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Wirtschaft

Euroland zurück im Krisenalltag

In den vergangenen Tagen konnte man fast den Eindruck haben, dass Europa seine Probleme langsam in den Griff bekommt. Doch weit gefehlt. Plötzlich sind alle Krisensymptome wieder da.

Zerfallender Euro vor EU-Fahne

Schuldenkrise in Europa - zerfällt die Währungsunion?

Eine Euro Münze und eine D-Mark (Foto: dapd)

Rückkehr zu den alten Währungen ist keine Option

Euroland ist wieder zurück im Krisenalltag, und die Stimmen mehren sich, die vor einem Zerfall der Währungsunion warnen. So führt die italienische Großbank Unicredit im Prospekt zu ihrer Kapitalerhöhung erstmals den Zerfall der Euro-Zone als ein mögliches Zukunftsszenario auf. Die Schuldenkrise "könnte zur Wiedereinführung nationaler Währungen in einem oder mehreren Euro-Staaten oder im schlimmsten Fall zur Abschaffung des Euro führen", heißt es in dem Dokument. An der Börse gelistete Unternehmen sind verpflichtet, bei der Ausgabe neuer Aktien auf die mit Investitionen in die Papiere verbundenen Risiken hinzuweisen.

Ein Scheitern des Euro und ein Untergang der Europäischen Union hätte nach Einschätzung von Star-Investor George Soros schreckliche Folgen. Es wäre nicht nur für "Europa katastrophal, sondern auch für das weltweite Finanzsystem", zitiert die Zeitung "Business Line" am Freitag (06.01.2012) Soros bei einem Besuch der südindischen Stadt Hyderabad. Die Krise in der Euro-Zone sei "ernsthafter und gefährlicher als der Zusammenbruch von 2008", zitierte die "Economic Times" den US-Milliardär und Hedge-Fonds-Manager. Der 81-Jährige wird vom US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" mit einem Vermögen von 22 Milliarden Dollar als siebtreichster Mann der Welt aufgeführt.

EZB warnt vor Zwangsausschluss

Eine Euro-Münze liegt auf einem alten griechischen 100- Drachmen-Schein (Foto: dapd)

Der Euro und die Drachme

Vor einem Zwangsausschluss Griechenlands hat das EZB-Ratsmitglied Klaas Knot gewarnt. Dies würde zu einem Zusammenbruch des Währungsraums führen. "Einen unfreiwilligen Austritt zu ermöglichen, würde zu einem Vertrauensverlust führen", sagte der niederländische Notenbankchef am Donnerstag. Dies würde einer Einladung an Spekulanten gleichkommen. Die Währung selbst würde den Zusammenbruch überstehen, meinte Knot weiter: Die einzelnen europäischen Volkswirtschaften seien in den vergangenen Jahren so verzahnt worden, dass es nicht mehr möglich sei, den Euro abzuschaffen.

Unterdessen wächst das Misstrauen in der europäischen Bankenbranche weiter. Von Donnerstag auf Freitag erreichten die kurzfristigen Einlagen der Kredithäuser bei der Europäischen Zentralbank (EZB) mit 455,3 Milliarden Euro wieder einen neuen Höchststand, wie die Notenbank in Frankfurt am Main mitteilte. Die Höhe der Einlagen gilt als Indikator für die Skepsis der Banken, untereinander Geschäfte zu machen. Sie parken ihr Geld lieber zu schlechteren Konditionen bei der Notenbank als es zu deutlich besseren Zinsen bei einer anderen Geschäftsbank zu lagern.

Papademos warnt vor Staatspleite

Lucas Papademos (Foto: dapd)

Warnt vor Staatspleite: Lucas Papademos

Ein weiteres Krisensymptom: Alle drei Monate läuft die griechische Regierung zur rhetorischen Höchstform auf und beschwört die Staatspleite. Der Grund: Die Beobachter der so genannten Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank reisen kommende Woche wieder nach Athen, um die Reformfortschritte der Regierung zu beurteilen - und davon hängt die Zahlung der nächsten Tranche an Hilfsgeldern ab. Deshalb hat Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos am Donnerstag genau wie sein Amtsvorgänger einmal mehr eindringlich vor einer "unkontrollierbaren Staatspleite" gewarnt.

Auch die Gewerkschaften sollten bei den Sparanstrengungen mitspielen, die Arbeitnehmer müssten weitere Lohnkürzungen hinnehmen, um die Sparziele zu erfüllen, erklärte Papademos. Die EU-Kommission zeigte sich zuversichtlich, dass Griechenland im März die nächste Kredittranche internationaler Geldgeber von fünf Milliarden Euro erhält. Eine Verzögerung sei aber nicht ausgeschlossen, falls die Sparvorgaben von der Regierung nicht eingehalten werden, sagte ein Sprecher der EU-Behörde in Brüssel.

Entscheidend ist, ob der geplante Schuldenschnitt, über den seit Monaten verhandelt wird, über die Bühne geht. Auf dem Euro-Gipfel am 26. Oktober hatten sich Gläubiger-Banken Griechenlands zu einem freiwilligen Schuldenschnitt von 50 Prozent bei griechischen Staatsanleihen bereiterklärt. "Wenn diese Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen sind, dann fällt eine große Last von unseren Schultern", sagte Papademos dem Ministerrat.

Autor: Rolf Wenkel (dpa, rtr, dapd)
Redaktion: Henrik Böhme

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