retten." Zwar sei der italienische Markt für die Lufthansa interessant. "Aber nicht um jeden Preis", so Machemehl.

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