1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Europäer sterben früher durch schlechte Luft

Gero Rueter3. Dezember 2015

Laut Report der EU-Umweltagentur ist die Luftqualität in Europa sehr schlecht - und ein großes Gesundheitsrisiko. Über 400.000 Menschen sterben demnach jedes Jahr vorzeitig.

https://p.dw.com/p/1HFzJ
Symbolbild Gesundheit Abgase Luft
Bild: picture alliance/WILDLIFE/C.Heumader

Luftverschmutzung stellt nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EUA) in Europa das "größte einzelne umweltbedingte Gesundheitsrisiko dar". Durch die Luftverschmutzung - heißt es weiter - verkürze sich die Lebensdauer der Menschen. Außerdem begünstige sie ernsthafte Krankheiten, wie Herzerkrankungen, Atemwegsprobleme und Krebs.

In einem neuen Report, der zur Klimakonferenz in Paris von der EUA in Kopenhagen veröffentlicht wurde, wird geschätzt, dass 430.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in Europa auf Luftverschmutzung zurückzuführen sind.

"Die Luftverschmutzung beeinträchtigt nach wie vor die allgemeine Gesundheit der Europäer und reduziert ihre Lebensqualität und Lebenserwartung", sagt der EUA-Exekutivdirektor Hans Bruyninckx. "Außerdem führt sie zu beträchtlichen wirtschaftlichen Auswirkungen, zu steigenden Kosten für die medizinische Versorgung und aufgrund verlorener Arbeitstage zu einer reduzierten Produktivität der gesamten Wirtschaft."

Der Report zur Luftqualität in Europa wird jedes Jahr herausgegeben und untersucht die Konzentration der verschiedenen Luftschadstoffe und die damit verbundenen Belastungen in den einzelnen EU-Ländern. Die Daten stammen aus den Messstationen in ganz Europa.

Symbolbild Gesundheit Abgase Luft
Die Atemwege werden durch Luftverschmutzung stark geschädigt

Menschen in Städten sind besonders betroffen

Wie aus dem Bericht hervorgeht, sind die meisten europäischen Stadtbewohner Luftschadstoffen in einem Umfang ausgesetzt, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gefährlich erachtet wird. Bei den problematischsten Schadstoffen mit Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit handelt es sich um Feinstaub, Stickstoffdioxid (NO2) und bodennahes Ozon (O3).

Abgesehen von gesundheitlichen Auswirkungen, haben Luftschadstoffe auch eine beträchtliche schädliche Wirkung auf das Pflanzenleben und die Ökosysteme. Sie verursachten zum Beispiel das schädliche Algenwachstum in Gewässern und Pflanzenschäden.

Feinstaub ist Hauptquelle für Gesundheitsschäden

Unter den Luftschadstoffen ist Feinstaub die Hauptquelle für Krankheit und vorzeitige Todesfälle in Europa. Das komplexe Gemisch aus festen und flüssigen Partikeln gelangt beim Menschen in die Nasenhöhle und ultrafeine Partikel mit weniger als 2,5 Mikrometer Durchmesser auch in das Lungengewebe und in den Blutkreislauf.

Die Experten schätzen, dass durch die langfristige Belastung mit Feinstaub 432.000 Menschen in Europa im Jahr 2012 vorzeitig starben und die Lebenserwartung eines jeden EU-Bürgers im Durchschnitt um etwa 38 Tage sinkt.

In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die dominierende Schadstoffquelle. Der Feinstaub gelangt aus Motoren, vorrangig aus Dieselmotoren und durch Bremsen, Reifenabrieb sowie durch die Aufwirbelung des Staubes von der Straßenoberfläche in die Luft.

22.08.2012 DW Fit und Gesund Asthma 2
Besonders der Autoverkehr sorgt in Städten für schlechte LuftBild: picture-alliance/dpa/K.-J. Hildenbrand

Verursacher von Feinstäuben sind aber auch Industrieanlagen, Kohlekraftwerke, Öfen und Heizungen sowie der Schiffs- und Flugverkehr. Während hier die Partikel bei der direkten Verbrennung entstehen, kommt noch der sogenannte sekundäre Feinstaub hinzu.

Sekundärer Feinstaub entsteht durch chemische Reaktionen in der Luft. Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxide (NOx), die bei der Verbrennung entstehen, reagieren dort mit Ammoniak, dass durch Düngung in der industriellen Landwirtschaft freigesetzt wird, zu Ammoniumsulfat und Ammoniumnitrit. "Damit haben wir weiteren Feinstaub", erklärt Professor Rainer Friedrich von der Uni Stuttgart. Nach seinen Berechnungen liegt der Anteil dieser sekundären Feinstäube bei 40 Prozent in Deutschland.

Zum Schutz der europäischen Bevölkerung raten die Experten des EU-Reports zur Einhaltung des Luftqualitätsstandards, wie sie die die Weltgesundheit (WHO) empfiehlt. Dafür müsste die Feinstaubkonzentration in den 28 Mitgliedsländern um durchschnittlich ein Drittel gesenkt werden. "Im Vergleich mit der gegenwärtigen Situation könnten so 144.000 vorzeitige Todesfälle vermieden werden", lautet ein Ergebnis der Autoren.

Autoverkehr verantwortlich für Stickstoffdioxid und Ozon in Städten

Sehr hoch sind in den Städten auch die Luftschadstoffe Ozon (O3) und Stickstoffdioxid (N2O). Stickstoffdioxid ist sehr giftig und kann Kopfschmerzen, Schwindel Atemnot und Impotenz auslösen. Ozon ist ebenfalls für Kopfschmerzen verantwortlich und reizt die Schleimhäute in Rachen, Hals und Bronchien und verursacht Husten und verschlechtert die Lungenfunktion.

98 Prozent der städtischen Bevölkerung in den EU Ländern wurde 2013 Ozon-Konzentrationen ausgesetzt, "die über den WHO-Richtwert liegen", lautet ein weiteres Ergebnis des Berichts. Zudem lag die Konzentration von Stickstoffdioxid bei neun Prozent der Stadtbewohner über den WHO-Richtwert und den EU-Vorgaben.

Stickstoffdioxid entsteht bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas. In den Städten ist besonders der Autoverkehr das Problem. Ozon ist vor allem ein Folgeprodukt der Autoabgase und entsteht aus Stickoxiden in Bodennähe unter dem Einfluss von Sonnenlicht (UV).

Hohe Kosten durch Luftverschmutzung

Immer mehr Menschen leiden unter schlechter Luft. Für die Staaten und Gesundheitssysteme sind auch die Kosten ein Problem.

Experten des internationalen Währungsfonds (IWF) berechneten die externen Kosten für Energie weltweit, vor allem die Gesundheitskosten, die durch die Luftverschmutzung aus Kraftwerken und dem Verkehr entstehen. Nach ihren Angaben summieren sich die globalen Kosten für die Gesundheit im Jahr 2013 auf rund 2200 Milliarden Dollar. Die weiteren Kosten, die durch Luftschadstoffe in Landwirtschaft und Natur entstehen, bezifferten die Experten nicht.