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Wirtschaft

Euro wird weltweit wichtigste Bargeldwährung

Fünf Jahre nach Einführung der Euro-Banknoten hat die europäische Währung den US-Dollar als wichtigste Bargeldwährung der Welt verdrängt. Doch Europäer tun sich schwer mit ihrer neuen Währung.

Euro-Banknoten

"Zum ersten Mal hat der Euro den Dollar wertmäßig überholt", sagte ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag (27.12.) in Frankfurt und bestätigte damit einen Bericht der "Financial Times Deutschland". Stückmäßig liege aber weiterhin der Dollar vorn, der mit 1-Dollar-Scheinen über kleinere Noten als der Euro verfügt.

Mitte Dezember waren nach EZB-Angaben Euro-Scheine im Wert von 614 Milliarden Euro weltweit im Umlauf. Dem standen zeitgleich Dollar-Scheine im Wert von umgerechnet 588 Milliarden Euro (776 Mrd Dollar) gegenüber, wie aus der Internet-Seite der US-Notenbank Federal Reserve hervorgeht.

Dollar weiterhin globale Leitwährung

Die EZB wollte diese Entwicklung nicht kommentieren. Die Notenbank, die über die Versorgung der Wirtschaft mit Euro wacht, betont stets ihre neutrale Position zur internationalen Rolle der europäischen Gemeinschaftswährung und will den Gebrauch weder fördern noch behindern. Experten sehen in den nackten Zahlen aber eine Verzerrung zu Gunsten des Euro. "In Europa ist Bargeld sehr populär, während man in den USA schon den Zeitungskauf mit Kreditkarte bezahlt und gar keine Scheine mehr in der Geldbörse hat", sagt Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank. Deshalb sei in den USA viel weniger Bargeld im Umlauf.

Obwohl der Euro im Bargeldverkehr auf der Überholspur ist, bleibt der Dollar nach Expertenansicht unangefochten die Weltleitwährung. Bei der Wirtschaftskraft liegen die USA weiter vor Europa, und der US-Finanzmarkt ist sehr viel größer als der im Euro-Raum. Auch als Anlagewährung steht der Dollar immer noch mit großem Abstand an erster Stelle. Nach Zahlen der EZB hielten die Zentralbanken der Welt 2005 rund 66 Prozent ihrer Reserven in Dollar und nur 24,3 Prozent in Euro. Dennoch legt der Euro zu, denn Ende 1999 betrug sein Anteil an den weltweiten Reserven erst 18 Prozent. Immer mehr Staaten kündigen an, statt Dollar Euro in ihr Portfolio zu nehmen, zuletzt die Vereinigten Arabischen Emirate.

Europäer tun sich schwer mit dem Euro

Auch wenn die europäische Gemeinschaftswährung über den Kontinent hinaus weltweit zusehends an Einfluss gewinnt, tun sich viele Europäer weiterhin schwer mit dem Euro. Mehr als die Hälfte der Deutschen sehnt sich noch nach der guten alten D-Mark. 52 Prozent der Bürger findet, dass der Euro mehr Nachteile als Vorteile gebracht hat, wie kürzlich eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Welle zeigte. Sogar 58 Prozent würden sich für die Mark entscheiden, wenn sie die Wahl hätten, schrieb das Magazin "Stern" unter Berufung auf dasselbe Institut.

Andere Nationen tun sich da erheblich leichter: Die Iren sind bei der Übernahme der neuen Währung eindeutig Europameister. Mit 84 Prozent haben sie den größten Anteil von Bürgern, die mit dem Euro "überhaupt kein Problem" haben. Ihre täglichen Einkäufe rechnen sie zu 93 Prozent nicht mehr in ihre alte Währung um. Der EU-Durchschnitt liegt dagegen nur bei 56 Prozent. Italiener und Franzosen dagegen quälen sich mit der neuen Währung: Zwei Drittel der Italiener und die Hälfte der Franzosen haben weiterhin Probleme. In Frankreich sind alle Preise weiterhin in Franc und in Euro angegeben.

Statistiker bestätigen Teuro

Buchstaben auf Holzspielsteinen beschreiben das Wort Teuro (Archivbild)

Hat der Euro die Preise nach oben getrieben?

Fast alle EU-Bürger sehen eine allgemeine Teuerung als direkte Folge der Euro-Einführung. Der Widerspruch zwischen amtlichen Statistiken, die auch zum fünften Jahrestag verkünden, von einem Teuro könne keine Rede sein, und der Wahrnehmung der Verbraucher geht nach Erkenntnissen des Statistikers Hans Wolfgang Brachinger auf die Berechnungsmethode zurück.

Die amtlichen Warenkörbe und Preisindizes ziehen eines nicht in Betracht, so Brachinger im Gespräch mit AFP: "Die Kaufhäufigkeit ist ausschlaggebend". Vereinfacht heißt das: Was hilft eine Preissenkung bei Fernsehern, die nur alle paar Jahre eingekauft werden, wenn die Ausgaben für Brötchen, Kaffee oder Friseurbesuch dramatisch steigen. "Das heißt natürlich nicht, dass daran der Euro Schuld ist", räumt Brachinger ein, der die Verantwortung bei den Händlern sieht.

Die zähe Überzeugung der Bürger, der Euro sei ein "Teuro", hat laut EU-Umfragen Folgen für die Konjunktur: 44 Prozent der Italiener und sogar 55 Prozent der Deutschen sagen, sie kauften seit Euro-Beginn weniger ein - aus lauter Angst, sich zu vergaloppieren. (rri)

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